Stadt Zürich kauft Liegenschaften für 1,3 Milliarden Franken
Die Stadt Zürich hat von 2022 bis 2025 rund 1,3 Milliarden Franken in Liegenschaften investiert. Nun zieht das Finanzdepartement eine erste Bilanz.
(Keystone-SDA) Von 2022 bis 2025 hat die Stadt Zürich für insgesamt 1,3 Milliarden Franken 47 Liegenschaften erworben. Wie das Finanzdepartement in einem am Freitag veröffentlichten ersten Evaluationsbericht festhielt, tragen 29 dieser Objekte in neun Stadtkreisen direkt zum Wohnbauziel bei. Für diese investierte die Stadt 870 Millionen Franken und übernahm 527 Wohnungen. Diese Liegenschaften weisen zudem Ausnutzungsreserven für rund 661 zusätzliche Wohnungen auf. Weitere 18 Objekte kaufte die Stadt für knapp 440 Millionen Franken als strategische Landreserven.
Mit den Käufen verfolgt Zürich drei Absichten: den Bedarf für städtische Einrichtungen sichern, bestehende Grundstücke vergrössern und dazu beitragen, dass bis 2050 ein Drittel aller Mietwohnungen gemeinnützig ist. Der Stadtrat setzte sich zum Ziel, bis 2040 rund 3000 städtische Wohnungen zu schaffen, was etwa 50 Käufen pro Jahr entspricht. In den Jahren 2022 bis 2025 erwarb die Stadt im Schnitt mehr als doppelt so viele Wohnungen.
Seit 2021 kann der Stadtrat Liegenschaften ohne Zustimmung des Gemeinderats ins Finanzvermögen kaufen. In den Jahren 2024 und 2025 prüfte die städtische Verwaltung 324 Objekte für einen Erwerb. In den meisten Fällen erhielten jedoch andere Interessenten den Zuschlag.
Herausforderungen bei Mieten und Entwicklung
Die Bilanzen verdeutlichen auch die Probleme der aktiven Kaufstrategie. Hohe Kaufpreise aufgrund des Marktniveaus und des Entwicklungspotenzials führen zu höheren Anfangsmieten bei Neubauten als im städtischen Bestand, selbst unter dem Kostenmietmodell. Langfristig entwickeln sich die Mieten jedoch moderater als am freien Markt.
Zudem entsteht Entwicklungsdruck auf den Arealen. Die Kosten ungenutzter Reserven belasten den allgemeinen Finanzhaushalt, was Druck zu raschem Bauen erzeugt. Dies steht oft im Zielkonflikt mit der Rücksichtnahme auf bestehende Mietende sowie Anforderungen an Klimaschutz und Denkmalpflege. Auch der personelle und organisatorische Aufwand für die Verwaltung der Objekte stieg deutlich an.
Parteien reagieren gespalten
Die Veröffentlichung des Rechenschaftsberichts löste unterschiedliche politische Reaktionen aus. Die SP kritisiert eine Verlangsamung der Käufe seit Mitte 2025 und fordert eine Kehrtwende. Das städtische Ziel von 50 Wohnungen pro Jahr reiche nicht aus, um das Drittelsziel bis 2050 zu erreichen. Laut der Partei müssten dafür jährlich etwa 750 Wohnungen erworben werden.
Die Grünliberalen bemängeln das Fehlen einer klaren Strategie zur raschen Nutzung der Potenziale. Gekauft sei noch nicht gebaut, betont die GLP. Sie fordert, Liegenschaften mit unter 50 Wohnungen im Baurecht an gemeinnützige Bauträger abzugeben, die Richtlinien zur Baurechtsabgabe zu modernisieren und Verdichtungspotenziale konsequent zu nutzen.
Die FDP verlangt hingegen einen sofortigen Marschhalt bei den Immobilienkäufen. Der Kauf bestehender Wohnungen schaffe keinen neuen Wohnraum und verursache Finanzierungslücken im städtischen Haushalt. Die Freisinnigen fordern, Käufe künftig auf das strategisch Notwendige zu beschränken und stattdessen private sowie gemeinnützige Investitionen zu fördern.