Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Wenn Sie die Schweiz besuchen, was fällt Ihnen auf, das sich seit Ihrer Auswanderung verändert hat? Etwa die Anzahl Tourist:innen? Wenn Sie mit der Fluggesellschaft Swiss in Ihre alte Heimat fliegen, wird Ihnen vielleicht eine humorvolle Videokampagne gezeigt, die ausländische Besucher:innen daran erinnern soll, was als angemessenes Verhalten gilt. Die Kampagne soll Spannungen zwischen Tourist:innen und Einheimischen an einigen Hotspots verringern.
Gute Lektüre!
Wegen des Kriegs im Nahen Osten strömen Expats aus Dubai in den Kanton Zug – auf der Suche nach einem Rückzugsort vor den Konflikten am Golf, wie die Financial Times berichtet.
«Jeder kennt Zug, auch wenn er noch nie dort war», sagte ein Schweizer Vermögensverwalter, der mehreren Kund:innen beim Umzug aus dem Nahen Osten geholfen hat. «Die erste Anfrage betrifft fast immer Zug.»
Der malerische Kanton in der Zentralschweiz hat nur 135’000 Einwohner:innen, ist aber global als Heimatort für Rohstoff- und Kryptowährungsunternehmen bekannt. «Seit Kriegsbeginn haben wir eine steigende Nachfrage von Ausländerinnen und Ausländern festgestellt, die in Dubai leben – Italiener, Franzosen, Schweizer, Briten», sagte ein Schweizer Immobilienmakler der Financial Times. «Jetzt erwägen sie, von Dubai wegzuziehen.»
Für viele potenzielle Ankommende ist die Attraktivität der Schweiz jedoch mit praktischen Einschränkungen verbunden, wie die Financial Times erläutert. EU-Bürger:innen können sich aufgrund bilateraler Abkommen relativ frei bewegen, doch an eine Unterkunft zu kommen – insbesondere in Zug, südlich von Zürich – ist zur grossen Hürde geworden. Das Angebot an Mietwohnungen ist äusserst begrenzt, Immobilien werden oft innerhalb weniger Tage vergeben, und die Konkurrenz ist gross, so die Zeitung.
Weitere Nachrichten zum Nahen Osten in dieser Woche: Ein Konvoi des in Genf ansässigen Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist mit einer ersten Lieferung humanitärer Hilfsgüter in Teheran eingetroffen, die Schweiz und neun weitere Länder haben ausserdem «ein unverzügliches Ende der Kampfhandlungen im Libanon» gefordert und die Fluggesellschaft Swiss teilte mit, die Flüge nach und von Dubai bis zum 11. Juli weiterhin auszusetzen.
Um dem Schweizer Wohnungsmangel entgegenzuwirken, will der Bundesrat das Bundesgesetz über den Erwerb von Grundstücken durch Personen im Ausland (Lex Koller) verschärfen.
Bürger:innen von Staaten ausserhalb der EU und der Efta sollen künftig eine Bewilligung einholen müssen, wenn sie eine Wohnung in der Schweiz kaufen wollen, teilte der Bundesrat am Mittwoch mit. Wenn sie wegziehen, sollen sie zudem verpflichtet werden, ihre Immobilie innerhalb von zwei Jahren wieder zu verkaufen. Weiter sollen Personen im Ausland Geschäftsimmobilien nicht mehr kaufen dürfen, wenn sie diese vermieten. Für den eigenen Betrieb ist der Kauf weiterhin ohne Bewilligung möglich.
Der Bundesrat beabsichtigt zudem, bei den Ferienwohnungen die Zügel anzuziehen, weswegen er die jährlichen Bewilligungskontingente der Kantone reduzieren will. Auch Verkäufe zwischen Personen im Ausland würden bewilligungspflichtig.
Die Vernehmlassung zur Gesetzesrevision läuft bis zum 15. Juli.
Die politischen Reaktionen waren gespalten. Laut der SVP ignoriere der Bundesrat «den Elefanten im Wohnzimmer»: Die Lösung gegen hohe Mieten und Liegenschaftspreise liege in der «eigenständigen Steuerung der Zuwanderung».
Ganz anders urteilte die SP: Der Bundesrat habe ein «Börsen-Schlupfloch» gestopft, schreibt die Partei. In ihrer Stellungnahme ist von einer überfälligen Verbesserung für Mieter:innen die Rede. Denn ausländisches Kapital, so die SP, treibe die Boden- und Immobilienpreise und damit auch die Miet- und Wohneigentumspreise in die Höhe.
