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Soziale Netzwerke auch für Firmen immer wichtiger

Früher verschmäht, heute beliebt: Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke immer häufiger. AFP

Lange haben Unternehmen und ihre Marketing-Abteilungen sie vernachlässigt, jetzt aber nutzen sie die sozialen Netzwerke immer häufiger. Ein Überblick über die neusten Tendenzen nach der 7. Ausgabe der Innovations- und Technologie-Konferenz Lift in Genf.

Der Börsengang von Facebook ist für Mitte Jahr vorgesehen. Der Börsenwert des grössten sozialen Netzwerkes wird auf 75 bis 100 Milliarden Dollar geschätzt. Gemäss ITespresso.fr werden die Papiere auf den privaten Märkten zur Zeit für 44 Dollar pro Stück gehandelt, womit der Wert des Unternehmens bei 103 Milliarden liegt.

Das ist ein weiteres Zeichen, dass diesen neuen Kommunikationskanälen grosse Bedeutung zukomme, meint der Franzose Daniel Kaplan, Mitgründer der Stiftung für das Internet der neuen Generation (Fing), Partner der Technologie-Konferenz Lift, mit Sitz in Genf.

«Die sozialen Netzwerke sind sehr wichtig und strukturierend. Aber ihre starke Konzentration auf einige Plattformen wird problematisch. Stellen Sie sich vor, es gäbe weltweit nur eine einzige Telefongesellschaft», betont Kaplan.

Spezialisierte Plattformen

Die Zahl der Mitglieder bei Facebook, der Firma von Mark Zuckerberg, nimmt weiter zu. Bis im Sommer dürfte sie eine Milliarde betragen. Es gibt aber auch einen Teil, der Facebook zugunsten besser spezialisierter Plattformen verlässt.

«Interessant ist heute, zu sehen, wie die sozialen Kommunikations-Plattformen eingesetzt werden, um Aktionen oder Märkte zu koordinieren, etwa bei der Produktion, der kollektiven Nutzung von Geräten. Es existieren auch Angebote gemeinsamer Käufe oder Reisen.»

Eine Sichtweise, die auch Laurent Haug teilt. Er ist einer der Gründer von Lift. «Man schliesst sich zu geschlossenen Gruppen zusammen, die echte Freunde oder Kontakte vereinen. Diese Chance nutzen viele Startup-Unternehmen. Andere setzen auf Geolokalisierung und bieten Sozialisierungs-Dienste in geografischer Nähe an.»

Nach einer Phase des Misstrauens und der Tabuisierung beginnen die Unternehmen zu realisieren, welchen Nutzen sie aus den Daten ziehen können, welche die sozialen Netzwerke generieren. «Die Ausbildungen für digitales Marketing vervielfachen sich», hiess es im letzten Stellenanzeiger der Westschweizer Tageszeitung Le Temps.

Datenzugriff

Daniel Kaplan bestätigt: «Die Werbeagenturen stellen massenhaft Ingenieure, Statistiker oder Informatiker an. So werden auch immer mehr Daten von Personen gesammelt, die nicht wissen, was damit geschieht.»

Dazu sagt Stefana Broadbent, Schweizer Forscherin am Institut für digitale Anthropologie der Universität London: «Zahlreiche Institutionen haben das Vertrauen ihrer Nutzer und Angestellten verloren.»

Um dieser Tendenz entgegenzutreten, hat die Regierung des britischen Premiers David Cameron das Projekt «MyData» lanciert. Dieses sieht vor, dass ein Unternehmen die Informationen, die es über einzelne Personen gesammelt hat, den Betreffenden mitteilen muss.

Daniel Kaplan, der in Frankreich ein ähnliche Projekt (Mes Infos) initiiert hat, erklärt: «Die Unternehmen haben kein Vertrauen in ihre Kunden. Sie verbringen ihre Zeit damit, sich vor ihnen zu schützen und teilen ihnen nur das Nötigste mit.»

Sich im Netz präsentieren

Die Unternehmen ignorieren nach Meinung von Daniel Kaplan so ein weiteres Merkmal der digitalen Plattformen: «Die sozialen Netzwerke erlauben ihren Mitgliedern, sich anderen Leuten zu zeigen, ihr Netzwerk auszubauen und ihre soziale Präsenz zu verbessern.»

«In den sozialen Netzwerken wollen wir nicht teilen», sagt Laurent Haug. «Es geht darum, sich zu präsentieren. Heute kontrollieren alle ihr Profil und konstruieren eine Persönlichkeit zwischen privatem und öffentlichem Leben, wo man sich von der besten Seite zeigt.»

Dennoch habe das Teilen von Wissen nicht ausgedient, betont eine weitere Teilnehmerin an der Konferenz Lift: «Die sozialen Netzwerke werden den Bildungssektor auf den Kopf stellen», sagt Anaïs Saint-Jude, Leiterin des Programms Biblio Tech an der Universität Stanford in Kalifornien. «Wir kreieren hier Plattformen für unsere Kurse (Udacity).»

Vor sechs Monaten hatten die Professoren ihre Kurse über künstliche Intelligenz auf diesem Weg auch für Auswärtige angeboten. 160’000 Studierende auf der ganzen Welt nahmen am digitalen Lehrgang teil.

Seit 2006 vereint Lift jedes Jahr in Genf Pioniere und innovative Köpfe aus dem Gebiet neuer Technologien.

Seit 2008 organisiert Lift auch eine Jahreskonferenz in Südkorea.

Seit 2009 findet jedes Jahr eine französische Ausgabe in Marseille statt.

Die 7. Ausgabe in Genf ging vom 22. bis 24. Februar über die Bühne. Es kamen rund 900 Führungskräfte von High-Tech-Gesellschaften, Universitäten, Web-Experten, Investoren und Künstler.

Es ist das meistbenutzte soziale Medium in der Schweiz. Laut Angaben von Somexcloud gab es Ende 2011 2,7 Millionen aktive Profile, was fast 35% der Gesamtbevölkerung oder 43% der Internetbenützer entspricht.

2010 nahm die Gruppe der Rentner mit 24% am meisten zu. Davon waren 49,97% Männer und 50,03% Frauen.

57% benutzen Deutsch, 21% Französisch und 4% Italienisch. 13% bevorzugten Englisch.

Das Durchschnittsalter beträgt 35 Jahre. 2 Millionen Facebook-Benützer sind volljährig.

(Übertragung aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein)

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