Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Sind Sie vom Konflikt im Nahen Osten direkt betroffen? In der Schweiz haben Ökonom:innen berechnet, dass ein dauerhafter Ölpreis von über 105 Dollar (83 Franken) pro Barrel einem Einkommensverlust von 750 Franken pro Person und Jahr entsprechen würde. Zum Zeitpunkt, als dieses Briefing geschrieben wurde, kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent 107 Dollar.
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Der Konflikt im Nahen Osten wirkt sich direkt auf die Schweiz aus, insbesondere auf den Tourismus, das Wirtschaftswachstum und die Energieversorgung.
«Flugannullierungen, Flugumleitungen und ein Rückgang des internationalen Reiseverkehrs machen sich bei den Besucherzahlen bemerkbar, besonders in Genf, wo die Hotels bereits einen Rückgang bei den Buchungen verzeichnen», berichtete RTS am Mittwoch. Zahlreiche Flüge aus Städten wie Kuwait, Tel Aviv, Dubai, Abu Dhabi und Riad seien gestrichen worden. Am Flughafen Zürich werde nur noch ein Viertel der Flüge zu diesen Destinationen aufrechterhalten, so RTS.
Ebenfalls am Mittwoch senkten das KOF-Institut der ETH Zürich und das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco ihre Prognosen für das Schweizer BIP-Wachstum in diesem Jahr von 1,1% auf 1%. «Der Konflikt im Nahen Osten hat seit Ende Februar zu einem starken Anstieg der internationalen Energiepreise geführt», sagt das Seco. «Dies trübt die internationalen Wirtschaftsaussichten und dürfte zu höheren Inflationsraten führen, auch in den europäischen und asiatischen Handelspartnerländern.»
Obwohl die Schweiz für ihre Energieversorgung nicht direkt vom Persischen Golf abhängig ist, hätte ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten und hohe Energiepreise Konsequenzen für das Land. Würde sich der Ölpreis dauerhaft bei 90 Dollar pro Barell festsetzen (aktuell liegt er etwas darüber), würde dies einem durchschnittlichen Einkommensverlust pro Person und Jahr von rund 200 bis knapp 400 Franken entsprechen, sagt Hans Gersbach, Co-Direktor des Konjunktur-Forschungsinstituts der ETH Zürich gegenüber SRF. Bei einem dauerhaften Ölpreis über 105 Dollar wären diese Einkommensverluste bei knapp 500 bis rund 750 Franken. Am Donnerstag erreichte ein Barrel Rohöl der Sorte Brent 111 Dollar.
Eine 61-jährige Frau kam am Mittwoch im Skigebiet Engelberg in der Zentralschweiz bei einem Gondelabsturz ums Leben.
Die Frau, die in der Region lebte, befand sich allein in der Gondel. Zwischen 100 und 200 Menschen wurden aus den rund 40 anderen Gondeln in diesem Abschnitt evakuiert. Am Freitag erklärte der Seilbahnbauer, der Unfall sei auf «eine unerwartet kräftige Böe» zurückzuführen, die die Gondel gegen einen Mast gestossen habe. Durch den Aufprall wurde sie vom Seil gerissen.
Seilbahnunfälle sind in der Schweiz selten. Der schwerste Unfall einer Gondelbahn ereignete sich am 12. Juli 1972. Das Zugseil einer Gondel zwischen Betten und Bettmeralp im Kanton Wallis riss, woraufhin die Kabine unaufhaltsam ins Tal donnerte und Sekunden später an der Betonwand der Talstation zerschellte. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben.
Seilbahnen haben in der Schweiz eine lange Tradition. Die erste Seilbahn wurde 1866 eröffnet. Derzeit sind rund 2400 Anlagen in Betrieb.
Die Frühjahrssession der Eidgenössischen Räte ging am Freitag zu Ende. Themen, bei denen sich Mehrheiten im Ständerat und Nationalrat einig waren, waren unter anderem Doppelnamen für Ehepaare, das Entlastungspaket 27 sowie die Ernährungsinitiative.
