
STEEL/Deutsche Stahlindustrie erwartet auch 2012 Zuwächse
PARIS (awp international) – Die deutsche Stahlindustrie lässt sich trotz Schuldenkrise und Finanzmarktturbulenzen ihre Zuversicht nicht nehmen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl bekräftigte am Mittwoch bei der Weltstahlkonferenz in Paris ihren Ausblick und stellte auch für das kommende Jahr «moderates Wachstum» in Aussicht. «Eine Rezession, geschweige denn ein ähnlicher Absturz wie im Herbst 2008, ist unwahrscheinlich», sagte der Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. «Eine fundamentale Trendumkehr der bislang guten Entwicklung auf dem deutschen und den internationalen Stahlmärkten erwarten wir nicht.»
Auch der Weltstahlverband rechnet weiter mit Wachstum, wenn auch deutlich langsamer als zuletzt.In diesem Jahr soll die globale Stahlproduktion weltweit um 6,5 Prozent auf den Rekordwert von knapp 1,4 Milliarden Tonnen steigen, im kommenden Jahr soll es noch um 5,4 Prozent nach oben gehen. 2010 lag das Wachstum bei 15,1 Prozent. Getragen wird das Plus weiter von den Schwellenländern und besonders China.
Es gebe aber ein «Abwärtsrisiko», schränkte Kerkhoff seine Erwartungen zu Deutschland ein. Die konjunkturellen Perspektiven hätten sich nach einem «sehr dynamischen» ersten Halbjahr eingetrübt. Die Gegenbewegung falle nun stärker aus als erwartet. Als Grund gab Kerkhoff die grosse Verunsicherung bei den Stahlkunden über die weitere Entwicklung der Wirtschaft an. Das führe dazu, dass die Unternehmen ihre Vorräte abbauten, um nicht wie in der Finanzkrise 2008 mit vollen Lagern in eine Rezession zu rutschen.
Das setzte in den vergangenen Monaten die Preise unter Druck. Viele Stahlhersteller haben darauf reagiert, in dem sie ihre Produktion drosseln. Ob die Auftragseingänge schon im laufenden Quartal wie üblich wieder anziehen, sei nicht garantiert, sagte Kerkhoff. Nach Ansicht von Voestalpine-Chef Wolfgang Eder müssen sich die Stahlhersteller auf eine maue Preisrunde einstellen. «Steigende Preise sind fürs Erste nicht zu erwarten», sagte der Manager des österreichischen Stahlkonzerns der «Financial Times Deutschland» am Mittwoch. Die Verunsicherung der Konsumenten durch die Schuldenkrise beginne die Realwirtschaft zu beeinträchtigen.
Bereits im September blieb die übliche Steigerung der Stahlproduktion in Deutschland aus. Die Hütten erschmolzen 3,65 Millionen Tonnen Rohstahl. Das war in etwa so viel wie in den wegen der Ferienzeit normalerweise schwächeren Monaten Juli und August. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhte sich die Produktion aber um 10,3 Prozent.
Der Stahlverband äusserte die Erwartung, dass es sich nur um einen vorübergehenden Dämpfer handele. So sei die Auftragslage der wichtigen stahlverarbeitenden Branchen weiter gut und es werde in der Industrie nach wie vor viel Stahl verbraucht. Die Schwäche resultiere bislang allein aus dem Abbau der Vorräte in den Lagern.
Dass die Lager derzeit ziemlich leer sind, eröffne nun sogar die Chance, dass sich jede Aufhellung der Wirtschaftslage unmittelbar auf die Stahlnachfrage auswirken dürfte, sagte Kerkhoff. «Vom Lagerzyklus wird 2012 kein Gegenwind kommen, erhebliche Impulse sind aber nicht ausgeschlossen.» Auch ein Abreissen der Investitionen in Deutschland sei bislang nicht zu erkennen. Finanzierungsengpässe aufgrund der schwierigen Situation der Banken in Europa gebe es nicht.
In diesem Jahr sollen laut Verbandsprognose in Deutschland 45,5 Millionen Tonnen Stahl hergestellt werden, 1,7 Millionen Tonnen mehr als 2010. Damit würde in Deutschland nach dem heftigen Einbruch während der Wirtschaftskrise 2008 und 2009 die Stahlkonjunktur wieder das Niveau von 2006 erreichen. Dagegen liegt sie in der der gesamten EU noch 15 Prozent darunter, in Nordamerika sogar mehr als 20 Prozent. Im kommenden Jahr rechnet der Stahlverband dann mit einem weiteren Wachstum von 1,5 Prozent in der Deutschland./enl/stb/tw