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Streik blockiert grösste Baustelle Europas

NEAT-Arbeiter setzen sich ein für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag in der Baubranche.

(Keystone)

Einige hundert Bauarbeiter befinden sich auf den Gotthard-Baustellen der Neuen Eisenbahn Alpen-Transversale (NEAT) im Streik, erklären die Gewerkschaften.

Dieser Streik ist ein neuer Höhepunkt im Streit um einen neuen landesweiten Gesamtarbeitsvertrag. Die Arbeitgeber sprechen dagegen von Blockade und verurteilen die Gewerkschaften.

Die Baugewerkschaften haben am Samstagmorgen ihren Streik auf den NEAT-Baustellen für den Gotthardbasistunnel ausgeweitet. Seit der Frühschicht werde auch die grösste Baustelle in Sedrun im Bündnerland bestreikt, teilten die Gewerkschaften Unia und Syna mit.

Damit seien alle NEAT-Baustellen vom Ausstand betroffen. Der Streik war am Freitagabend auf den Tessiner und Urner Baustellen in Faido, Bodio und Amsteg ausgelöst worden. Pro Schicht befinden sich laut den Gewerkschaften 250 Tunnel-Arbeiter im Ausstand. Laut einem Unia-Sprecher wird der Warnstreik voraussichtlich am Samstagabend beendet.

Es herrsche eine sehr gute Stimmung unter den Mineuren. Die Leute seien alle sehr entschlossen. Ihre Empörung über die Kündigung des Landesmantelvertrags sei bei den Mineuren angesichts der ausserordentlich gefährlichen und gesundheitsbelastenden Arbeitsbedingungen besonders gross.

Fremdbestimmt?

Der Baukonzern Implenia rückt die Kampfmassnahme an den NEAT-Baustellen am Gotthard in ein anderes Licht. Kein einziger der 1500 Bauarbeiter der Firma nehme am Streik teil, die Arbeiten würden von Gewerkschaften und externen Bauarbeitern blockiert.

"Um Zoff zu vermeiden, hat die Baustellenleitung entschieden, die Bauarbeiten einzustellen und den Zugang nicht zu erzwingen", teilte Implenia mit. Sie ist die federführende Baugesellschaft in den Baulosen Bodio, Faido und Sedrun. Vom Ausfall sind drei von vier Schichten betroffen.

Kritik zurückgewiesen

Diese Angaben der Arbeitgeber, kein NEAT-Bauarbeiter beteilige sich am Streik, wiesen die Gewerkschaften umgehend zurück.

"Das ist Wunschdenken der Baumeister, die nicht wahrhaben wollen, dass die Bauarbeiter den Landesmantelvertrag wollen und dafür kämpfen", sagte ein Funktionätr der Unia.

Es sei aber auch richtig, dass relativ viele Aussenstehende und Gewerkschafter auf die Baustellen gekommen seien, um sich zu solidarisieren.

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Politischer Missbrauch?

Auch die NEAT-Bauherrin Alptransit Gotthard verurteilt die Kampfmassnahmen auf den NEAT-Baustellen. "Einmal mehr wird die NEAT für politische Zwecke missbraucht", sagte Alptransit-Gotthard-Chef Renzo Simoni.

Der Arbeitskonflikt sei zwar grundsätzlich Sache der Sozialpartner, also der Baukonsortien und Gewerkschaften. "Wir haben aber kein Verständnis dafür, dass Gewerkschaften fremde Leute herankarren, um die Zugänge zu den NEAT-Stollen zu blockieren", sagte Simoni.

Er verwies darauf, dass die auftragnehmenden Baufirmen gegenüber Alptransit Gotthard schriftlich bestätigt hätten, dass sie die Bedingungen des gekündigten Landesmantelvertrages (LMV) weiterhin einhielten. Alptransit Gotthard habe die Sozialpartner zudem aufgefordert, unabhängige Experten zu bestimmen, welche die Einhaltung der Arbeitsbedingungen überprüfen sollen.

Unzufriedene Baumeister

Der Schweizerische Baumeisterverband schloss sich der Kritik an. Diese Blockade sei verfassungswidrig und es stelle sich die Frage nach Schadenersatz.

Trotz dieser Aktion will der Verband an seiner Verhandlungsbereitschaft festhalten. Der nächste Verhandlungstermin sei anfangs November.

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Weitere Streiks sollen folgen

Es handelt sich um die ersten Streiks seit dem Auslaufen des Landesmantelvertrags im Baugewerbe am vergangenen 30. September.

Mit den Aktionen protestieren die Gewerkschaften gegen die einseitige Kündigung des Vertrags durch den Baumeisterverband. Am kommenden Montag wollen die Gewerkschaften Baustellen in Bern, Genf und Neuenburg bestreiken. Am 1. November soll dann in Zürich gestreikt werden.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Mit diesem sowie weiteren angekündigten Streiks drängen die Gewerkschaften auf den Abschluss eines neuen Gesamtarbeitsvertrags (GAV), in der Baubranche Landesmantelvertrag genannt.

Der alte GAV für rund 80'000 Beschäftigte ist Ende September ausgelaufen, nachdem er im Mai vom Baumeisterverband gekündigt wurde.

Die Sozialpartner hatten keine Verständigung erreicht. Die Arbeitgeber bestanden auf einer erhöhten Flexibilisierung, um Winterarbeitslosigkeit zu vermeiden. Zudem verlangten sie eine Minusstundenregelung.

UNIA und Syna, die beiden betroffenen Gewerkschaften haben diese Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen abgelehnt, welche für die in der Branche Arbeitenden schon hart genug seien.

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