Mehr Platz für Schweizer Fahrende
Schweizer Fahrende benötigen für den Erhalt ihrer nicht sesshaften Lebensweise mehr Stand- und Durchgangsplätze. Eine Studie im Auftrag der Stiftung "Zukunft für Schweizer Fahrende" hat ein Bedürfnis von 60 zusätzlichen Plätzen in der ganzen Schweiz ausgemacht.
Das raumplanerische Gutachten über den Bedarf an Plätzen für Fahrende in der Schweiz kommt zum Schluss, dass die bestehenden elf Stand- und 48 Durchgangsplätze bei weitem nicht genügen.
Gemäss der am Freitag (01.06.) in Bern vorgestellten Studie des St. Galler Raumplanungsbüros Eigenmann ist in den nächsten zehn Jahren in der Schweiz von 2’500 Menschen auszugehen, welche die fahrende Lebensweise pflegen werden. Deshalb sollten innerhalb der nächsten zehn Jahre – verteilt über die ganze Schweiz – je 30 neue Stand- und Durchgangsplätze geschaffen werden, wie es weiter heisst.
Auch bei den bestehenden Plätzen bestehe Handlungsbedarf. Sie seien teilweise in kaum zumutbarem Zustand und müssten hinsichtlich Ausstattung und Öffnungszeiten verbessert werden. Die Kosten für die Neuschaffung und Sanierung von Plätzen für Fahrende belaufen sich auf rund 34 Mio. Franken innerhalb der nächsten zehn Jahre oder 3,4 Mio. Franken pro Jahr.
Die Bedürfnisse der Fahrenden können nach Auffassung der Gutacher ohne weiteres aufgrund des bestehenden Raumplanungsrechts verwirklicht werden. Einzig für den so genannten spontanen Halt – das Anhalten in Absprache mit dem Grundeigentümer auf dessen privatem Grundstück – müssten noch einige kantonale Planungs- und Baugesetze angepasst werden.
Bundesrätin Ruth Dreifuss begrüsste in ihrem Vorwort zum Gutachten die Arbeit, die erstmals verlässliche Angaben zu den räumlichen Bedürfnissen der Fahrenden und zu den Anforderungen an Stand- und Durchgangsplätze liefere. «Ich lade die Behörden der Gemeinden, der Kantone und des Bundes ein, sich mit den unterbreiteten Vorschlägen zu befassen und geeignete Massnahmen für die Minderheit der Fahrenden zu treffen», schreibt Dreifuss.
Wie die Studie darlegt, besteht die Lebensweise der Fahrenden darin, dass sie der Arbeit nachreisen. Während der kalten Jahreszeit bleiben sie stationär auf einem Standplatz einer Gemeinde, wo sie auch angemeldet sind. Während der Reisemonate ziehen sie in kleinen Verbänden durch die Schweiz und halten vorübergehend auf einem Durchgangsplatz. Nach Schätzungen gehören bis zu 35’000 Menschen zur Gruppe der Schweizer Fahrenden.
swissinfo und Agenturen
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