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Ringen um neue Schweizer Airline

Das lange Warten auf die Entscheidung dauert an. Keystone

Die Diskussion um den Aufbau einer neuen Schweizer Luftfahrt-Gesellschaft dauert an. Eine Lösung ist noch nicht gesichert. Der Bundesrat will am Montag informieren.

Insgesamt werden über 4 Mrd. Schweizer Franken gebraucht, um eine neue Airline mit interkontinentalen Flügen bis 2004 auf der Basis der Crossair zu erhalten. Zu diesem Zweck fand am Samstag in Zürich eine mehrstündige Arbeitssitzung statt, an der Vertreter des Bundesrats, der Grossbanken, anderer Wirtschaftskreise sowie des Kantons Zürich teilnahmen.

Wie Daniel Eckmann, Kommunikations-Chef des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), erklärte, habe eine «konstruktive Atmosphäre geherrscht». Allerdings gebe es weiterhin offene Fragen.

Zusammensetzung der Finanzierung unklar

Der gemeinsame Wille zur Realisierung der neuen Fluggesellschaft sei an der Sitzung bestätigt worden. Zu klären ist laut Eckmann die definitive Zusammensetzung der Finanzierung. Die Beteiligten seien sich einig, dass der Kapitalbedarf grösstenteils von privaten Investoren und nur unterstützend von der öffentlichen Hand zu tragen sei.

Alle Verhandlungs-Parteien seien auch am Sonntag an der Arbeit und stünden miteinander in Kontakt. Eine weitere Zusammenkunft sei jedoch nicht geplant. «Vor Montag fällt kein Entscheid, und es gibt keinerlei Information», sagte Eckmann. Der Bundesrat werde am Montag an einer Medienkonferenz informieren.

Anbindung der Schweiz erhalten

Gemäss EFD-Mitteilung besteht das Ziel darin, die Anbindung der Schweiz an das interkontinentale Flugnetz mit einer eigenen Airline zu erhalten. Der damit verbundene Standortvorteil läge in gesamtwirtschaftlichem Interesse. Gravierende soziale und volkswirtschaftliche Folgen seien abzuwenden.

Grundlage der Arbeiten ist das Modell «26/26/82». Es sieht zusätzlich zu den 82 Crossair-Flugzeugen die Integration von je 26 Kurz- und Langstrecken-Flugzeugen der Swissair-Flotte in die neue Airline vor.

Umfrage: Mehrheit für Bundesgelder

Im Auftrag der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen DRS und der Zürcher «SonntagsZeitung» führte das Meinungsforschungs-Institut Isopublic eine repräsentative Umfrage durch, welche in der Bevölkerung die Akzeptanz einer Bundes-Beteiligung an der neuen Schweizer Airline klären sollte.

Laut Umfrage befürworten 62% der 1’000 befragten Stimmberechtigten eine finanzielle Beteiligung des Bundes. 39% sagten vorbehaltlos ja. 23% machten den Vorbehalt, dass sich auch die Wirtschaft beteiligen müsse.

Ein Drittel der Befragten lehnt weitere Bundesgelder ab. 5% äusserten keine Meinung.

Stern der FDP sinkt

Das Swissair-Debakel beeinflusst auch die politische Stimmung in der Schweiz: Die Sozialdemokratische Partei (SP) und die Schweizerische Volkspartei (SVP) überholen die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) in der Wählergunst. Dies zeigt eine Umfrage des «SonntagsBlick». Damit hat die FDP ihren Spitzenplatz eingebüsst, den sie mit 24% bei der letzten Umfrage im Juli erstmals seit zehn Jahren einnehmen konnte.

Je 22% der Wählerinnen und Wähler hätten laut Umfrage ihre Stimme der SP oder der SVP gegeben, wenn am Sonntag Nationalrats-Wahlen gewesen wären. Auf die FDP entfielen 20,5% und auf die CVP noch 16% der Stimmen.

Für Politberater Iwan Rickenbacher ist für den FDP-Rückgang erstens die Rolle der Partei bei der Swissair-Krise verantwortlich. So profitierte gerade die SP von der zunehmenden Skepsis der Wähler gegenüber Privatisierungs-Bestrebungen.

Zweitens hat die FDP laut Rickenbacher aber auch mit Personal-Problemen zu kämpfen: «Die FDP muss einen Generationenwechsel verkraften und steht vor einem Strukturwandel.»

swissinfo und Agenturen

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