Venezuela ruft nach Erdbeben 346 Millionen Dollar beim IWF ab
Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela hat die Regierung laut der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez 346 Millionen US-Dollar beim Internationalen Währungsfonds (IWF) abgerufen. Das Geld aus dem Guthaben Venezuelas beim IWF solle zum Wiederaufbau und zur Unterstützung der betroffenen Familien verwendet werden, teilte Rodríguez bei Telegram mit. Sie dankte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa für ihre Unterstützung sowie allen Institutionen, die diesen Schritt ermöglicht hätten.
(Keystone-SDA) Am 24. Juni hatten zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 das südamerikanische Land erschüttert. Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer liegt inzwischen bei mehr als 5.000. Verletzt wurden demnach 16.740 Menschen. Knapp 18.000 Menschen sollen bei der Katastrophe ihr Zuhause verloren haben. Hunderte Gebäude wurden beschädigt oder komplett zerstört.
Beziehung mit IWF wieder aufgenommen
Venezuela und der Internationale Währungsfonds mit Sitz in Washington hatten im April ihre Beziehungen nach siebenjähriger Pause wieder offiziell aufgenommen. Die Beziehungen waren eingefroren, nachdem der IWF 2019 – wie die USA und andere Länder – die Oppositionsregierung unter Juan Guaidó als legitime Regierung Venezuelas anerkannt hatte, und nicht die von Machthaber Nicolás Maduro.
Maduro wurde im Januar durch einen US-Militäreinsatz gestürzt, woraufhin die USA und andere Staaten die Interimsregierung unter Rodríguez anerkannten und auch eine Wiederannäherung an den IWF folgte. Trotzdem verkündete die venezolanische Regierung danach, dass sie vorerst keine IWF-Kredite in Anspruch nehmen wolle.
Erst Mitte Mai – noch vor den Erdbeben – kündigte Venezuela einen umfassenden Prozess zur Umstrukturierung seiner Auslandsschulden an. Der seit 2017 zahlungsunfähige venezolanische Staat ist im Ausland mit rund 170 Milliarden US-Dollar verschuldet, was aktuell rund 145 Milliarden Euro entspricht. Die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes lag einer IWF-Schätzung zufolge zuletzt bei rund 110 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Im Falle Deutschlands sind es 5,5 Billionen Dollar – also etwa das Fünfzigfache.