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Fünfte Schweiz Tim Guldimann, der erste Auslandschweizer-Nationalrat, nimmt den Hut

Tim Guldimann

Schon bald wird man den SP-Nationalrat Tim Guldimann nicht mehr im Bundeshaus antreffen.

(Keystone)

Tim Guldimann, Ex-Spitzendiplomat, Auslandschweizer und SP-Politiker, räumt auf Ende März seinen Sessel im Nationalrat. Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) bedauert seinen Rücktritt. Guldimann habe sich in den zweieinhalb Jahren im Parlament sehr aktiv für die Anliegen der Fünften Schweiz eingesetzt.

"Es ist keine Katastrophe, aber sehr schade, dass unser erster Auslandschweizer-Nationalrat zurücktritt, der dank seinem Bekanntheitsgrad 2015 mit einem Glanzresultat gewählt worden war", sagt ASO-Direktorin Ariane Rustichelli gegenüber swissinfo.ch. "Er war eine Art Symbol. Dank ihm, der in Berlin lebt, wurde mehr über die alltäglichen Probleme und Interessen der Fünften Schweiz gesprochen." Guldimann, Mitglied der Parlamentarischen Gruppe Auslandschweizerexterner Link, des Auslandschweizerratsexterner Link (Sprachrohr der Fünften Schweiz) sowie der Aussenpolitischen Kommission (APK)externer Link habe sehr wertvolle Inputs geliefert, zum Beispiel zur elektronischen Stimmabgabe (E-Voting), zu den Konsularnetzen, den Beziehungen zur EU und vielem mehr. "Aber er ist nicht der Einzige, der sich um die Auslandschweizer Gemeinde kümmert, ganz viele setzen sich in Bundesbern für unsere Anliegen ein. Die Strukturen sind vorhanden", so Rustichelli.

Schwieriger Spagat

Der Rücktritt des 67-Jährigen zeige auch, wie schwierig es sei, als Auslandschweizer die Rolle eines Parlamentariers auszuüben. "Und das ist kein gutes Zeichen für potentielle Kandidaten", so Rustichelli. "Man muss viermal im Jahr an den Parlamentssessionen teilnehmen und in den Kommissionen mitarbeiten. Diese Aufgaben wahrzunehmen ist, auch wenn man im Nachbarland Deutschland lebt, fast unmöglich", sagt Rustichelli. Die ASO-Direktorin rechnet nicht damit, dass bald wieder ein Mitglied der Fünften Schweiz ins Parlament gewählt wird. "Die Auslandschweizer sind in der Schweiz kaum bekannt – Guldimann war da als ehemaliger Botschafter in Berlin und Teheran eine Ausnahme."

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Guldimann-Rücktritt

Guldimann, der sich auf seiner Website als "Internationalrat"externer Link bezeichnet, lebt mit seiner Familie in Berlin. Seinen Rücktritt begründet er in einem Schreiben an die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Kanton Zürich damit, dass es schwierig sei, "in einem Milieu zu leben und in einem anderen Milieu Politik zu machen".

"Um diese Distanz zu überwinden, hätte ich viel mehr Zeit im Kanton Zürich verbringen müssen", liess der wohl prominenteste Auslandschweizer verlauten. Diesen Anspruch an die Ausübung des Nationalratsmandats könne er jedoch mit seinem Anspruch an sich selber als Familienvater nicht in Einklang bringen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau sei ein zentraler Punkt seines Wahlprogramms gewesen. Nun sei es an ihm, sie auch selber umzusetzen. Ein Umzug in die Schweiz komme nicht in Frage – seine beiden Töchter gingen noch zur Schule, und seine Frau sei berufstätig.

Phantomdiskussion über fremde Richter

In einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" und dem "Bund" äussert Guldimann auch Kritik am Berner Politbetrieb. In der Schweiz oder im Parlament gehe es "nur darum, wie wir uns mit Europa arrangieren, damit wir nicht beitreten müssen. Oder wir führen eine Phantomdiskussion über fremde Richter".

Auch gesellschaftspolitisch bringt der prominente Auslandschweizer Kritik an: Die Schweiz sei punkto Gleichstellung immer noch von gestern. "Jeder kleinste Schritt wird sofort blockiert."

Tim Guldimann wurde 1950 in Zürich geboren. Seine Studien in Volkswirtschaft führten ihn nach Santiago de Chile, Mexiko und Stockholm.

Von 1976 bis 1979 arbeitete er am Max-Planck-Institut in Starnberg (D).

Zwischen 1979 und 1981 war er mehrmals zu Forschungszwecken in der Sowjetunion, in London und New York.

1982 trat er in den diplomatischen Dienst der Schweiz ein. Von 1991 bis 1995 war er u.a. verantwortlich für Forschungsverhandlungen mit der EU. Zudem lehrte er an den Universitäten Bern, Zürich und Freiburg.

1996 bis 1997 war Guldimann Leiter der OSZE-Unterstützungsgruppe in Tschetschenien und handelte einen Waffenstillstand aus.

In den beiden darauffolgenden Jahren war er Leiter der OSZE-Mission in Kroatien.

Von 1999 bis 2004 war Guldimann Schweizer Botschafter in Teheran und vertrat in dieser Funktion auch die Interessen der USA in Iran.

Von 2004 bis 2007 lehrte er an verschiedenen europäischen Universitäten. 
Ab 2007 war er erneut für die OSZE tätig: Ein Jahr lang leitete er die OSZE-Mission und war stellvertretender Sonderbeauftragter des UNO-Generalsekretärs im Kosovo.

2014 berief ihn der damalige OSZE-Vorsitzende, der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter, zum OSZE-Sondergesandten für die Ukraine.

Von Mai 2010 bis Mai 2015 war er Schweizer Botschafter in Berlin.

2015 wurde er als erster Auslandschweizer in den Nationalrat gewählt. Guldimann lebt in Berlin.

Im Februar 2018 gibt er seinen Rücktritt als Nationalrat bekannt.

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