The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Gotthard: 10 Todesopfer

Wie giftig sind die Luftpartikel im Gotthard? Diese Frage wird zur Zeit geklärt. Keystone

Bei der Brandkatastrophe im Gotthardtunnel sind gemäss Behörden-Angaben 10 und nicht elf Menschen ums Leben gekommen. Eine Task Force koordiniert den Verkehr.

Die Behörden haben die Opferzahl – es wurde immer von 11 Opfern gesprochen – am Montag in Airolo korrigiert, aber noch nicht definitiv bestätigt. Auch wurde vom Militärdepartement bestätigt, dass der Gotthard unterminiert ist.

Generalstabschef Hans-Ulrich Scherrer habe vor einigen Wochen die Direktive herausgegeben, mit der Entladung der an verschiedenen strategischen Verkehrsachsen in der Schweiz angebrachten Sprengkörper zu beginnen. Bei der Wiederöffnung werde es im Gotthardtunnel keinen Sprengstoff mehr geben.

Wie gefährlich und giftig war die Fracht der im Gotthard-Tunnel verbrannten Lastwagen? Die Tessiner Polizei hofft, dass in dieser Frage bald Klarheit herrscht. Erst danach werden die Brandspezialisten im Tunnel auf Spurensuche gehen.

«Es besteht die Gefahr, dass giftige Staubteilchen im Tunnel herumschwirren. Bei den Löscharbeiten wurden diese Stoffe ans Wasser gebunden und waren deshalb harmlos», sagte der Tessiner Polizeikommandant Romano Piazzini.

Da der Tunnel jetzt durch den Einsatz der Ventilatoren ausgetrocknet sei, müsse man zuerst abklären, ob die Gesundheit der Brandspezialisten am Unfallort nicht gefährdet sei. Piazzini will vor allem wissen, was für Güter die verunfallten Lastwagen transportierten.

Den Schwerverkehr regulieren

Nach der Brandkatastrophe im Gotthard-Tunnel sucht sich der Schwerverkehr auf der Nord-Süd-Achse neue Wege. Letzte Woche fuhren siebeneinhalb Mal mehr Lastwagen pro Tag über den San Bernardino – 4’500 statt den üblichen 600.

Der Tessiner Baudirektor Marco Borradori fordert deshalb eine Regulierung des Schwerverkehrs in Europa. Nicht die Sicherheit im Gotthardtunnel sei das Hauptproblem, sondern das zu grosse Verkehrsvolumen.

Der Bundesrat müsse sich bei der EU für eine europäische Lösung des Schwerverkehr-Problems einsetzen. Gemäss Regierungsrat Borradori wäre zum Beispiel eine Limitierung denkbar (siehe Link). Die EU hingegen fordert ein Entgegenkommen in Sachen 40-Tönner. Die Schweiz solle das 40-Tönner-Kontingent vorübergehend erhöhen.

Task Force

Nun soll eine inter-kantonale Task Force den internationalen Schwerverkehr von Grenze zu Grenze koordinieren. Der Lastwagenverkehr soll mit griffigen Massnahmen eingeschränkt werden.

Ziel ist, den Schwerverkehr auf der Strasse zu limitieren, sagte der Bündner Regierungsrat Stefan Engler nach einem Treffen mit Verkehrsminister Moritz Leuenberger. Die Task Force soll unter der Leitung des Bundes stehen und sofort an die Arbeit gehen.

Hauptaufgabe der interkantonalen Task Force ist ein Staumanagement. Als mögliche Massnahme zur Stauverhinderung sieht Engler ein Anhalten des Schwerverkehrs in Notsituationen bei den Zollämtern an den Grenzen wie bereits im Frühling.

Der Bund schliesst allerdings eine baldige Kontingentierung des Transit-Schwerverkehrs durch die Schweiz aus. Eine solche Beschränkung des Schwerverkehrs sei aus rechtlichen und praktischen Gründen kaum durchführbar.

Angst vor wirtschaftlichen Verlusten

Seit der Katastrophe im Tunnel fehlt eine wichtige Verbindung ins Tessin von Norden her. Doch Engpässe in der Lebensmittel-Versorgung seien wegen der Schliessung des Gotthardtunnels bisher nicht zu spüren, sagte Finanz- und Wirtschaftsdirektorin Marina Masoni in einem Interview der «SonntagsZeitung». Diversen Betrieben fehle es aber an Ersatzteilen und Rohmaterial. Die wirtschaftlichen Schäden liessen sich noch nicht beziffern.

Der Kanton habe zudem eine Task Force eingesetzt. Sicher werde auch der Bund helfen müssen, weil das Tessin ohne Gotthard-Verbindung isoliert sei.

Kein Katastrophen-Szenario verbreiten

«Der Gotthard ist nicht New York», sagte der Direktor des Fremdenverkehrs-Verbands Ticino Tourismo, Giuseppe Stinca. Das Tessin sei nicht isoliert, und es müsse vermieden werden, dass ein Katastrophen-Szenario über die Erreichbarkeit des Tessins verbreitet werde. Neben den Verbindungen über die Alpenpässe gebe es ausgebaute Bahnangebote und Crossair-Flüge. Hinzu komme, dass der Personenwagen-Verkehr ins Tessin ohne Schwerverkehr flüssiger vorankomme.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft