Moskau: Fünf Schweizer müssen vor Gericht
Am Rand der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Moskau hat die russische Polizei am Mittwoch (11.07.) eine Kundgebung von Exil-Tibetern und Schweizern unterbunden. Neun Beteiligte, darunter fünf Schweizer, wurden vorübergehend festgenommen und müssen am Donnerstag vor Gericht erscheinen.
Die Festgenommenen konnten das Polizeigebäude am Mittwochabend verlassen, wie die festgenommene Yangzom Brauen, Präsidentin des Vereins Tibeter Jugend in Europa (VTJE), mitteilte. Sie müssen am Donnerstag um 09.30 Uhr Ortszeit vor Gericht erscheinen.
Gegen Kandidatur Pekings
Die Gruppe demonstrierte mit einem Plakat gegen die Kandidatur Pekings für die Olympischen Sommerspiele 2008. Das IOC entscheidet am Freitag über die Vergabe. Peking gilt als Favorit.
Das vom Schweizer Frank Bodin entworfene Plakat zeigt fünf den olympischen Ringen entsprechend angeordnete Einschusslöcher und den Text «The Games of Bejing. With Tibet» (Die Spiele von Peking mit Tibet). Damit soll auf die Menschenrechtslage in Tibet hingewiesen werden.
Ein Dutzend Polizisten hatten am Mittwochmorgen neun an der Kundgebung beteiligte Personen in der Nähe des World Trade Centers, wo die ICO-Session stattfindet, in Gewahrsam genommen.
Auch Journalisten
Neben Brauen wurden eine weitere Schweizerin, zwei Schweizer sowie je ein Tibeter aus Moskau und Indien festgenommen. In Gewahrsam genommen wurden auch drei Medienschaffende, darunter ein Mitarbeiter der Zürcher Fotoagentur «lookat».
Wie EDA-Sprecherin Daniela Stoffel sagte, hatte eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Moskau und eine Übersetzerin die Festgenommenen besuchen können.
In einem Communiqué forderte die internationale Journalisten-Organisation «Reporters sans frontières» am Mittwochabend die umgehende Freilassung der Festgenommenen. Es gehe nicht an, dass die Meinungs- und die Informationsfreiheit «dermassen mit Füssen getreten werde».
«Störungsfreier Verlauf» versprochen
Die nicht genehmigte Kundgebung verstosse gegen das russische Gesetz, sagte Polizeisprecher Sergej Schewzow. Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow hatte dem IOC einen störungsfreien Verlauf der Session zugesichert.
Der schweizerische IOC-Generaldirektor François Carrard bestätigte am Mittwochabend die Festnahmen, ohne Details zu kennen. Er gehe davon aus, dass es sich um «administrative Massnahmen» handle, die vermutlich Geldbussen zur Folge haben würden.
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