Forschung in Gefahr
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) fordert zusätzliche Bundesgelder für die wissenschaftliche Forschung. Man wolle nicht in die 2. Liga absteigen.
Der SNF fordert vom Bund zusätzliche 1,25 Mrd. Franken für die Jahre 2004 bis 2007.
Die Grundlagenforschung in der Schweiz gehöre zwar noch zur Weltspitze. Ihre Wettbewerbsfähigkeit drohe aber infolge stagnierender Forschungsgelder abzunehmen, warnt der SNF in seinem Mehrjahresprogramm 2004-2007.
Der Aufruf an das Parlament, mehr Forschungsgelder zu bewilligen, erfolgt am Vorabend der Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Organisation am 1. August. Der SNF will sich zu seinem 50-Jahr-Jubiläum reformieren und seine wissenschaftliche Infrastruktur modernisieren.
Mit seinen Forderungen steht der SNF nicht alleine da. Auch der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat (SWTR) verlangt zusätzliche Bundesmittel an den Nationalfonds für die Grundlagenforschung.
USA: Dreimal mehr Geld
«Zur Zeit kann der SNF pro Jahr 100’000 Franken in ein Forschungsprojekt investieren», sagt Generalsekretär Hans Peter Hertig gegenüber swissinfo.
«Vergleichbare Schwester-Organisationen, wie etwa die amerikanische ‚National Science Foundation‘, können rund dreimal mehr Geld in ihre Projekte stecken», sagt Hertig. Damit sei klar, dass die Schweiz mit ihren Mitteln nicht mehr auf dem internationalen Level mithalten könne.
Zwar sei die Schweiz zur Zeit immer noch in der Weltspitze, findet Hertig. «Wenn die Forschungsprojekte aber im internationalen Vergleich immer schlechter finanziert werden, dann wird der Forschungsplatz Schweiz in 10 bis 15 Jahren die negativen Auswirkungen zu spüren bekommen.»
Grundlagenforschung
Mit seinem Budget von etwa 400 Mio. Franken unterstützt der SNF rund 3000 Grundlagen-Forschungsprojekte, 18 nationale Forschungsprogramme, ein Schwerpunktprogramm und 14 Nationale Forschungsschwerpunkte. Über 500 Forschende profitieren jährlich von einem Ausland-Stipendium.
Ein Fünftel der Kredite fliesst in die Geistes- und Sozialwissenschaften, je zwei Fünftel in Mathematik, Natur- und Ingenieur-Wissenschaften respektive Biologie und Medizin. 79 Prozent der unterstützten Forschenden sind unter 35 Jahre alt, 38 Prozent sind Frauen.
Mehr Geld für Doktoranden
Laut Hans Peter Hertig will man mehr Leute ins Ausland schicken. Die internationalen Erfahrungen würden sich positiv auf den Forschungsplatz Schweiz auswirken.
Doktoranden, so Hertig, sollten mehr verdienen. Auch hier sei man mit den Gehältern, die ausserhalb der Universität bezahlt werden, nicht mehr konkurrenzfähig.
Grundlagenforschung sei eines der wenigen Gebiete, wo sich die Schweiz noch innerhalb der Weltspitze behaupten könne, sagt Hertig. «Mit einer starken Grundlagenforschung holen wir weiterhin Spitzenkräfte in die Schweiz.»
Es bestehe nämlich die Gefahr, dass die Schweiz ihren Forschungsplatz verliere. «Die Firmen ziehen weg.»
Jüngstes Beispiel sei der Basler Pharmakonzern Novartis, der seine Forschung in Boston, Massachusetts, konzentriere.
Vincent Landon und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch