Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Lange Zeit waren Syrer:innen die grösste Gruppe, die in der EU und in der Schweiz Asyl beantragte. Sie werden nun von einer anderen, ziemlich unerwarteten Nationalität verdrängt.
«Ich twinte, du twintest, wir twinten». Sie, die im Ausland leben, haben dieses Verb wahrscheinlich noch nie oder kaum verwendet. Aber in der Schweiz ist es sehr gebräuchlich geworden. So sehr, dass sich die Wettbewerbskommission mit dem Fall befasst.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre!
Die Asylgesuche sind in der ersten Hälfte von 2025 in Europa um 23% gesunken, wie die Asylagentur der Europäischen Union am Montag mitteilte. Die Schweiz steht an siebter Stelle bei den Gesuchen.
Laut der Agentur ist der Rückgang auf den Sturz von Präsident Baschar al-Assad im Dezember 2024 zurückzuführen. Syrer:innen waren zehn Jahre lang die erste Nationalität unter den Asylsuchenden. In wenigen Monaten ist ihre Zahl um zwei Drittel gesunken. Personen aus Venezuela nehmen nun den ersten Platz ein.
Diese drastische Reduktion erklärt sich also «kaum mit den politischen Veränderungen in der EU», die unter starkem Druck steht, ihre Migrationspolitik zu verschärfen, stellt die Agentur in ihrem Bericht fest.
Frankreich ist das Land, das in diesem Zeitraum die meisten Gesuche erhalten hat, vor Spanien und Deutschland. Die Schweiz kommt an siebter Stelle, wobei die Gesuche in erster Linie von afghanischen, eritreischen und türkischen Personen stammen.
Zu Beginn der parlamentarischen Herbstsession prüft der Nationalrat die Begrenzung der Gehälter der CEOs und Topmanager:innen von Grossbanken. Der Ständerat befasst sich seinerseits mit der Stärkung der höheren Berufsbildung.
Der Nationalrat befasst sich mit einer Motion, die verlangt, die Löhne der Bankchefs und -chefinnen auf eine Bandbreite zwischen drei und fünf Millionen Franken pro Jahr zu begrenzen. Die zuständige Kommission empfiehlt mehrheitlich, die Motion zu unterstützen – allerdings nur für systemrelevante Banken und ohne eine fixe Vergütungsobergrenze vorzusehen.
Der Ständerat behandelt Dossiers zu Wirtschaft, Bildung und Forschung. Er muss sich insbesondere zu einem Projekt des Bundesrats äussern, das darauf abzielt, die Höheren Fachschulen mit neuen Diplomnamen wie «Professional Bachelor» und «Professional Master» attraktiver zu machen.
Während der Session werden die Räte auch mehrere Themen in Verbindung mit den Auslandschweizer:innen behandeln, beginnend mit der Finanzierung der 13. AHV-Rente. Ein Sozialversicherungsabkommen zwischen der Schweiz und Argentinien, einem Land, in dem mehr als 15’000 Schweizer:innen leben, muss ebenfalls vom Ständerat genehmigt werden.
Laut Le Temps ruft der rasante Erfolg der Schweizer Bezahl-App Twint die Behörden auf den Plan. Anlass ist eine Beschwerde des Verbands des Schweizer Detailhandels über die Tarifpraktiken des Unternehmens.
Seit ihrer Lancierung in der aktuellen Version 2017 hat sich die Bezahlapp Twint als nationaler Standard durchgesetzt. So sehr, dass der Begriff «twinten» Umgangssprache geworden ist. Die App hat mehr als sechs Millionen Nutzerinnen und Nutzer und konnte im Jahr 2024 773 Millionen Transaktionen verbuchen.
Für den Schweizerischen Detailhandelsverband war das Unternehmen dabei etwas zu gierig bei den Gebühren. In einer bei der Wettbewerbskommission (Weko) eingereichten Beschwerde prangert der Verband die Gebühren an, die denen von Kreditkarten nahekommen, obwohl Twint direkt mit den Bankkonten verbunden ist. «Wir denken, dass diese Beträge sich eher an den Tarifen für Debitkarten orientieren sollten», heisst es von der Dachorganisation.
Für den ehemaligen Weko-Präsidenten Walter Stoffel ist die Dominanz von Twint nicht offensichtlich, «die Frage einer Dominanz auf bestimmten Märkten oder einer eventuellen relativen Macht kann sich jedoch stellen». Die grüne Nationalrätin Sophie Michaud Gigon unterstreicht ihrerseits die wachsende Abhängigkeit der KMU von diesem System. Die Weko-Untersuchung wird bestimmen müssen, ob Twint ungebührlich von seiner wachsenden Marktmacht profitiert.
Ein Berner Zentrum für junge Mädchen erlebte mehrere schwere Zwischenfälle, darunter eine Meuterei, die das Eingreifen der Polizei erforderlich machte. Laut Zeitungen der Tamedia-Gruppe zeigt der Fall, wie schwierig es geworden ist, Jugendliche zu betreuen, die immer stärker mit Gewalt und psychischen Problemen konfrontiert sind.
Mit 28 Plätzen ist das Zentrum Lory in Münsingen bei Bern die grösste Schweizer Einrichtung, die Mädchen und jungen Frauen von 13 bis 22 Jahren vorbehalten ist. Immer mehr junge Mädchen, die dort aufgenommen werden, würden zu Gewalt neigen und wiesen manchmal schwere psychische Probleme auf, so die Zeitungen.
Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) sind die Verurteilungen von Mädchen in den letzten fünf Jahren um 25% gestiegen, die der Jungen um 17%. Der Abstand vergrössert sich noch mehr bei Gewaltdelikten. Während die Zahl der männlichen Verurteilungen in diesem Bereich stagniert, ist sie bei jungen Frauen um ein Viertel gestiegen, auch wenn die absoluten Zahlen gering bleiben.
Für Dirk Baier Kriminologieprofessor an der Universität Zürich hängt diese Entwicklung mit «der enormen psychischen Belastung junger Frauen» zusammen, kombiniert mit einem Mangel an Therapieplätzen. Resultat: In den bestehenden Heimen konzentrieren sich schwere Fälle, was das Risiko von Eskalationen erhöht. Fachleute fordern deshalb mehr Betreuungskapazitäten, insbesondere im Bereich geschlossener Unterbringung.
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