Am Montag entschied das Parlament, dass Ehepaare künftig wieder einen Doppelnamen wählen können. Diese Möglichkeit war seit 2013 als Schritt in Richtung Gleichstellung der Geschlechter abgeschafft worden. Kinder hingegen können den Doppelnamen nicht tragen. Sie erhalten einzig den einen Namen, den die Eltern zuvor bestimmt haben.
Am darauffolgenden Tag verabschiedete das Parlament das Entlastungspaket für den Bundeshaushalt. Zum Ende der Parlamentsdiskussion entsprach das Paket noch rund 60% der ursprünglich geplanten Entlastung mit 1,4 bis rund 2 Milliarden Franken in den nächsten drei Jahren.
Unter den Verschonten befinden sich auch jene drei Organisationen, die Dienstleistungen speziell für Schweizer:innen im Ausland anbieten und dafür Bundesgelder erhalten. Das sind Swissinfo, die Auslandschweizer-Organisation ASO und die Schweizerschulen. Bei Letzteren ging der Sparvorschlag bis zuletzt zwischen den Räten hin und her. Schliesslich beschloss das Parlament, die Kürzung an der «Ausbildung junger Auslandschweizer» ab 2028 auf eine Million Franken pro Jahr zu beschränken. Das sind pro Jahr zwei Millionen Franken weniger Einsparungen als ursprünglich vorgesehen.
Ebenfalls am Dienstag lehnte das Parlament die Ernährungsinitiative ab. Diese verlangt insbesondere eine Anpassung der Agrarpolitik, um Produktion und Konsum pflanzlicher Lebensmittel statt tierischer Produkte zu fördern. Der Initiativtext fordert zudem einen Netto-Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln von mindestens 70%. Heute liegt er bei 46%. Eine Mehrheit der beiden Räte betrachtete diese Forderungen als unrealistisch und extrem. Auch der Bundesrat hat die Initiative abgelehnt. Das letzte Wort haben die Stimmberechtigten.
Ursula Andress, wohl die bekannteste Filmschauspielerin der Schweiz, feierte am Donnerstag ihren 90. Geburtstag.
«Auch zum 90. Geburtstag von Ursula Andress findet sich in der Schweiz keine Schauspielerin und kein Schauspieler, die oder der annähernd das geschafft hat, was der Frau aus Ostermundigen geglückt ist», schrieb SRF am Donnerstag.
Am 5. Oktober 1962 liess eine junge Frau aus einem Berner Vorort die Kinobesucher:innen vor Staunen die Luft anhalten, als sie mit einem Messer am Gürtel eines knappen weissen Bikinis aus dem Meer stieg. Die ikonische Szene von Ursula Andress als Honey Ryder in «Dr. No», dem ersten James-Bond-Film, führte dazu, dass die Schweizer Schauspielerin bis heute als Inbegriff eines Bond-Girls gilt (obwohl sie im Film aufgrund ihres starken Schweizerdeutschen Akzents synchronisiert wurde).
«Dieser Bikini brachte mir den Erfolg», sagte Andress 2001, bevor dieser für 98’700 Franken versteigert wurde. Die Szene war der Höhepunkt ihrer Karriere, öffnete ihr aber zweifellos viele Türen. 1965 erschien sie in «What’s New Pussycat?» und verkörperte später Aphrodite in «Kampf der Titanen» (1981).
Andress werde ihren Geburtstag laut SRF still zu Hause in Rom feiern.
Die kommende Woche
Am Montag werden der Bildungsbericht des Bundes für das Jahr 2026 und die polizeiliche Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2025 veröffentlicht.
Das Schweizer Kulturzentrum in Paris wird am Dienstag nach vierjähriger Renovierung wiedereröffnet. An der Eröffnungsfeier wird die Schweizer Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider teilnehmen.
Die Gewinner:innen des diesjährigen Schweizer Filmpreises werden am Freitag in Zürich ausgezeichnet.
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