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Ein neuer Gewerkschafts-Riese

Der neue Travail.Suisse-Präsident Hugo Fasel (links) und Bundesrat Pascal Couchepin an der Gründungsversammlung der neuen Grossgewerkschaft. Keystone

In Bern ist am Samstag die neue Grossgewerkschaft Travail.Suisse gegründet worden. Präsident wird CSP-Nationalrat Hugo Fasel.

Der Christlichnationale Gewerkschaftsbund und die Vereinigung schweizerischer Angestelltenverbände schlossen sich zusammen.

Im Beisein von Noch-Volkswirtschaftsminister Pascal Couchepin wurde die neue Dachorganisation von rund 250 anwesenden Delegierten gegründet.

Travail.Suisse ist als Fusion aus dem Christlichnationalen Gewerkschaftsbund der Schweiz (CNG) und den der Vereinigung Schweizerischer Angestelltenverbände (VSA) angeschlossenen Organisationen entstanden.

Neben dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) wird Travail.Suisse landesweit der wichtigste Arbeitnehmer-Dachverband.

Die neu gegründete Dachorganisation für Arbeitnehmer vertritt ab dem kommenden 1. Januar 150’000 Gewerkschaftsmitglieder.

Flexibles Rentenalter: Sozial abgefedert

Travail.Suisse nimmt die Arbeit am 1. Januar 2003 auf. Am gleichen Tag tritt Pascal Couchepin sein Amt als Bundespräsident und neuer Innenminister an.

Auch Couchepin gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Konflikte, die zwischen der Politik und der Gewerkschaft Travail.Suisse dann und wann auftreten, in gute Kanäle geleitet und partnerschaftlich gelöst werden könnten.

Am Schluss seiner Rede kriegte Bundesrat Couchepin eine Taschenlampe, um «gewisse Dinge auch im Licht der Arbeitnehmer sehen zu können», sowie ein Paar Boxhandschuhe, damit ein «fairer Kampf möglich ist.»

Die Delegierten verabschiedeten zum Schluss der Versammlung eine Resolution zur 11. AHV-Revision. Travail.Suisse akzeptiere eine Flexibilisierung des Rentenalters ohne soziale Abfederung nicht und erwarte vom Nationalrat eine «wesentliche Verbesserung» des ständerätlichen Entscheids.

Sozialpartnerschaft und Sozialethik

Travail.Suisse will parteipolitisch und konfessionell unabhängig sein. Sie will sich laut Initianten auf die «christliche Sozialethik, die Regeln der Sozialpartnerschaft und der demokratischen Grundordnung» abstützen.

«In einer Wirtschaftswelt, die immer mehr durch die neoliberale Doktrin dominiert wird, braucht es als Gegengewicht starke Organisationen der Arbeitnehmenden», sagt CNG-Präsident Hugo Fasel. Nur so könne der soziale Ausgleich durchgesetzt werden. Die Trennungen zwischen öffentlichen und privaten Arbeitsverhältnissen sowie christlichen und anderen Arbeitnehmenden seien heute weitgehend überholt.

Eine weitere Gewerkschaftsfusion

Aus ähnlichen Überlegungen heraus hatten die Gewerkschaften Bau und Industrie (GBI) sowie Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV) vor rund drei Monaten ihren Zusammenschluss zu einer Interprofessionellen Gewerkschaft beschlossen. Auch die Dienstleistungs-Gewerkschaft unia und wahrscheinlich die Gewerkschaft VHTL (Handel, Transport, Logistik) wollen sich ihr anschliessen.

Laut SGB-Präsident Paul Rechsteiner handelt es sich um die grösste Fusion der schweizerischen Gewerkschafts-Geschichte. Sie soll bis Ende 2004 vollendet sein.

Mit über 200’000 Mitgliedern wird die Interprofessionielle Gewerkschaft die grösste Arbeitnehmer-Vereinigung der Schweiz und für rund 500 Gesamtarbeitsverträge zuständig sein. Voraussichtlich wird sie den Namen UNIA annehmen.

Fusionen, aber keine Einheitsgewerkschaft

Fusionen von Gewerkschaften zu grösseren branchenübergreifenden Einheiten sind seit über zehn Jahren ein Thema. Damit reagieren die Arbeitnehmer-Organisationen auf Liberalisierung, Globalisierung, Strukturwandel, Arbeitsplatzabbau und Mitgliederschwund.

So entstanden unter dem Dach des SGB die Gewerkschaften GBI, Kommunikation und Comedia aus Fusionen von Einzelgewerkschaften. Christliche und freie Arbeitnehmerverbände schlossen sich zur Syna und transfair zusammen.

Ein Zusammenschluss aller Arbeitnehmerverbände unter einem Dach ist aber kein Thema. So sprachen sich im März CNG und VSA gegen eine vertiefte Kooperation mit dem SGB aus.

Pluralismus wirkt belebend

Ein Zusammenschluss würde die Gewerkschaftsbewegung in der Schweiz schwächen, sagte Syna-Präsident Max Haas. Pluralismus bei den verschiedenen Organisationen wirke sich belebend auf den gewerkschaftspolitischen Wettbewerb aus.

Für SGB-Präsident Rechsteiner ist es wichtig, dass die verschiedenen Gewerkschaften ihre Kräfte bündeln und ihre Arbeit koordinieren. «Wir streben langfristig gesehen eine gemeinsame, pluralistische Vertretung der Arbeitnehmer an», erklärte Rechsteiner.

swissinfo und Agenturen

Travail.Suisse: Fusion aus CNG, VSA, Syna und transfair

Ab Anfang 2003: Rund 150’000 Mitglieder

Vermutlicher Präsident von Travail.Suisse: CNG-Präsident und CSP-Nationalrat Hugo Fasel.

Travail.Suisse versteht sich nach den Worten des Präsidenten des Christlichnationalen Gewerkschaftsbundes (CNG), Hugo Fasel, als Gegengewicht der Arbeitnehmenden zu einer immer neoliberaleren Wirtschaftwelt.

Vor rund drei Monaten beschlossen die Gewerkschaften Bau und Industrie (GBI) sowie Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV) den Zusammenschluss zu einer Interprofessionellen Gewerkschaft. Anschliessen will sich auch die Dienstleistungs-Gewerkschaft unia.

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