Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Was passiert, wenn Forschende allzu Unangenehmes herausfinden? Ihr Chef, in diesem Fall der Bundesrat höchstpersönlich, verpasst ihnen einen Maulkorb.
So geschehen, nachdem Wasserspezialisten festhielten, dass Pestizide unser Trinkwasser noch stärker belasten als bisher bekannt. Prost! Und gesunde und
liebe Grüsse aus Bern
«Es besteht Handlungsbedarf!» Das schreiben Forscher der Eawag, des Wasserforschungs-Instituts der ETH Zürich. Sie fanden mit neuen Messmethoden heraus, dass in der Landwirtschaft eingesetzte Gifte, vor allem Nitrate und Pestizide, die Qualität unseres Trinkwassers gefährdeten.
Die neuen Ergebnisse sind buchstäblich Wasser auf die Mühlen zweier Volksinitiativen, der Trinkwasser-Initiativen und der Pestizid-Initiative. Die beiden Vorhaben wollen den Einsatz von giftigen Schädlingsbekämpfern stark einschränken oder verbieten.
Darum vermutlich auch die geharnischte Reaktion aus dem Bundeshaus: Landwirtschaftsminister Guy Parmelin, selbst ehemaliger Weinbauer, hat verlangt, dass ein Factsheet der Eawag zu den neuen Forschungen unter Verschluss bleibt. Dies berichtet die Zeitung Blick.
Die ETH-Leitung hat gespurt: Statt Publikation auf der eigenen Webseite also Verschwinden des Faktenblattes im Giftschrank. Das sei ein untolerierbarer Eingriff der Politik in die Freiheit der Forschung, sagten mehrere Politiker aus dem links-grünen Lager. Es fliesst noch viel Wasser die Aare hinunter, pflegen wir in Bern zu sagen. Hat der Bundesrat hier tatsächlich das letzte Wort?
- Bericht Externer Linkim Blick
- KommentarExterner Link im Blick.
- Die Reaktion von Bundesrat Parmelin auf TwitterExterner Link.
- «Wir müssen den Mut haben, Nein zu Pestiziden zu sagen», Bericht meines Kollegen Luigi Jorio.
Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? «Etwas zwischen Uber und Postauto», sagt mein Kollege Philipp Meier, Community Developer bei swissinfo.ch. Konkret: Willst du im Nahverkehrsbereich von A nach B, holst du dir via App deinen persönlichen Shuttle vor die Haustür.
Sharing lautet das Zauberwort, der Besitz eines eigenen Autos wird immer uninteressanter. Zumindest für Menschen, die in Städten und den dazwischen gelagerten Agglomerationen leben. Und ist in der Schweiz die Mehrheit.
Noch aber wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Jüngst musste die Firma PostAuto, die zur Schweizerischen Post gehört, ihren Versuch in Brugg mit einem PubliCar beenden. Das Problem bestand in der Finanzierung. Es war nicht klar, ob der Bus on Demand nur ein öffentlich zu finanzierender Service Public darstelle oder doch eher privat zu stemmen sei.
Dies wird aber nur ein vorübergehender Rückschlag sein. Die Entwicklung der Mobilität «auf der letzten Meile» wird weiter voranschreiten, und das sehr schnell. Schon sehr bald dürften also in Schweizer Städten und Ballungsräumen neue Initiativen aus dem Boden spriessen, wie am besten die Menschen von A nach B gelangen.
- Unser swissinfo.ch-Bericht
- Aus unserem Archiv: Bern oder von der Schwierigkeit, Velo-Stadt zu werden
- Kopenhagen will bis 2015 CO2-neutral seinExterner Link (Deutschland-Funk)
«Damit die Angst der Einzelnen zum Mut der Masse wird»: Dies der Titel der heutigen Kolumne der Schweizer Autorin Sibylle Berg auf Spiegel online. Die in Zürich lebende Autorin hat am Sonntag den Schweizer Buchpreis gewonnen.
