Soziale Verantwortung ja – Sozialversicherungen nein
Unternehmen sollen ihre soziale Verantwortung stärker wahrnehmen und die Sozial-Versicherungen sollen nicht weiter ausgebaut werden. Dies sind die Haupt-Aussagen von Arbeitgeber-Präsident Fritz Blaser an der Mitglieder-Versammlung des Verbands vom Dienstag (26.06.) in Zürich.
Der Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, Fritz Blaser, ging in seiner Ansprache vor allem der Glaubwürdigkeits-Krise der Wirtschaft nach. Blaser erinnerte an die wirtschaftliche Stagnation in den 90er Jahren und die Welle von Restrukturierungen, Fusionen und Massenentlassungen.
Diese Massnahmen seien teilweise schlecht kommuniziert worden. Oft sei der Eindruck von börsen-gefälligen Hau-Ruck-Übungen entstanden. Nötig sei eine glaubwürdige Gegenstrategie, sagte Blaser und fügte hinzu: «Die Schere zwischen hohen und tiefen Einkommen darf nicht aufgehen, kurzfristige Gewinn-Maximierung darf nicht unternehmerische Maxime sein.»
In der Politik mitmischen
Die von einzelnen Exponenten der Wirtschaft unter dem Titel Neoliberalismus geforderte radikale Liberalisierung von Staat und Wirtschaft habe zu Verunglimpfungen geführt und den echten Anliegen des Liberalismus einen Bärendienst erwiesen.
Nötig sei es, für einen vertrauenswürdigen Liberalismus zu kämpfen, der das Feld nicht den Konservativen oder den Sozialisten überlasse.
Kritisierte Multis
Besonders kritisch setzte er sich mit den multinationalen Unternehmen auseinander. Die verbreitete Kritik an den Grossfusionen der «global players» habe einen ernsthaften Kern. Nicht nur seien viele solcher Megafusionen Misserfolge, sondern sie seien in der Kommunikation häufig auch schlecht begründet worden. Das Misstrauen der Bevölkerung sei deshalb sehr verständlich.
Zur Kontroverse über die Lohnexzesse sagte der Arbeitgeberpräsident: «Es wäre nicht nur wünschenswert, sondern für die Glaubwürdigkeit der grossen multinationalen Firmen zuträglich, wenn in diesem Bereich wieder die schweizerischen Tugenden der Zurückhaltung, Bescheidenheit und Fairness gepflegt würden.»
Mutterschutz nein
Im sozialpolitischen Teil seiner Rede warnte Blaser davor, wegen der besseren Konjunkturlage die nötigen Sparmassnahmen ausser Acht zu lassen. Jeder Ausbau der Sozialversicherung sei abzulehnen. Dies gelte auch für den Mutterschafts-Schutz.
swissinfo und Agenturen
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