Stabiles Hoch über den Alpen
Wer dieses Jahr in der Schweiz weisse Festtage erleben will, muss den Schnee in höheren Lagen suchen. Im Flachland ist für die nächsten Tage Nebel und nicht Schnee angesagt.
In den Schweizer Winterorten läuft das Festtagsgeschäft gut. Die Buchungslage ist etwa wie im Vorjahr. Das heisst, über die Neujahrstage sind die Orte praktisch ausgebucht.
Das kräftige und stabile Hochdruckgebiet mit Kern über der Nordsee bestimmt weiterhin das Wetter im Alpenraum. Schnee liegt in den Deutschschweizer Voralpen und in den Alpen nur in Lagen oberhalb von etwa rund 1000 Metern über Meer.
Elm im Glarnerland hat auf einer Höhe von 1000 Metern zehn Zentimeter Schnee. In Gstaad im Berner Oberland sind es auf einer Höhe von 1050 Metern rund sieben Zentimeter Schnee.
Adelboden meldet auf 1200 Metern eine Schneehöhe von 25 Zentimetern. Arosa im Kanton Graubünden hat auf einer Höhe von 1840 Meter 21 Zentimeter Schnee.
In Ulrichen im Wallis werden auf 1350 Metern Höhe 18 Zentimeter Schnee und in Blatten auf einer Höhe von rund 1500 Metern 22 Zentimeter Schnee gemessen.
Festtagsgeschäft läuft
Im Flachland sorgt einzig der Reif an den Bäumen vor allem in den Nebelrandgebieten für etwas weisse Stimmung. Die Statistik von MeteoSchweiz zeigt, dass grüne Weihnachten im Mittelland häufiger vorkommen als weisse.
In den vergangenen 75 Jahren lag in Bern nur in 43% und in Zürich nur in 44% der Jahre an mindestens einem der Weihnachtstage mindestens ein Zentimeter Schnee.
Wirklich weisse Weihnachten mit Schnee an Heiligabend bis zum Stefanstag gab es in Bern und Zürich sogar lediglich in 27% der Jahre.
Frau Holles Untätigkeit vermag den Tourismusorten jedoch das Festtagsgeschäft nicht zu vermiesen. Die Buchungslage ist gut, Annullierungen sind vor allem von ausländischen Touristen kaum zu erwarten.
Wie Edith Zweifel, Sprecherin von Schweiz Tourismus sagte, bewegen sich die Buchungen etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Allgemein herrsche Zuversicht.
Nicht nur Skifahren
Zum Jahreswechsel wird es für Kurzentschlossene damit schwierig, noch eine Unterkunft zu finden. Vor allem für diejenigen, die sich so richtig verwöhnen lassen wollen. Luxushotels seien nämlich praktisch ausgebucht, sagte Zweifel.
Genauso sehe es bei Ferienwohnungen aus. Wer hofft, bei Annullierungen in die Bresche springen zu können, könnte dagegen ebenfalls enttäuscht werden.
Wie Zweifel weiss, sind Gäste, die über Weihnachten und Neujahr Ferien machen, meistens treu: «Sie buchen häufig von Jahr zu Jahr und kommen auch, wenn es nicht so viel Schnee hat.»
Ausserdem lasse sich beobachten, dass immer mehr Touristen nicht nur in die Berge fahren, um Wintersport zu treiben. Man gehe auch baden, mache Wellness oder eine Schneeschuhwanderung.
Eine Umfrage zwischen 2004 und 2006 im Waadtländer Skigebiet Villars-Gryon habe gezeigt, dass jeder vierte Gast überhaupt nicht Ski fahre.
Inversion
Der Hochnebel ist am Sonntag und Montag über dem ganzen Schweizer Mittelland hartnäckig liegengeblieben. Erstmals wurde in diesem Winter am Sonntagmorgen so genannter Industrieschnee in Teilen Zürichs beobachtet.
Eine markante Inversionslage sorgt in der Höhe für milde Temperaturen. Die Messstationen von MeteoSchweiz haben am Sonntag und Montag zwischen dem Bodensee und dem Genfersee keinen Sonnenschein registriert.
Weil der Hochnebel auch in die Voralpentäler hinein drang, wurde auch in Vaduz und Altdorf die Sonne über die Weihnachtstage nicht gesehen. Die Obergrenze der Hochnebeldecke lag auf 1000 Metern.
Laut MeteoSchweiz zeichne sich ab, dass sich das Hoch etwas abschwäche. Und wenn es auch keinen Schnee bringt, so hat dieses Hoch doch auch sein Gutes: Es sorgt nämlich in den Bergen weiterhin für Sonnenschein und milde Temperaturen. Wer also in die Höhe fährt, kann zumindest dem nebligen Grau im Mittelland entfliehen.
swissinfo und Agenturen
Gemäss Bundesamtes für Statistik (BFS) gaben ausländische Gäste (inklusive Kurzaufenthalter) im Jahr 2005 in der Schweiz 13,7 Mrd. Franken aus, 621 Millionen mehr als ein Jahr zuvor (+4,7%).
Die Ausgaben von Schweizer Reisenden im Ausland: 11,6 Mrd. Franken. Daraus resultiert ein Aktivsaldo der Fremdenverkehrsbilanz von 2,2 Mrd. Franken.
2006 war das fünftwärmste Jahr seit Messbeginn im Jahre 1861. Nur in den Jahren 1994, 2000, 2002 und 2003 war es in der Schweiz wärmer.
Experten sehen in den milden Temperaturen die Folge der Erderwärmung wegen der Emission von Treibhausgasen durch Industrie, Kraftwerke und Autos.
Die Erwärmung hat bereits zu Gletscherschwund geführt, namentlich in der Schweiz. Sie könnte auch das Risiko von Erdrutschen und Überschwemmungen erhöhen.
Die Klimaveränderungen und hier der Schnemangel bedrohen die Zukunft der tiefergelegenen Skiorte. Laut der OECD-Studie lehnten es Schweizer Banken bereits ab, Skianlagen unterhalb von 1500 Metern mit Krediten zu finanzieren.
Inversionslagen über mehrere Tage treten vor allem in den Wintermonaten bei stabilem und eher windschwachem Wetter auf (Hochdrucklagen).
Dabei lagert eine wärmere Luftschicht über einer kalten, schwereren Bodenluft.
Bei einer solchen stabilen Schichtung der Atmosphäre spricht man von Inversion, da die Lufttemperatur mit der Höhe zu- statt abnimmt.
An der Grenze zwischen den beiden Luftmassen bildet sich oft eine Nebelschicht.
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