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Atom-Fusions-Testreaktor in der Provence

Fotomontage der künftigen Anlagen in Cadarache. (ITER) ITER

Die Schweiz begrüsst, dass der internationale Atom-Fusionsreaktor ITER im südfranzösischen Cadarache und nicht in Japan gebaut wird.

Vor allem das Forschungszentrum für Plasmaphysik an der ETH Lausanne (EPFL) könnte daraus Nutzen ziehen.

Der Bau des Reaktors «vor unserer Haustür» verstärke die Bedeutung des Forschungszentrums für Plasmaphysik (CRPP), sagte Jean-Pierre Ruder vom Staatsekretariat für Bildung und Forschung. Darüber hinaus könne die ETH Lausanne von europäischen Kernfusions-Programmen profitieren.

Der Standort Cadarache hat laut Ruder den Vorteil, dass dort bereits die Atomenergie-Kommission (CEA) ansässig ist. Das französische Institut verfüge über ein Kompetenzzentrum in der Nuklearforschung, dessen Erkenntnisse für das ITER-Projekt von Bedeutung seien.

Streit gegen Japan

Die europäischen Programme zur Kernforschung kosten pro Jahr rund 170 Mio. Euro (über 250 Mio. Franken). Die Schweiz steuert jeweils acht Millionen Franken bei. Daran soll sich laut Ruder vorderhand nichts ändern. Wichtigste Projektpartner hierzulande sind das CRPP sowie das Physikinstitut der Uni Basel.

Am Dienstag haben sich die beteiligten Partner in Moskau für den Standort Cadarache in der Provenve ausgesprochen. Nach jahrelangem Streit gegen Japan hat sich damit Frankreich durchsetzen können.

Die Energie des 22. Jahrhunderts

Im Forschungszentrum für Plasmaphysik der ETH Lausanne, im Paul Scherrer Institut im aargauischen Villigen und im Institut für Physik der Universität Basel haben in den letzten zehn Jahren über hundert Wissenschafterinnen und Wissenschafter an Fusionsprojekten gearbeitet, die teilweise mit ITER zusammenhängen.

Der spezielle Schweizer Beitrag zum künftigen Reaktor sind die Mikrowellenröhren, in denen das Plasma erwärmt wird.

Zahlreiche technologische Hindernisse

ITER ist ein Versuchsreaktor. Die Fusion kann zwar auch ausserhalb des Labors stattfinden, aber deren industrielle Nutzung zur Produktion von Strom wird noch eine Weile auf sich warten lassen, denn noch gibt es zahlreiche technologische Hindernisse zu überwinden.

«Der erste Reaktor wird wohl in etwa fünfzig Jahren ans Stromnetz gehen» so die vorsichtige Schätzung von Kurt Appel, Vizedirektor des CRPP. «Und in 100 Jahren können vielleicht 10 bis 20% der weltweit konsumierten Energie durch Fusion produziert werden.»

Problem: Erdbeben

Eine saubere und unerschöpfliche Energie liegt also noch in weiter Ferne. Für die Umweltbewegungen, allen voran Greenpeace, dauert das viel zu lange. Für sie ist ITER ein «teures, unsicheres und gefährliches Projekt».

Gefährlich deshalb, weil Cadarache in einer der französischen Erdbebenzonen liegt. Das leugnen auch die Promotoren nicht, aber sie versprechen, dass die Gebäude so sicher gebaut werden, dass sie einem Erdbeben der Stärke 6,5 widerstehen können. Und ein Beben dieser Stärke gab es in dieser Region noch nie.

swissinfo

Die thermonukleare Fusion ist die Energie, die dem Universum zugrunde liegt. Sie ist es, welche die Sterne am Leuchten erhält.

In den klassischen Kernkraftwerken werden sehr schwere Atome zertrümmert, während das Fusionskraftwerk sehr leichte Atome zum Fusionieren (Verschmelzen) bringt.

Für die Fusion müssen die Atome auf fast 100 Mio. Grad erhitzt werden.

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