In Einsteins Laboratorium
Licht, Raum und Zeit: Eine Ausstellung im Winterthurer Technorama erlaubt, die wichtigsten Experimente von Albert Einstein anzufassen.
Die Schau reiht sich in das laufende «Einsteinjahr» und wendet sich an ein neugieriges, aufmerksames Publikum.
«Man kann nicht alles wissen», schreibt ein Mädchen auf das Anschlagbrett, wo die Zettel kleben, die an den grossen Wissenschafter gerichtet sind. Sicher, es ist schwierig, alles zu wissen.
Das Technorama in Winterthur jedoch lädt die Besucherinnen und Besucher ins Laboratorium eines der weltweit bekanntesten Wissenschafter ein: jenes von Albert Einstein, der vor einem Jahrhundert die Wissenschaft von Grund auf revolutionierte und damit das Weltbild veränderte.
«Was gilt als sein wichtigster Beitrag? Er wagte es, das Unmögliche zu denken. Und konnte es gar beweisen», sagt Michel Junge, Ausstellungs-Kurator. «Mein Gott, Einstein!»
Nachdenken über die Relativität
Das Technorama bietet die Möglichkeit, über die Relativitätstheorie nachzudenken, indem man Relativität auf einem laufenden Gleitband erlebt oder zuschaut, wie in der Dunkelheit eines Tunnels zwei Modelleisenbahn-Lokomotiven aufeinanderprallen – welche der beiden bewegt sich nun wirklich?
Die Ausstellung lädt auch ein, auf die Trägheit der eigenen Reaktionen zu achten, im Vergleich zur Geschwindigkeit des Lichts – dem Konzept, das in Einsteins Theorie die absolute Grösse, also den Bezugspunkt darstellt.
Für jene Besucher, die sich von der abstrakten Physik angezogen fühlen, sind im Technorama zwanzig Experimentier-Modelle aufgestellt, mit Hilfe deren man sich in die Quantenphysik, Lichtwellen oder in die Tiefen der Atome stürzen kann.
Wobei, um ehrlich zu sein, nicht alle Experimente für das Publikum leicht nachvollziehbar sein dürften.
Jüngere Schüler in Schwierigkeiten
«Einstein war ein Grundlagen-Wissenschafter», sagt Michel Junge. «Dank seiner Entdeckungen hat sich unsere Sicht des Universums erneuert.»
Einsteins Physik könne nicht sofort nachvollzogen werden, denn dahinter stecke Grundlagen-Arbeit. «Das Ziel der Ausstellungen ist der Versuch, unser Publikum an diese Konzepte von Einstein zu gewöhnen, und nicht, sie den Massen zu vermitteln.»
Laut dem Kurator ist die Ausstellung besonders für Mittelschüler vor der Matura interessant. «Jüngere Schüler haben offenbar mit dem Verständnis etwas Mühe, besonders wenn sie nicht von einer Fachperson begleitet sind.»
Um in diesem Bereich etwas Unterstützung zu geben, sind im «Laboratorium» Einsteins immer auch einige Mitarbeitende zugegen, die den Besuchern zur Seite stehen.
Einstein – die Persönlichkeit
Die Ausstellung im Technorama wird vervollständigt von einem Teil, der Einsteins Leben, Publikationen und den ihm zugeschriebenen bekannten Zitaten gewidmet ist. Denn dieser Wissenschafter ist dank seines unübersehbaren Looks im Laufe der Zeit zu einer Persönlichkeit mit eigener Marke geworden.
«Wissenschaft ist eine wunderbare Sache, solange man nicht davon leben muss», so ein Gedanke des Genies im Jahre 1951. Wissenschaft aber ist bei den Kindern, die die Ausstellung besuchen, sekundär. Sie sind offensichtlich eher von der Person Einsteins als von seinen komplizierten Experimenten angetan.
Das Anschlagbrett, über dem geschrieben steht «Sehr geehrter Herr Einstein», ist voll von Zetteln, auf denen die Jungen Fragen an das Genie stellen und Kommentare abgeben.
Dort finden sich neben einigen Komplimenten an ihn und einigen Gedankengängen seitens von Junior-Wissenschaftern zahlreiche Zettel mit ganz konkreten Fragen an Einstein: «Hallo! Wie machst du das denn mit deinen Haaren, dass sie immer so in einem wirren Schopf abstehen?», frägt ein Jüngelchen. «Gab es denn zu deiner Zeit schon Haar-Gel?»
swissinfo, Marzio Pescia, Winterthur
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle)
Die Sonderausstellung «Mein Gott, Einstein!» im Technorama in Winterthur dauert noch bis zum 12. März 2006.
Sie umfasst seltsame Aspekte aus dem Leben des Wissenschafters und zwei Dutzend Experimente, die unter anderem die Relativitätstheorie und den fotoelektrischen Effekt illustrieren.
Die grundlegende Charakteristik des Technoramas, das in seiner heutigen Form 1990 eröffnet wurde, ist die Interaktivität zwischen den Besuchern und den Ausstellungs-Objekten.
Das Technorama wird jährlich von rund 250’000 Personen besucht. Davon sind ein Viertel Schüler oder Studierende.
Den Lehrpersonen werden Kurse und didaktischer Support angeboten.
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