Die höchste Auszeichnung im Schweizer Literaturbetrieb erhielt Berg (im Bild zweite von rechts) für ihr Werk «GRM Brainfuck», ein fast 650 Seiten langer einziger Aufschrei gegen die Folgen eines entfesselten Kapitalismus. Die aus Deutschland Gebürtige ist, wie der Titel ihres mit 30’000 Franken preisgekrönten Werkes zeigt, keine Meisterin, die im stillen Kämmerlein den leisen Tönen huldigt.
Berg schreit ihrer Wut hinaus. Wut schärft aber auch ihren Verstand, und so hat sie immer auch Lösungen parat. Diese sind mehr als bedenkenswert. Denn Sibylla Berg ist auch eine brillante Denkerin und Analystin. «Faschist*innen erlangen wieder mehr Macht. Und die Mehrheit guckt zu, macht Witze und versucht, zu verstehen. Nun scheint der Moment der Gegenwehr fast verpasst. Es wird Zeit, Kollektive zu bilden», schreibt sie in ihrer Spiegel-Kolumne.
Berg rät den Menschen, in Parteien und Gruppierungen einzutreten. «In «Die Partei» oder die PiratenparteiExterner Link, die GrünenExterner Link, die Reste der SPDExterner Link oder eine feministische Ökopartei. Organisiert euch in GewerkschaftenExterner Link und in Hackerkollektiven. Oder bildet die grösste und schönste Gruppe schlechthin: die Demokrat*innen.»
- Kolumne Externer Linkvon Sibylle Berg im Spiegel Online
- Bericht Tages-Anzeiger zum Gewinn des Schweizer BuchpreisesExterner Link
- Besprechung «GFM Brainfuck»Externer Link in der Neuen Zürcher Zeitung
Stichwort Demokratie: Hier gibt es Good News, als Welt-Premiere hier auf swissinfo.ch zu lesen: Am Donnerstag erblickt die World Citizen’s Initiative das Licht der Welt.
Das neue weltweite Volksrecht nach dem Vorbild der Schweizer Volksinitiative und der Europäischen Bürgerinitiative soll die UNO demokratischer machen.
Eine – noch zu bestimmende – Anzahl Menschen aus der ganzen Welt kann zusammen mit einer solchen «Welt-Bürgerinnen und Bürger-Initiative» verlangen, dass die Generalversammlung oder eine andere UNO-Behörde ein bestimmtes Thema auf ihre Agenda setzen und behandeln muss.
Je höher die Verbindlichkeit des neuen demokratischen Rechts sein wird, desto höher dürften auch die Chancen stehen, dass die World Citizen’s Initiative zu einem Erfolg wird wie ihr schweizerisches Vorbild.
Die Schweiz ist eine Art Geburtshelferin des globalen Volksrechts: Am Mittwoch wird die permanente Schweizer Mission bei der UNO in New York zusammen mit Kanada den neuen Vorschlag mit einem Event lancieren. Das Projekt dient also auch als Gradmesser, wie stark die Ausstrahlung der Schweiz mit ihrer Erfolgsgeschichte der direkten Demokratie auf dem höchsten internationalen Parkett ist.
- Die neue World Citizen’s InitiativeExterner Link
- Aus unserem Video-Archiv: Wie funktioniert eine Schweizer Volksinitiative?
- Die Europäische Bürger-InitiativeExterner Link
Sie suchen ein Leben in Würde: Schweizerinnen und Schweizer wandern auch deshalb aus, weil sie finanziell kaum über die Runden kommen, der Gang auf die Ämter zu einem Spiessrutenlauf wird und weil Armut ausgrenzt.
Schweizerinnen und Schweizer entfliehen der Armut. Das klingt wie aus längst vergangenen Zeiten, ist aber immer noch eine Realität, die gerne vergessen geht. Ob diese Auswandererinnen und Auswanderer auf hohem Niveau klagen und sich im Gegenzug im Ausland mit Schweizer Renten- oder Sozialhilfegeldern ein Leben in Luxus leisten können, ist letzte Woche in der Schweiz eine Debatte entbrannt. Wir haben uns bei den Direktbetroffenen umgehört:
swissinfo.ch: Sind Sie aus finanziellen Gründen ausgewandert?
