UNO-Jahr der Berge eröffnet

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Unter dem Motto "Berge verbinden" erfolgte am Dienstag der Auftakt zum UNO-Jahr der Berge. Die Schweiz will sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen.

Dieser Inhalt wurde am 11. Dezember 2001 - 16:28 publiziert

Das von der UNO-Generalversammlung 1998 beschlossene "Internationale Jahr der Berge" kommt dem Schweizer Aussenminister Joseph Deiss gleich in doppelter Hinsicht zupass: Zum einen kann sich das Gebirgsland Schweiz bei diesem Thema international profilieren. Zum anderen fällt das "Jahr der Berge" mit der für das nächste Jahr angesetzten Abstimmung über einen Beitritt der Schweiz zur UNO zusammen.

Deiss machte aus seiner Freude über dieses glückliche Zusammentreffen keinen Hehl, als am Dienstag das UNO-Jahr in den symbolträchtigen Räumen des Schweizerischen Alpinen Museums in Bern eingeläutet wurde: Vielleicht gelinge es, der Schweizer Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass in der UNO Fragen behandelt würden, welche die Schweiz direkt beträfen, sagte Deiss gegenüber swissinfo. "Dies ist ein Argument, um allen Skeptikern zu sagen, dass bei einem UNO-Beitritt die Probleme der Schweiz mehr Beachtung fänden."

Die globale Bedeutung der Bergregionen

Bergregionen sind für den Menschen von existenzieller Bedeutung: Sie bergen die grossen Süsswasser-Reservoire der Erde, verfügen über reiche Bodenschätze und bilden Ökosysteme mit hoher biologischer Vielfalt.

Während des UNO-Jahres sind weltweit Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsführer aufgerufen, auf Anliegen der Bergregionen aufmerksam zu machen. So will auch die Schweiz mit einer ganzen Reihe von Beiträgen und Aktionen, die über das ganze Jahr verteilt sind, das Verständnis für die so genannt nachhaltige Entwicklung der Bergregionen fördern. Mit dem Begriff der Nachhaltigkeit ist eine Nutzung gemeint, die schonend verläuft und damit den Schutz der Region nicht aus den Augen verliert.

Vorschlag Kirgisistans

Es sei als aussenpolitischer Erfolg der Schweiz zu werten, dass das Jahr 2002 zum Jahr der Berge erklärt wurde, sagte Deiss. Die Schweiz habe sich lange dafür eingesetzt, dass die Bergthematik auf die internationale Agenda gelange. Als Nicht-UNO-Mitglied war es der Schweiz jedoch nicht möglich, den Vorschlag in die UNO einzubringen.

Dies besorgte Kirgisistan, mit dem die Schweiz in den Bretton-Woods-Institutionen zusammenarbeitet. Erfolgte der kirgisische Vorschlag auf Drängen der Schweiz? "Dass wir mit Kirgisistan zusammenarbeiten ist eine Tatsache. Dass wir nicht UNO-Mitglied sind und somit jemanden brauchen, der uns hilft und das Projekt mit uns in die UNO einbringt, ist ein Glücksfall", sagte Deiss.

Sowohl Meister als auch Lehrbub

Die Schweiz sei sehr gefragt, wenn es um Know-how zur nachhaltigen Entwicklung im Gebirge gehe, sagte Walter Fust, Vorsteher der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), gegenüber swissinfo. Die Schweizer hätten diesbezüglich in den letzten Jahren viel Wissen zusammengetragen; über Entwicklungs-Zyklen in Bergtälern, über das optimale Verhältnis zwischen Nutzung und Schutz von einzigartigen Biotopen. "Unser Wissen ist international sehr gefragt."

Die Schweiz erhofft sich laut Fust aber auch Nachhilfe-Unterricht aus dem Ausland; etwa beim Wissen um die Gewinnung und Nutzung von pflanzlichen Stoffen zu medizinischen Zwecken.

Strittige Alpenkonvention

Die Schweiz wolle im kommenden Jahr die nachhaltige Entwicklung der Schweizer Berggebiete noch ernster nehmen als bisher schon, sagte Joseph Deiss. Namentlich die Ratifizierung der Protokolle der Alpenkonvention sind dem Aussenminister ein Anliegen.

Die Papiere sind umstritten. So hat sie beispielsweise der Unternehmer-Verband economiesuisse als "unannehmbar" bezeichnet. "Ich wünsche mir, dass das 'Jahr der Berge' die Verantwortung gegenüber der Berglandschaft fördert und somit die Notwendigkeit der Alpenkonvention unterstreicht", erklärte Deiss.

Das Ziel der zwischen europäischen Staaten ausgehandelten Alpenkonvention besteht im Schutz und der nachhaltigen Entwicklung der Alpen. Der Vertrag hat alpenweit Gültigkeit und berücksichtigt sowohl Schutz- als auch Nutzungs-Interessen.

Ogi eröffnet UNO-Jahr in New York

Rund acht Stunden nachdem in Bern das UNO-Jahr eingeläutet worden war, eröffnete Alt-Bundesrat Adolf Ogi das "Jahr der Berge" vor der UNO in New York. "Berge sind keine Barrieren, Berge verbinden Menschen in aller Welt", sagte Ogi bei seiner durch Alphornklänge eingeleiteten Eröffnungsrede.

Die Bergvölker seien zwar zahlenmässig eine Minderheit. Indem sie aber Wasser für die halbe Menschheit lieferten, riesige Mengen Strom produzierten und einen Raum für vielfältige Lebensformen von Menschen, Tieren und Pflanzen böten, seien die Berge von globaler Bedeutung.

Und: "Wir Bergler freuen uns alle, uns untereinander und der ganzen Welt zu sagen: Mountain people are solid like their mountains. You can count on them."

Felix Münger

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