USA: Endphase des Iran-Kriegs beginnt – Teheran droht
Die USA sehen in dem angekündigten Wirtschaftskrieg gegen den Iran die "Endphase" des seit rund sechs Monaten andauernden Konflikts. "Im Morgengrauen beginnt ein wirtschaftlicher "D-Day" - die grösste finanzielle Offensive, die jemals gegen einen Gegner mobilisiert wurde", schrieb US-Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X.
(Keystone-SDA) Er will auf einer für heute in Washington angekündigten Pressekonferenz die «härtesten Sanktionen der Geschichte» gegen die Islamische Republik vorstellen.
US-Präsident Donald Trump habe die militärischen Fähigkeiten des Irans «zerschlagen», schrieb Bessent. Nahezu 100 Prozent der Militärfabriken der Islamischen Republik habe Trump zerstört und das Atomprogramm des Landes zunichtegemacht. «Wir treten nun in die Endphase ein», behauptete Bessent.
Bessent: Wollen Irans Lebensader durchtrennen
Trump hatte bereits am Mittwoch einen «wirtschaftlichen D-Day» für den Iran angekündigt und Unterstützern Teherans mit drakonischen Massnahmen gedroht. Diejenigen, die fürchteten, sich Teheran zu widersetzen, sollten die Kosten einer Provokation Washingtons nicht unterschätzen, warnte Bessent. «Unser Ziel ist es, jede wirtschaftliche Lebensader zu durchtrennen, die das tyrannische Regime am Leben erhält, bis Teheran auf sich allein gestellt ist.»
Der Iran warnt die USA zuvor vor schweren Konsequenzen. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf teilte auf X einen Comic, der nahelegte, dass verschärfte Sanktionen gegen sein Land die USA wie ein Bumerang selbst treffen würden. Der Chef des nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Resai, warnte zudem die ölreichen Nachbarländer davor, sich Washington anzuschliessen. Man werde jeden, der das tue, als Feind betrachten, sagte Resai im Staatsfernsehen.
Iran droht Nachbarstaaten mit Blockade von Öl-Exporten
Der Iran blockiert immer noch weitestgehend den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, eine wichtige Meerenge für Öl-, Gas- und Düngerexporte aus den Staaten am Persischen Golf. Dies hat Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Teheran verlangt, dass Schiffe ausschliesslich eine vom Iran festgelegte Route entlang der eigenen Küste nehmen. Die für die wichtige Meerenge zuständige iranische Behörde drohte auf X bei Verstössen gegen die Regeln mit der Konfiszierung von Schiffen.
Irans Führung habe sich bislang dadurch über Wasser gehalten, dass sie «Erpressung als Sicherheitsgarantien» ansah, schrieb Bessent. Teheran habe Stärke aus der Kalkulation geschöpft, «dass iranische Vergeltungsmassnahmen als sicher und die Durchsetzung amerikanischer Massnahmen als verhandelbar gelten», schrieb der Minister: «Unter Präsident Trump ist diese Ära vorbei.»
Der Iran weigert sich, einzulenken, bis eine Einigung mit Washington erzielt wird, die ihm unter anderem Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten und eine Lockerung der Sanktionen gewährt. Der neue Chef des nationalen Sicherheitsrats, Resai, warnte die Golfstaaten am Samstag vor einer Beteiligung an Washingtons Druckkampagne. Man werde zunächst mit ihnen verhandeln. Sollte dies scheitern, werde der Iran Öllieferungen nicht nur durch die Strasse von Hormus, sondern auch andere Routen in der Region blockieren. Nicht ein Tropfen Öl werde den Persischen Golf passieren, sagte er im Staatsfernsehen.
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hat damit gedroht, den Transit durch die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer zu blockieren. Durch die Meerenge führt der Seeweg von Asien über den Suezkanal nach Europa.
Irans Präsident räumt wirtschaftliche Schwierigkeiten ein
Irans Präsident Massud Peseschkian sagte in einer Rede, sein Land sei «mit einem umfassenden wirtschaftlichen, militärischen und sicherheitspolitischen Krieg konfrontiert». In einer Mitteilung auf seiner Webseite räumte er wirtschaftliche Schwierigkeiten ein und sprach von «erheblichen Ungleichgewichten» in der Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Benzin. Peseschkian zeigte sich aber überzeugt, dass der Iran dem Druck standhalten werde, da das Volk zusammenstehe und widerstandsfähig sei.
Der Inhalt seiner Rede las sich jedoch weniger gelassen als Äusserungen anderer Vertreter der iranischen Führung. So sagte Aussenminister Abbas Araghtschi, wirtschaftliche Kriegsführung sei ein immer wiederkehrendes Muster und Teil der langjährigen Einschüchterungstaktik Washingtons. Der Iran habe gelernt, damit umzugehen. Tatsächlich gibt es bereits seit Jahrzehnten US-Sanktionen gegen den Iran.
Doch trotz eines ausgeklügelten Systems zur Umgehung der Sanktionen steht Irans Wirtschaft vor einer ihrer bislang schwersten Krisen, die Inflation stieg zuletzt sprunghaft an. Die Infrastruktur des Landes wurde durch den vor rund sechs Monaten von den USA und Israel begonnenen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen, inklusive Schäden an Industriebetrieben. Zudem erhöht die US-Blockade iranischer Häfen, mit der Teheran unter anderem die Einnahmen aus Ölexporten verwehrt werden sollen, den Druck weiter.
Emirate wollen wirtschaftliche Verbindungen zum Iran kappen
Kurz vor Trumps Ankündigung eines Wirtschaftskriegs gegen den Iran hatten die mit den USA verbündeten Vereinigten Arabischen Emirate erklärt, alle Handels- und Finanztransaktionen mit Teheran bis auf weiteres auszusetzen. Die Emirate, darunter die Metropole Dubai, sind für den Iran seit vielen Jahren wichtige Orte, um Geschäfte abzuwickeln.
Sollte ein weiterer wichtiger Handelspartner wie die Türkei dem Beispiel folgen, wären die Folgen für den Iran verheerend, zitierte die «New York Times» den Experten Mahdi Ghodsi vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsstudien. Er sprach von einer Verschärfung des Kriegs, bis der Iran eine Einigung mit den USA erziele. «Und für den Iran wird es schlimmer sein als für die regionale oder globale Wirtschaft», fügte er hinzu.
Pakistans mächtiger Armeechef in Teheran erwartet
Unterdessen kündigte der iranische Aussenamtssprecher Ismail Baghai laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna für heute einen Besuch des pakistanischen Armeechefs Asim Munir in Teheran an. Die Reise erfolge im Rahmen der «wohlwollenden Bemühungen» Pakistans zur Stärkung von Frieden und Sicherheit in der Region, hiess es.
Pakistan und andere Vermittler bemühen sich laut Berichten hinter den Kulissen darum, in dem Konflikt zwischen Washington und Teheran Fortschritte hin zu einer Einigung zu erzielen. Wann oder ob es solche geben wird, ist aber völlig unklar.