Ich bin zwar der Liebe wegen nach Spanien ausgewandert, aber es ist hier viel einfacher, mit wenig Geld zu leben. Als «Mittel-Armer» fühlt man sich in dieser Gesellschaft nicht als Aussenseiter. Die Wertschätzung hängt hier viel weniger von Geld und Status ab als in der Schweiz. So wird ein/e Arbeitslose/r nicht automatisch als ‘»aul» angesehen. Er oder sie hat einfach Pech gehabt. (Yohan Tarros)
Ich würde gerne wieder in die Schweiz zurückkehren, aber mit meiner Rente ist das nicht möglich. Also bleibe ich in Südwest-Frankreich und besuche möglichst oft meine Familie in der Schweiz. (Hélène Olmo)
Nein, im Gegenteil, finanziell wäre die Schweiz sicher besser gewesen. Habe mich bei einer Reise in Mauretanien (Westafrika) verliebt und ganz unten angefangen. (Sara Dettwiler)
Mit AHV und Pension würde ich in der Schweiz nur knapp durchkommen. Hier in den Philippinen konnte ich ein Haus bauen und man wird als älterer Mensch nicht in Altersheim abgeschoben und mit Medikamenten vollgepumpt. Hier werde ich liebevoll umsorgt. (Luzi Scharegg)
Mein Grossvater hat die Schweiz aus wirtschaftlichen Gründen verlassen und in Nizza einen Laden eröffnet. Den gibt es immer noch und wir bleiben gerne Schweizer. (Gilbert Jeanneret)
Mich hat es nach Spanien verschlagen und im Gegensatz zur Schweiz kann ich hier von meiner Rente gut leben. (Gaby Ruth Strehler Gaberthüel)
Das war ein wichtiges Argument. In Ungarn kann ich mir ein einfaches Haus mit Umschwung leisten und ein paar Tiere halten. Das Leben ist hier ruhiger, keine Hektik und kein Stress und man lässt einander Leben. Wenn ich Hilfe benötige finde ich immer irgendjemanden. Ich habe hier meine Heimat gefunden und war noch nie zufriedener. (Marlies Krüger)
Angesichts der niedrigen Gehälter bin ich sicher nicht nach Frankreich ausgewandert. (Patrick Grandjean)
Zum Auswandern im Alter empfehle ich Bulgarien. Da lebt man sehr gut mit top Pflege und vielen Service-Leistungen. (Sandy Neuhaus)
Im Gegenteil. Mit dem klar besseren Job fühle ich mich hier in Deutschland viel ärmer, als ich es in der Schweiz je war. (Amanda Siepe)
Eigentlich schon, denn mit dem Existenzminimum leben zu müssen, ist in der Schweiz nicht wirklich schön. (Erika Erard)
Ich lebe im grenznahen Ausland, weil der Erwerb einer Eigentumswohnung oder eines Hauses in der Schweiz mein Budget gesprengt hätte. (Ben Palmer)
Wir leben seit der Pensionierung in der Region Murcia. Uns geht es hier gesundheitlich besser. Dass der Franken hier viel mehr hergibt, ist natürlich positiv. (Vreni Steiger Wicky)
Ja, ich bin schwerbehindert und 50 oder mehr Arbeitsstunden pro Woche konnte ich nicht mehr leisten. Im Ausland mit weniger Stunden, mehr Urlaub und Erleichterungen im öffentlichen Verkehr konnte ich noch arbeiten bis zur Rente. (Rachel Maier)
- Die Handelszeitung hat mit ihrem Artikel «Reich durch AuswandernExterner Link» (Login) die Diskussionen in der Schweiz ausgelöst.
- Der Blick hat das Thema aufgegriffenExterner Link und viele Reaktionen erhalten.
- Auch auf unsere Facebook-Seiten gab es viele Reaktionen. Hier finden Sie die Debatten in DeutschExterner Link und FranzösischExterner Link.
- Meine Kollegin Melanie Eichenberger macht sich nochmals auf die Spuren von Auswanderern, die sie bereits für die Aargauer-Zeitung porträtiert hatExterner Link. Dazu folgt in den nächsten Tagen auf swissinfo.ch und hier im Briefing ein Update.
- Was ist Ihre Meinung? Teilen Sie sie in diesem Q&A.
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