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Uhrenindustrie wappnet sich für Zeit nach Hayek



Seit dem am 1. März 1983 sorgt Swatch mit Plastikuhren für Furore.

Seit dem am 1. März 1983 sorgt Swatch mit Plastikuhren für Furore.

(Keystone)

Seit er die Schweizer Uhrenindustrie in den 1980er-Jahren vor dem drohenden Kollaps gerettet hatte, galt Nicolas G. Hayek als Ikone. Nach seinem Tod stellt sich die Frage, wie die Uhrenmacher ohne ihn klar kommen werden.

Allgemein herrscht die Meinung, dass Hayek nicht nur seine Swatch Group zum marktbeherrschenden Unternehmen der Branche machte. Dank ihm habe die gesamte Schweizer Uhrenindustrie wieder Tritt gefasst.

Im Fall einer neuen Krise könnte der charismatische Unternehmer vermisst werden.

Insgesamt scheint die Schweizer Uhrenindustrie die letzte Wirtschaftskrise aber überstanden zu haben: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres stiegen die Einnahmen nach einem schwachen 2009 um 15,8%.

Auch bei der Menge der produzierten Uhren zeigt sich mit 19,8% ein gesundes, von Asien angetriebenes Wachstum.

Und die Swatch Group, klare Branchenleaderin im Uhrenmarkt, scheint in guter Verfassung zu sein. Nach eigenen Angaben erwartet das Unternehmen für 2010 ein Rekordjahr.

Zwar waren die Profite 2009 auch um 8,9% auf 763 Mio. Franken gesunken, damit stand das Unternehmen aber immer noch viel besser da, als die Branche insgesamt.

Der Wirtschaftsjournalist Jürg Wegelin, Autor einer Hayek-Biographie, die diesen Sommer auch in einer englischen Übersetzung auf den Markt kommt, glaubt, dass der Swatch-Konzern den Verlust seines Gründers und Glückbringers überstehen wird.

Weiterhin in der Familie

Das Unternehmen bleibt auch nach dem Tod des Patrons mit einem Aktienpool von 41% zu grossen Teilen in den Händen der Familie Hayek. 2003 hatte Hayek seinem Sohn Nick die operative Leitung der Swatch Group übergeben.

Tochter Nayla, bisher Vizepräsidentin des Verwaltungsrats, wurde nach dem Tod ihres Vaters am Mittwoch zur neuen Präsidentin des Gremiums berufen. Und ihr Sohn Marc arbeitet ebenfalls seit mehreren Jahren bei der Swatch Group und sitzt in der Konzernleitung.

"Hayek war persönlich sehr eng mit der Entwicklung der Marke Swatch verbunden. Wenn er das Unternehmen vor 10 Jahren verlassen hätte, wäre das ein grosses Problem gewesen", erklärte Wegelin gegenüber swissinfo.ch.

"Unterdessen hat sich das Unternehmen jedoch konsolidiert. Ich denke, sein Sohn wird weiterhin einen guten Job machen. Er hat die operative Leitung vor mehr als sieben Jahren übernommen und hat unterdessen viel Erfahrung."

Nach dem unerwarteten Tod von Hayek Senior machte die Swatch-Aktie zwar einen Taucher von fast 4%, aber der Swatch-Gründer und sein Sohn haben kurzfristigen Aktienschocks schon immer wenig Aussagekraft beigemessen.

Ironischerweise sagten Finanzanalysten, die regelmässig den Zorn Hayeks weckten, dem Unternehmen auch nach dem Tod seines charismatischen Patrons eine rosige Zukunft voraus.

So empfiehlt die Bank Vontobel Swatch-Aktien weiterhin. Der Konzern werde auch in Zukunft von der Familie geführt und es seien keine grösseren Veränderungen der erfolgreichen Strategie zu erwarten.

Der Swatch-Konzern nimmt heute im Schweizer Uhrenmarkt eine derart dominante Stellung ein, dass viele andere Unternehmen für die Herstellung ihrer Uhren auf Komponenten des Grosskonzerns angewiesen sind. Laut Wegelin orientieren sich zudem auch viele Konkurrenten an der erfolgreichen Strategie von Swatch.

Von der Abhängigkeit lösen

Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie, ist der Ansicht, dass die verschiedenen Unternehmen der Branche ihre früheren Probleme schon lange hinter sich gelassen haben und sehr wohl fähig sind, für ihre eigenen Interessen zu sorgen.

