Prosit Neujahr!
Das neue Jahr ist da - Zeit der Rück- und Ausblicke, Vorsätze und Guten Wünsche. Auch für Politiker und Politikerinnen. Ein Rundgang im Bundeshaus.
Aufräumstimmung und aufgeräumte Stimmung im Parlament. Die dicken Dossiers des Jahres 2001 wandern in die Papiersammlung oder ins Archiv. Es ist Zeit, sich Gedanken über Anstehendes im neuen Jahr zu machen.
«Die SVP-Linie stärken», will Nationalrat Toni Brunner, junger Bauer und Zögling Christoph Blochers. «Super» wäre es natürlich, wenn die Kandidatur für die Fussball-EM 2008 gelingen würde, und «super» wäre es, wenn die Expo.02 ein Erfolg würde. Auch wenn der Staat bereits zu viel Geld hineingebuttert hat – und noch immer muss.
Der neuen Fluggesellschaft, die im März wie ein Phoenix sich aus der Asche erheben sollte, wünscht er, «dass sie in der Luft bleibt». Anders bei der UNO – ist doch seine Partei der Meinung, dass der Schweizerischen Unabhängigkeit ein Grounding droht, wenn die Schweiz ihr beitritt.
Hohe Ambitionen
Der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Krebs- und Chefarzt, Entwicklungshelfer in Südamerika, Forscher, Vater von sieben Kindern und Tessiner Charmeur Franco Cavalli hat sich für das neue Jahr Erstaunliches vorgenommen: «Noch mehr zu arbeiten.» Hoch sind die Ambitionen: Das Krankenkassen-Problem und die Finanzierung des Gesundheitssystems lösen. Rein technisch ist das eigentlich nur möglich, wenn seine Tage 48 Stunden zählen würden…
Immerhin sieht er ein, dass er für die Fussball-EM keine Zeit haben wird: «Ich werde sicher nicht in der Mannschaft spielen.» Ob er deshalb der Kandidatur geringe Chancen einräumt? Anders beurteilt er den UNO-Beitritt. Der werde «kein Problem».
Seine Berner Parteikollegin Stefanie Baumann zieht Wünsche den Vorsätzen vor, zum Beispiel, dass die Mutterschafts-Versicherung endlich geboren wird. «Ich hoffe es gibt sie dann noch», ist nicht ihr Kommentar zur Parlamentsdebatte über die Versicherung, sondern zum Start der neuen Airline, die im März abheben sollte.
Die Schweiz als Leuchtturm
Der UNO-Beitritt soll «das erste wirkliche Geschenk des neuen Jahres werden», wünscht sich die Liberale Barbara Polla. Und trotz Polterei gegen die Bundesfinanzierung der neuen Airline gibt auch sie dieser die allerbesten Wünsche mit in die Wolken. Nicht ganz uneigennützig hofft die Genferin auch auf eine Fussball-EM, denn dann erhielte Genf ein neues Stadion.
Ähnlich tönt es beim Zürcher Toni Bortoluzzi. «Das wäre gut für die Imagepflege und vor allem – wir bekämen endlich neue Stadien.» Der SVPler mit der Statur eines grossen Geniessers sass denn auch lange Jahre an Matchs auf dem Hardturm. Dem Tumult geht er zwischen Weihnachten und Neujahr aus dem Weg, zieht sich zurück und widmet sich der Zukunft. Zum Beispiel will er unser aller Portemonnaie bei den Krankenkassen-Prämien entlasten.
«Als positiver denkender Mensch», wie er sich bezeichnet, «mit vier Frauen zu Hause», hätte er wegleitendes Licht eigentlich wenig nötig. Und doch wünscht er der Schweiz, «dass sie immer Leuchtturm sein mag, für Freiheit und Unabhängigkeit in der Welt». Und ausserhalb der UNO.
Flug im siebten Himmel
Bedächtig zieht der Baselbieter Nationalrat an seiner Pfeife – der Ausgleich zum stressigen Alltag im Crossair-Cockpit. Paul Kurrus möchte nächstes Jahr Einiges besser machen als im Jahr 2001. Zum Beispiel nicht mehr zu viele Sache in zu wenig Zeit packen. Anpacken hingegen sollte die Schweiz Vieles. «Ich weiss, dass die Schweizer Bevölkerung genügend weise sein und in Sachen UNO-Beitritt die richtige Entscheidung treffen wird.» Das müsse er sich nicht wünschen.
Der Freisinnige Pilot will aber auch noch das Fahrwerk einziehen, damit die neue Airline an Höhe gewinnen «und dann einen schönen Flug an der Sonne geniessen kann». Auch der Expo.02 wünscht er einen «guten Start» – Deformation professionelle.
Die Expo.02 – ein Fest
Seine Fraktionschefin Christine Beerli lebt nach Prinzipien und verzichtet deshalb auf Neujahrsvorsätze. Anders ihr Parteikollege Marc Suter. Wenn er von «offenen Baustellen» spricht, an denen er «zielstrebig weiterarbeiten» möchte, meint er nicht nur die Arteplage in seiner Stadt Biel, sondern auch politische. So verlangt der Rollstuhlfahrer die Gleichstellung der Behinderten, aber auch eine Öffnung der Politik. «Ich denke, dass die Schweiz über kurz oder lang Mitglied der EU werden muss.» Ein ‚must‘ ist für ihn auch der UNO-Beitritt. «Ich muss sagen ‚Gute Nacht‘ für unsere Aussenpolitik, wenn das nicht gelingen sollte.»
Wer Marc Suter nächstes Jahr gerne sehen möchte: Auf zur Expo.02. Fast jeden Tag werde er auf der heimischen Arteplage anzutreffen sein. Und er freut sich auf das grosse Fest. Spontan wird wohl auch Doris Leuthard an der Expo.02 anzutreffen sein. Auf die fulminante Eröffnungs-Zeremonie und die Feuerwerke ist sie besonders gespannt. Die christdemokratische Strahlefrau nimmt sich wegen ihrer Spontaneität auch keine Vorsätze vor. «Ich finde das Spontane schöner und lebendiger und auch ehrlicher, als Vorsätze zu fassen, die man dann doch nicht umsetzt.»
Rebecca Vermot
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