IOC-Mitglied Hodler: Kein Rücktritt für Ogi
Marc Hodler, IOC-Mitglied auf Lebzeiten, will von einem Rücktritt von seinem Posten zu Gunsten von alt Bundesrat Adolf Ogi nichts mehr wissen. Dies, weil ihn Ogi in der Folge seiner Nicht-Wahl ins IOC "ständig anschwärze".
Er habe Ogi davon in Kenntnis gesetzt, dass er nicht mehr bereit sei zurückzutreten, sagte Hodler in einem Interview in der Berner Zeitung vom Samstag (21.07.). Laut dem 83-jährigen IOC-Mitglied Hodler hat Ogi aber durchaus noch Wahlchancen. Zudem habe er am Tag nach dem ablehnenden IOC-Entscheid den Antrag gestellt, dass Ogi zum «Super-Ehrenmitglied» ernannt werde.
Die Kehrtwende in Sachen seines zunächst angekündigten Rücktritts begründet Hodler damit, dass er von namhaften IOC-Mitgliedern wie dem neuen Präsidenten Jacques Rogge zum Bleiben aufgefordert worden sei. Weiter habe er erfahren, dass sein Rücktritt Ogis Wahl nicht beeinflusst habe.
Intakte Wahlchancen als UNO-Mann
Das Scheitern des alt Bundesrats führt Hodler darauf zurück, dass er als Ehrenpräsident von Swiss Olympics kandidierte und nicht als UNO-Sonderbotschafter. Als «UNO-Mann» wäre Ogi einstimmig gewählt worden, zeigt sich Hodler überzeugt.
Ogi hätte sich darüber hinaus nicht einseitig auf Juan Antonio Samaranch verlassen dürfen, der ihm zur Kandidatur als Ehrenpräsident geraten habe, meint der Berner Fürsprecher. Ogis Äusserungen, im IOC müsse aufgeräumt und Reformen durchgeführt werden, hätten ihm zudem sicher keine neuen Freunde beschert. Zumal vor zwei Jahren weitgehende Reformen beschlossen worden seien.
Sion 2010 mit Mitleidseffekt
Zu den Chancen der Schweizer Kandidatur für die Winterspiele 2010 gibt sich Hodler optimistisch. Der Mitleidseffekt könne eine grosse Rolle spielen, nachdem Sion zwei Mal unterlegen sei.
Alt Bundesrat Adolf Ogi ist am 16. Juli bei der Wahl neuer IOC- Mitglieder gescheitert. Ogi erhielt bei der geheimen Wahl in der 112. IOC-Vollversammlung 46 Ja-Stimmen. 59 stimmten gegen ihn, 4 enthielten sich.
Es war die erste Ablehnung eines Kandidaten, der vom IOC- Exekutivkomitee vorgeschlagen worden war. Ogi machte an erster Stelle die Übervertretung der Schweiz im IOC für den Misserfolg verantwortlich.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch