Warum die Schweiz die Expo.02 nötig hat
Am 15. Mai 2002 wird die Expo.02, die schweizerische Landesausstellung, ihre Tore öffnen. Das Ereignis sorgt schon jetzt für ebenso viel positive Aufregung wie negative Kritik. Der künstlerische Direktor, Martin Heller, zieht Bilanz seiner bisherigen Expo-Erfahrung und stellt fest: "Die Schweiz braucht die Expo.02."
Eine Landesausstellung ist eine Gelegenheit, um über das Land nachzudenken, um über dessen Identität und dessen Zukunft zu reflektieren. Sie ist eine Leistungsschau, an der sich Wirtschaft, Kultur und Forschung präsentieren. Wo also steht die Schweiz? Wo will sie hin?
Martin Heller, künstlerischer Direktor der schweizerischen Landesausstellung Expo.02, empfand die Schweiz in den letzten Monaten als masslos, was die Erwartungen an die Expo.02 betrifft. Alle Hoffnungen würden in die Expo gesetzt. Zugleich sei sie aber risikolos und empfindlich, meinte er gegenüber swissinfo. «Im Allgemeinen tut sie sich schwer mit etwas Neuem, mit einem Experiment.»
Natürlich gäbe es Ausnahmen, aber charakteristisch sei eine gewisse Reserviertheit. «Vor allem bei den strategischen Meinungsmachern – Leuten aus der Politik und Wirtschaft – stört mich dies», sagt Heller. «Denn gerade bei diesen erwarte ich als Expo-Chef, aber auch als Bürger dieses Landes eine strategische Vision.»
37 Ausstellungen auf vier Arteplagen
Obwohl die Vorbereitungen für die Expo.02 unter einem schlechten Stern standen und die Unterstützung noch heute seitens der Wirtschaft und der Politik bescheiden ist, nimmt die schweizerische Landesausstellung zunehmend konkrete Formen an. Sie entwickelt sich zu einem vielversprechenden Projekt, das mit Spannung erwartet werden darf.
Die Expo.02 wird im französischsprachigen Dreiseen-Land stattfinden. An den Ufern des Bieler-, Murten- und Neuenburgersees werden vier Ausstellungsgelände, sogenannte Arteplagen, gebaut. Eine fünfte, mobile Arteplage entsteht im Kanton Jura. Jede Arteplage ist eine architektonische Sehenswürdigkeit und einem bestimmten Thema gewidmet, wobei stets der Mensch als Individuum im Mittelpunkt steht.
Im Jura heisst das Thema «Sinn und Bewegung». Dabei geht es um die rebellischen Seiten des Menschen. Diese mobile Arteplage kommt in der Form eines modernen Piratenschiffes daher und wird auf allen drei Seen für «Unruhe» sorgen. Auf dem Bielersee wird der «Macht und Freiheit» nachgegangen. Fragen zu den menschlichen Werten, um das Individuum und die Gesellschaft werden gestellt.
In Murten bestimmen «Augenblick und Ewigkeit» die Ausstellungen. Auf Spaziergängen auf der Arteplage wie auch durch die Stadt Murten sind Begriffe wie Zeit und Ort neu zu erfahren. Am Neuenburgersee schliesslich können Besucherinnen und Besucher in Beziehung zur Natur, zur Technik und zur Künstlichkeit treten sowie ihren Körper, ihre Begehren und ihre Empfindlichkeiten kennenlernen. Die Arteplage «Natur und Künstlichkeit» ist in Neuenburg angesiedelt, während in Yverdon-les-Bains «Ich und das Universum» steht.
Insgesamt werden 37 Ausstellungen auf den fünf Arteplagen zu sehen sein. Eine Vielfalt an Veranstaltungen – Tanz, Theater, Musik, Film, Multimedia und Zirkus – auf und zwischen den Arteplagen sind geplant und sollen die Landesausstellung in ein riesiges Fest verwandeln. «Erfolgreich ist die Expo dann, wenn die Besucherinnen und Besucher mit glänzenden Augen nach Hause gehen und über den Besuch hinaus etwas in Erinnerung behalten», meint Martin Heller.
Schweiz hat Expo nötig
Die Landesausstellung ist ein einzigartiges Projekt. Kaum ein anderes Vorhaben in der Schweiz vereint auf derart intensive Weise Kultur, Politik und Wirtschaft. «Es ist meine Aufgabe, die drei Pfeiler der Gesellschaft zu einer produktiven Zusammenarbeit zu bringen», sagt der künstlerische Direktor der Expo. «Damit hat die Schweiz noch kaum Erfahrung.» Oft gäbe es Kommunikationsschwierigkeiten, beschreibt Heller seine Arbeit. «Dann muss ich den einen erklären, welche Rolle die anderen spielen.»
Carole Gürtler
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