
TAGESÜBERBLICK WIRTSCHAFT
Bern (awp/sda) – Freitag, 5. Februar
MEHR GEWINN: Die Bank Julius Bär hat ihren Gewinn 2009 um 7 Prozent auf 473 Mio. Fr. gesteigert. Der Neugeldzufluss dagegen fiel markant tiefer aus: Statt 17 Mrd. Fr. wie 2008 flossen verganges Jahr netto nur noch 5 Mrd. Fr. zur Zürcher Bank. Während Julius Bär in Asien einen Geldzufluss verzeichnete, zogen italienische Kunden auf Grund der Steueramnestie Geld ab. Da das im Durchschnitt verwaltete Vermögen 3 Prozent unter jenem des Vorjahrs lag, ging auch der Betriebsertrag um 5 Prozent zurück. Allerdings wurde auch der Betriebsaufwand um 8,5 Prozent zurückgefahren. Dass auch Julius Bär in die Affäre um die gestohlenen Daten von deutschen Steuersündern verwickelt ist, verneinte Bankchef Boris Collardi.
STABILES ERGEBNIS: Der Agrarchemiekonzern Syngenta verzeichnete 2009 einen gegenüber dem Voprjahr um 5 Prozent gesunkenen Umsatz von 10,99 Mrd. Dollar. Der Gewinn des Konzerns lag mit 1,37 Mrd. Dollar jedoch nur minim unter demjenigen des Vorjahrs. Syngenta-Chef Mike Mack bezeichnete das Marktumfeld wegen rezessionsbedingten Sorgen der Kunden als schwierig, insbesondere in Schwellenländern, wo der Basler Konzern 40 Prozent seiner Verkäufe tätigt. Auf den Umsatz gedrückt haben bei Syngenta insbesondere Währungsschwankungen: In Lokalwährungen gerechnet wäre der Umsatz um 1 Prozent gestiegen.
MEHR ZUVERSICHT: Gemäss der vierteljährlich von der ETH-Konjunkturforschungsstelle KOF durchgeführten Befragung von über 7000 Unternehmen hat die Schweizer Wirtschaft den Tiefpunkt der Rezession hinter sich gebracht. Die Unternehmen zeigen sich bezüglich ihrer Geschäftslage wieder zuversichtlicher als noch im Laufe des letzten Jahres. Die Industrie schätzt ihre Lage sogar so positiv wie zuletzt vor drei Jahren ein. Allerdings bewegt sich die Zuversicht auf tiefem Niveau: Noch sind erst 75 Prozent der Produktionskapazitäten ausgelastet. Positiver als bei vorhergehenden Umfragen zeigten sich auch die Dienstleistungsunternehmen, die Baubranche, die Banken und Versicherungen sowie die Grosshandelsfirmen. Mehr Gegenwind ausgesetzt sieht sich dagegen das Gastgewerbe.
MEHR LOHN: Die Angestellten des grössten Schweizer Telekomanbieters Swisscom erhalten 2010 eine generelle Lohnerhöhung von 0,5 Prozent. Zusätzlich stehen 0,8 Prozent der Lohnsumme für individuelle Lohnerhöhungen zur Verfügung. Darauf haben sich die Swisscom und die Gewerkschaften nach zuvor erfolglosen Verhandlungen geeinigt. Gar durchschnittlich 2,5 Prozent mehr Lohn erhalten die Angestellten des Chemiekonzerns Clariant. 2 Prozent werden individuell verteilt, der Rest betrifft den Bonus.
ZUR WIEDERWAHL EMPFOHLEN: Die Anlagestiftung Ethos empfiehlt die Wiederwahl von Daniel Vasella als Verwaltungsratspräsident des Novartis. Ethos hatte die letzten Jahre immer gegen das Doppelmandat in der Führung des Pharmakonzerns gekämpft. Vor kurzem ist Vasella nun als Konzernchef zurückgetreten. Ethos bleibt allerdings dennoch auf Konfrontationskurs mit dem Novartis-Verwaltungsrat: Sie ruft die Novartis-Aktionäre dazu auf, gegen eine Wiederwahl Hans-Jörg Rudloff, des Präsidenten des Vergütungsausschusses, zu stimmen.
ZWEISTELLIGER GEWINNZUWACHS: Die Graubündner Kantonalbank (GKB) hat 2009 ihren Gewinn um 16,9 Prozent auf 143,9 Mio. Franken gesteigert. Nebst der allgemeinen Börsenlage habe auch die erstmals konsolidierten Private Client Bank in Zürich massgebend zum Rekordresultat beigetragen, sagte der Bankvorsitzende Alois Vinzens.
WENIGER CONTAINER: In den Basler Häfen hat der Gesamtumschlag 2009 um 10,7 Prozent auf 6,44 Mio. Tonnen Güter abgenommen. Bei den Containern fiel das Minus gegenüber dem Vorjahr mit 15,3 Prozent noch stärker aus. Vor allem das schwache zweite Halbjahr habe negativ zu Buche geschlagen, teilten die Schweizerischen Rheinhäfen mit. Einzig die wichtige Sparte Erdöl-Importe mit einem Plus von 17 Prozent hat das Unternehmen von einer nich schlechtern Gesamtbilanz bewahrt.
SCHWACHER EURO: Die Sorge um den Schuldenberg der EU-Mitglieder Griechenland, Portugal und Spanien haben eine Flucht aus dem Euro in als sicher geltende Währungen ausgelöst. Der Euro fiel gegenüber dem Dollar zeitweise unter die Marke von 1.37 und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2009. Der Franken blieb gegenüber dem Euro und dem Dollar relativ stabil. Allerdings vermuten Händler, dass der Frankenkurs von der Schweizerischen Nationalbank aktiv beeinflusst worden ist, da es frühmorgens im asiatisch geprägten Handel zu einer markanten Kursbewegung gekommen ist.
STRAFZÖLLE FÜR POULET: China hat hohe Strafzölle für aus den USA importiertes Hühnerfleisch angekündigt. Für die Einfuhr von Poulet müssten Importeure einen Zuschlag von bis zu 105 Prozent des Verkaufspreises leisten. Begründet wurden die Zölle mit den Dumpingpreisen der Amerikaner, welche den chinesischen Produzenten schaden würden. Die Ankündigung ist eine weitere Episode in einem seit Monaten andauernden Handelsstreit zwischen beiden Ländern. Ausgelöst wurde dieser durch die USA, welche sich gegen Billigprodukte aus China wehren wollte.
VERLUST VERDOPPELT: Die finnische Fluggesellschaft Finnair hat 2009 einen Verluste von 102 Mio. Euro eingeflogen und diesen damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Der Umsatz der Airline sank um 18,5 Prozent auf 1,8 Mrd. Euro.
IN VERLUSTZONE GERUTSCHT: Der schwedische Lastwagen- und Bushersteller Volvo hat vergangenes Jahr einen Nettoverlust von 14,7 Mrd. Kronen (2,1 Mrd. Franken) erlitten. Im Vorjahr erzielte das Unternehmen noch einen Gewinn von 10 Mrd. Kronen. Der Umsatz des Unternehmens, das komplett unabhängig von der gleichnamigen Personenwagensparte geführt wird, sackte im Jahresverlauf von 304,6 Mrd. Kronen auf 218,4 Mrd. Kronen ab.
PANNENPEDALE WERDEN CHEFSACHE: Toyota-Chef Akio Toyoda hat angesichts der Pannenserie mit Fahrzeugen seines Konzerns an das Vertrauen von Autokäufern und -besitzern appelliert und sich für die technischen Probleme entschuldigt. Nach Toyota leidet nun auch der US-Autohersteller Ford unter technischen Problemen bei seinen Hybridautos. Es könne vorkommen, dass die Fahrer das Gefühl hätten, dass die Bremsen kurzzeitig aussetzten, hiess es von Seiten von Ford.