"Ohne Zweifel haben wir eine grosse Persönlichkeit, einen grossen Unternehmer unserer Industrie verloren, aber wir werden unsere Entwicklung fortsetzen und unsere Position auf dem Weltmarkt ausbauen können", sagte Pasche gegenüber swissinfo.ch. "Ich blicke recht zuversichtlich in die Zukunft, denn der Enthusiasmus von Hayek wird uns erhalten bleiben."

Hayek selber wollte offenbar die Abhängigkeit anderer Hersteller vom Swatch-Konzern verringern. 2009 hatte er angekündigt, dass der Konzern die Lieferung von Einzelteilen an andere Hersteller bald einstellen werde, da der Geschäftszweig nicht genügend Einnahmen bringe.

Wann diese Pläne umgesetzt werden sollen, ist nicht bekannt, doch hatte die Ankündigung bei einigen anderen Marken, darunter auch Schweizer Firmen, für ein gewisses Unbehagen gesorgt. Derzeit gibt es nicht genügend Lieferanten, die in die Bresche steigen könnten. Auch Pasche kann nicht sagen, welche Auswirkungen das nach sich ziehen könnte.

Zweiter "Hayek" bereit?

"Viele Markenunternehmen produzieren schon heute ihre eigenen mechanischen Einzelteile, andere werden eine neue Lösung finden müssen", so Pasche. "Es ist wichtig, dass es in Zukunft mehrere Bezugsquellen für diese Einzelteile geben wird."

Wegelin seinerseits verwies darauf, es sei wichtig, dass die Schweizer Uhrenindustrie sich nicht zurücklehne und ihre derzeitig stabile Stellung geniesse. Nicolas G. Hayek habe seine Aufgabe, die Schweizer Uhrenbranche zu retten, vor ein paar Jahren erledigt, nun müsse sich die Industrie den neuen Herausforderungen selber stellen.

"Für den Moment ist es einfach, die gleiche Strategie weiter zu verfolgen, denn sie scheint zu funktionieren", erklärte Wegelin. "Aber niemand weiss, ob sich in einer veränderten Situation oder bei einer neuen Krise jemand finden lässt, der wie Hayek fähig wäre, eine Lösung zu finden."

"Der Swatch-Konzern hat eine Strategie, aber es ist von vitaler Bedeutung, dass die anderen Marken nicht einfach dem Flaggschiff folgen, ohne ihre eigenen Ideen zu entwickeln."

Matthew Allen, swissinfo.ch
(Übertragen aus dem Englischen: Rita Emch)

Schweizer Uhrenindustrie

Insgesamt musste die Schweizer Uhrenindustrie 2009 gegenüber 2008 eine Export-Einbusse von 22,3% einstecken.

In den letzten zwei Monaten 2009 zeichnete sich eine Erholung ab, die Rückgänge lagen nur noch im einstelligen Prozentbereich.

Im Januar 2010 stiegen die Exporte um 2,7% auf 976 Mio. Fr., im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,2% auf 1,2 Mrd. Fr.

Armbanduhren mit einem Exportpreis unter 500 Fr. machten den Hauptanteil der Ausfuhren aus, der Zuwachs lag im Februar 2009 bei 31,6%.

Der Export von Uhren, die mehr als 3000 Fr. kosten, stieg im gleichen Zeitraum nur um 3,9%.

Langsam kehrte auch der Markt in den USA zu Wachstumsraten zurück, im Plus sind weiter Hongkong und China, während der europäische Markt noch immer hinterher hinkt.

In den ersten fünf Monaten 2010 stiegen die Einnahmen der Branche im Vergleich zum Vorjahr um 15,8%, die Zahl der produzierten Uhren nahm um 19,8% zu.

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Swatch

Der Swatch-Konzern hatte sich 2009 mit einem um 8,9% tieferen Reingewinn von 763 Mio. Fr. zufrieden geben müssen.

Das war aber immer noch klar besser als der Durchschnitt der Branche und lag über den Erwartungen von Analysten.

Im Dezember 2009 hatten die Verkäufe wieder zugelegt, und im Januar 2010 verzeichnete das Unternehmen gar den zweitbesten Monat Januar in der Geschichte der Gruppe.

Für 2010 wird erwartet, dass der Brutto-Umsatz des Konzerns auf mehr als 6 Mrd. Fr. steigen wird, nach 5,42 Mrd. im letzten Jahr.

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