Hochwasser-Lage im Wallis nach wie vor dramatisch
Nach der Erdrutsch-Katastrophe von Gondo ist am Sonntag (15.10.) fast das ganze Wallis in Ausnahmezustand versetzt worden. Die Suche nach den 13 Vermissten von Gondo wurde wieder aufgenommen. Auch bei Stalden werden zwei Personen vermisst.
Im Ober- und Unterwallis wurden Menschen wegen Überschwemmungsgefahr evakuiert.
Erdrutsche in verschiedenen Gebieten
In Neubrück bei Stalden riss ein Erdrutsch am Sonntag vier Häuser mit; zwei Personen werden vermisst. Ein weiteres Haus wurde in Mörel weggerissen. In Brig droht die hoch gehende Saltina, die 1993 das Stadtzentrum verwüstet hatte, Stützmauern einzureissen.
Rhone tritt über die Ufer
Die Rhone trat an verschiedenen Stellen über die Ufer. Bei Brig erreichte ihre Durchflussmenge laut Bundesamt für Wasser und Geologie mit 530 Kubikmetern pro Sekunde einen nie zuvor gemessenen Wert.
In Sitten wurde mit 910 Kubikmetern pro Sekunde die grösste Durchflussmenge seit 1948 verzeichnet. Bei der Porte du Scex ergossen sich 1’400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Genfersee, so viel wie noch nie.
Weite Teile des Wallis waren auf dem Landweg kaum mehr zu erreichen. Autobahnen, Haupt- und Nebenstrassen, Pässe und Bahnlinien sind wegen Erdrutschen, Steinschlägen und Überschwemmungen oder aus Sicherheitsgründen gesperrt.
Gondo: Bergungsarbeiten wieder aufgenommen
Die seit Tagen anhaltenden Regenfälle in den südlichen Alpen hatten verheerende Auswirkungen. Beim Erdrutsch vom Samstag wurde etwa ein Drittel des Grenzdorfs Gondo zerstört. Am Sonntag wurden weiterhin 13 Bewohner des Dorfes vermisst.
Laut Kantonspolizei muss befürchtet werden, dass sie umgekommen sind. Die Such- und Bergungsarbeiten wurden am frühen Nachmittag wieder aufgenommen. Die Dorfbewohner waren bereits am Samstag evakuiert worden.
Appell an die Bevölkerung
Die Walliser Bevölkerung wurde von den Behörden aufgefordert, zu Hause zu bleiben, Autofahrten aufs Nötigste zu beschränken und Telefongespräche möglichst zu unterlassen.
Der kantonale Katastrophenstab wies die grossen Stauwerke an, möglichst viel Wasser aufzufangen. Allerdings waren verschiedene Seen am späten Sonntagnachmittag randvoll, so dass – wie beim Mattmark-Stausee – kontrolliert Wasser abgelassen werden musste.
Laut Polizei hatten aber andere Stauseen, wie etwa jener der Grande Dixence, noch erheblich Stauraum.
Vorsorgliche Evakuationen
Im Ober- und im Unterwallis wurden vorsorgliche Evakuationen angeordnet, so in Visp, Fully und Martigny. Eine Erdgasleitung wurde sicherheitshalber stillgelegt und entleert.
Im ganzen Kanton waren alle verfügbaren Kräfte im Einsatz. Sie wurden verstärkt durch 170 Mann der Rettungstruppen-Rekrutenschule 277 sowie Transporthelikoptern der Armee. Für morgen Montag (16.10.) ist der Einsatz eines Rettunstruppen- und eines Genie-Bataillons geplant.
Hochwasser auch in angrenzenden Gebieten
Hochwasser herrschte auch in der Waadt, im Tessin und im Berner Oberland. In den ans Wallis angrenzenden Gebieten der Waadt traten verschiedene Bäche über die Ufer, so in der Region Bex. Die Bahnstrecke Bex – Gryon war gesperrt.
In Ascona und Locarno trat der Langensee über die Ufer. Am Nachmittag registrierte das Bundesamt für Wasser und Geologie einen Pegelstand von 196,54 Metern, bei steigender Tendenz.
Im Berner Oberland traten verschiedene Flüsse über die Ufer. Mehrere Strassen und zahlreiche Bahnverbindungen waren unterbrochen.
swissinfo und Agenturen
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