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Umstrittenes Doppelmandat an Nestlé-Spitze

Peter Brabeck (links) und Rainer E. Gut an der Nestlé-Generalversammlung in Lausanne.

(Keystone)

Beim grössten Schweizer Konzern konzentriert sich künftig alle Macht bei Peter Brabeck. Der Nestlé-Chef ist auch neuer Verwaltungsrats-Präsident.

Das Doppelmandat erhielt aber mit 36% der anwesenden Aktionäre überraschend viele Gegenstimmen.

Wie von Beobachtern nicht anders erwartet, setzte sich der Verwaltungsrat des weltweit grössten Nahrungsmittel-Konzerns an der Generalversammlung auf der ganzen Linie gegen die Anträge der missliebigen Aktionäre durch.

Die Genfer Anlagestiftung Ethos, die von fünf öffentlichen Pensionskassen unterstützt wurde, landete immerhin einen Achtungserfolg: Knapp 36% der anwesenden Aktionärs-Stimmen unterstützen den Antrag, dass der Präsident des Verwaltungsrates nicht gleichzeitig eine Exekutivfunktion ausüben dürfe.

Knappe Mehrheit gegen Ethos

Eine knappe Mehrheit lehnte den Antrag ab. Die übrigen Aktionäre enthielten sich der Stimme. Der Wahl des langjährigen Konzernchefs Brabeck zum Präsidenten des Verwaltungsrates stand damit nichts mehr im Wege. An der GV waren 38,9% der Stimmen vertreten.

Auch zwei weitere Anträge von Ethos scheiterten. Dabei ging es um die Reduktion der Amtszeit der Verwaltungsräte und die Herabsetzung der Kapitalhürde für Traktandierungs-Anträge.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann sprach dennoch von einem wichtigen Signal an den Verwaltungsrat. Das Doppelmandat kritisierte er als Rückfall hinter internationale Standards der Corporate Governance.

Nachfolge-Regelung verpasst?

Der abtretende Nestlé-Präsident Rainer E. Gut verteidigte die Wahl des Österreichers Brabeck. Grundsätzlich sei zwar eine Trennung der Funktionen zwischen dem Konzernchef und dem Präsidium vorzuziehen, sagte Gut.

Besondere Umstände hätten aber den Ausschlag für das Doppelmandat gegeben. So übten zahlreiche Mitglieder des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung ihre Funktionen noch nicht sehr lange aus. Zudem sei die von Brabeck im Jahr 2000 gestartete strategische Neuorientierung noch nicht abgeschlossen.

Biedermann warf dem Verwaltungsrat darauf vor, die Hausaufgaben nicht gemacht und eine rechtzeitige Nachfolgeregelung verpasst zu haben.

Doppelmandat für zwei bis drei Jahre

"Wir glauben, dass es von zentraler Bedeutung ist, die strategische Kontinuität zu wahren und jederzeit die Wirksamkeit der Führung sicher zu stellen", entgegnete Gut. Nestlé habe seit jeher das Ziel verfolgt, durch nachhaltiges, gewinnbringendes und voraussehbares Wachstum Mehrwert zu schaffen und sei deshalb zu einem bevorzugten Investitionsobjekt geworden.

Gut zeigte sich enttäuscht, dass verschiedene Pensionskassen der öffentlichen Hand den Ethos-Antrag unterstützen. Seinen Nachfolger Brabeck lobte Gut als Mann, der Vertrauen einflösse und über die Fähigkeiten und das Charisma verfüge, Nestlé in eine noch vielversprechendere Zukunft zu führen.

Wie lange Brabeck das Doppelmandat behalten werde, sei derzeit noch nicht klar. Es könnten zwei oder drei Jahre sein, sagte Gut.

Gut von der Bühne abgetreten

Unter seine eigene Amtszeit zog Gut eine positive Bilanz. Er hinterlasse eine Gesellschaft mit ausgezeichneten Zukunftsaussichten, die auch in den kommenden Jahren eine führende Rolle in ihrem Sektor spielen werde.

Um die Ämterkumulation besser zu kontrollieren, nominierte der Verwaltungsrat zwei Vizepräsidenten: die beiden Verwaltungsräte Andreas Koopmann und Rudolf Hänggi.

Grundsätzlich ist aber auch Nestlé der Ansicht, dass eine Trennung von Konzernführung und Präsidium vorzuziehen ist, wie es hiess.

Nestlé hatte im Januar eingeräumt, dass die Suche nach einem Nachfolger für Brabeck als Konzernchef gescheitert sei. Der 73-jährige Gut musste wegen der in den Statuten festgelegten Alterslimite ausscheiden. Er war seit dem Jahr 2000 Nestlé-Präsident und seit 1981 im Verwaltungsrat.

Mit seinem Abgang bei Nestlé zieht sich Gut von der grossen Bühne der Schweizer Wirtschaft zurück.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Von den anwesenden Aktionären stimmten lediglich gut 50% für ein Doppelmandat.

Mit rund 36% sprach sich eine unerwartet hohe Zahl für einen Antrag der Anlagestiftung Ethos aus, der eine Ämterhäufung verhindern wollte.

Rund 14% enthielten sich der Stimme.

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In Kürze

Peter Brabeck zeigte sich vom knappen Ergebnis enttäuscht. Das Doppelmandat sei gerechtfertigt, eine Verhinderung hätte die zügige Umsetzung der Unternehmensstrategie gefährdet.

Die Machtballung im Nestlé-Konzern hat Tradition. Helmut Maucher, unter dessen Führung Nestlé zu einem Weltkonzern expandierte, amtierte von 1990 bis 1997 auch als Chef und Verwaltungsrats-Präsident.

Nestlé hatte 2004 bei einem Umsatz von 87,98 Mrd. Franken einen Reingewinn von 6,7 Mrd. erwirtschaftet.

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