Kein Import von Stammzellen
Die neue Nationale Ethik-Kommission im Bereich Humanmedizin will von einem Vorpreschen nichts wissen: Sie lehnt es ab, mit einem Import embryonaler Stammzellen bereits jetzt Fakten zu schaffen. Zuerst müssten die ethischen Fragen wirklich diskutiert werden, so die Empfehlung.
Die Grundsätze sind klar: Die Schweiz verfügt zwar über ein rigides Embryonenschutz-Gesetz, doch der Import und die Forschung mit importierten embryonalen Stammzellen ist gesetzlich nicht verboten.
Diese Lücke wurde erst vor wenigen Monaten einer breiten Öffentlichkeit bewusst: Eine Genfer Forschungsgruppe hatte beim Nationalfonds, der Institution für staatliche Forschungs-Finanzierung, ein entsprechendes Gesuch eingereicht. Es ging dabei nicht um ein Ja oder Nein zum Projekt, sondern um finanzielle Unterstützung.
Der Nationalfonds war sich der Brisanz des Entscheides bewusst – er stellte das Projekt zurück mit dem Argument, darüber brauche es eine gesellschaftliche Debatte.
Diesen Freitag will der Stiftungsrat, das oberste Gremium des Nationalfonds, über das Gesuch diskutieren. Und genau zwei Tage vorher hat nun die neue Nationale Ethik-Kommission ihre Empfehlung veröffentlicht.
Noch keine inhaltliche Bewertung
«Stammzellen: Durch Import keine Fakten schaffen» – so bereits der klare Titel der Stellungnahme. Allerdings: «Die Kommission kritisiert nicht die Stammzellforschung. Sie anerkennt nachdrücklich, dass dieser Zweig wissenschaftlich und therapeutisch zu Hoffnungen Anlass gibt.»
Die Problematik der Stammzellen – vor allem, dass die Stammzellen teilweise aus abgetriebenen Embryos oder gar speziell dafür «hergestellten» Embryos gewonnen werden -, diese Problematik «soll in der Schweiz offen und vorurteilslos diskutiert werden können». Eine Diskussion, die eben erst am Anlaufen ist.
Um Monate verzögert
Es habe Kontakte gegeben zwischen dem Nationalfonds und der Ethik-Kommission, sagte deren Präsident, Christoph Rehmann-Sutter, gegenüber swissinfo. Doch die Kommission könne bloss Empfehlungen abgeben, die Entscheidung liege weiterhin beim Nationalfonds.
Will dieser die Mahnungen zu öffentlicher Debatte ernst nehmen, so werden sich die Entscheide um Monate verzögern. Einen Zeitpunkt will Rehmann-Sutter nicht nennen. «Wir müssen uns so viel Zeit nehmen, wie wir brauchen», betont er.
Dass die Zeit nicht drängt, ist übrigens nicht bloss die Meinung der Kommission. Der freisinnige Volkswirtschafts-Minister Pascal Couchepin betonte kürzlich in der «Weltwoche»: «In der Schweiz will niemand die Stammzellenforschung erlauben ohne vorherige intensive Diskussion. Diese Meinung teilen sowohl Generaldirektoren der Pharmaindustrie, mit denen ich gesprochen habe, als auch namhafte Forscher. Hier sind fundamentale moralische Werte betroffen.»
Bleibt also abzuwarten, ob sich der Nationalfonds am Freitag dieser Einschätzung anschliesst.
Eva Herrmann
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