Mehr als 2’000 Schweizer:innen leben in Ungarn, wo die Wähler:innen Ministerpräsident Viktor Orbán nach 16 Jahren populistischem Nationalismus abgewählt haben. Viele jener Auslandschweizer:innen hatten die Politik von Orbán lange unterstützt. Der Wandel, so erzählen sie Swissinfo, sei seit Monaten spürbar gewesen.
Anders Anita Szász: «Ich habe um Mitternacht eine Flasche Sekt geöffnet, um das Wahlergebnis zu feiern. Selbst an Silvester bleibe ich nicht so lange auf», erzählt die 64-Jährige. Die Schweizerin, die sich selbst als Gegnerin von Viktor Orbán bezeichnet, hat die ungarischen Parlamentswahlen vom 12. April aufmerksam verfolgt. Die Wähler:innen sprachen sich deutlich für den Oppositionskandidaten Péter Magyar aus, einen proeuropäischen Konservativen.
«In meinem Stadtteil in Budapest sind sehr viele Menschen zur Wahl gegangen, vor allem junge Leute», sagt Markus Kretz (72), Präsident des «Swiss Gourmet Club» in Ungarn. «Die Älteren und diejenigen, die enge politische Verbindungen zur Schweiz pflegen, sind sehr enttäuscht», sagt er.
Der Sieg von Péter Magyar wurde von einem grossen Teil der Schweizer Parlamentarier:innen begrüsst, die in einem möglichen Ende der Blockaden in Brüssel eine positive Entwicklung sehen. Die SVP hingegen zeigte sich enttäuscht über die Niederlage von Orbán, den sie als «gutes Gegenstück zum übrigen Europa» bezeichnete.
Eine Videokampagne soll Tourist:innen sensibilisieren und das Verhältnis zu gestressten Einheimischen verbessern. Die Initiative von Schweiz Tourismus ist insbesondere für Regionen gedacht, die vom Overtourismus betroffen sind.
In Luzern sorgt der Zustrom von Tourist:innen für gemischte Reaktionen, wie RTS am Mittwoch berichtete. «Manchmal fühlt man sich wie in Peking oder Mumbai. In den Gassen machen sie einem keinen Platz und spucken auf den Boden», sagt ein Anwohner. Ein anderer: «Sie nehmen die halbe Brücke ein – man muss fast auf die Strasse ausweichen.» Doch nicht alle sehen das so. «Ich glaube, wir brauchen sie. Ich habe keine Probleme mit ihnen», sagt eine weitere Anwohnerin.
Als Reaktion auf diese Spannungen hat Schweiz Tourismus die Videokampagne lanciert, die auf Langstreckenflügen der Fluggesellschaft Swiss gezeigt werden soll. Der Ton ist locker, aber die Botschaft ist klar: Die Besucher:innen sollen auf einige grundlegende Regeln in der Schweiz aufmerksam gemacht werden. Etwa im öffentlichen Verkehr mit Taschen nicht die Sitze zu blockieren, vor dem Fotografieren von Einheimischen zu fragen sowie lokale Produkte zu bevorzugen.
«Unser Ziel ist es nicht, zu erziehen, sondern Qualitätstourismus zu fördern», sagte Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, gegenüber RTS. «Wir wollen Harmonie zwischen Gästen und Einheimischen. Und manchmal sind Besucher aus weit entfernten Märkten mit unseren Gepflogenheiten nicht ganz vertraut.»
Die kommende Woche
Am Montag, um 18 Uhr, wird auf dem Sechseläutenplatz in Zürich ein Schneemann aus Watte angezündet. Das ist der Böögg, der medienwirksame Höhepunkt des Sechseläutens, eines traditionellen Frühlingsfestes in Zürich. Es heisst, je schneller der mit Dynamit gefüllte Kopf des Bööggs explodiert, desto heisser wird der Sommer.
Die Finma, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, veröffentlicht am Dienstag ihren Jahresbericht und gibt darin bekannt, wie viele Vor-Ort-Kontrollen bei Finanzinstituten sie im vergangenen Jahr durchgeführt hat. Zu den weiteren Themen, die darin behandelt werden, könnte auch Cyberkriminalität gehören.
Die BEA Bern, eine Messe für Landwirtschaft, Handel und Industrie und die grösste Frühlingsmesse der Schweiz, öffnet am Freitag ihre Pforten und dauert bis zum 3. Mai.
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