Zahl der Drogentoten nimmt wieder zu
In der Schweiz sind im ersten Semester 2000 mehr Menschen am Konsum harter Drogen gestorben als in der gleichen Periode des Vorjahrs. Die Zahl der Drogentoten nahm um zwölf auf 85 zu, wie eine AP-Umfrage in allen Kantonen ergab.
Am deutlichsten war der Anstieg in der Stadt Zürich.
Erstmals seit 1995 nahm die Zahl der Drogentoten im Semestervergleich im ersten Halbjahr 2000 wieder zu, und zwar gleich um gut 16 Prozent. Auffallend ist der Anstieg in der Stadt Zürich, wo 15 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums starben – acht mehr als während der Vergleichsperiode des Vorjahres.
In acht Kantonen gab es keine Drogenopfer zu beklagen, wobei Appenzell-Innerrhoden, Basel-Landschaft, Nid- und Obwalden sowie Uri bereits im ersten Halbjahr 1999 keine Drogentoten gezählt hatten. In den Kantonen Glarus, Graubünden und Jura ging die Zahl auf null zurück. Eine Abnahme verzeichneten zudem die Kantone Basel-Stadt, Neuenburg, und Tessin; in Basel-Stadt ging die Zahl der Opfer um vier auf sieben zurück.
Elf Kantone meldeten eine Zunahme. Im ganzen Kanton Zürich starben 22 Menschen am Konsum harter Drogen, sieben mehr als während der Vergleichsperiode des Vorjahres. 13 Opfer (plus zwei) zählte der Kanton Bern. Genf registrierte eine Zunahme um drei auf fünf Opfer, wobei die Zahlen diesesJahres erst bis Ende Mai aufdatiert sind.
Weitere Reduktion der Drogenopfer als Ziel
Seit Mitte der 90-er-Jahr nahm die Zahl der Drogenopfer in der Schweiz kontinuierlich ab. Während 1990 und 1991 mehr als 400 Menschen an den Folgen des Drogenkonsums starben, waren es letztes Jahr 179. Das Ziel sei, die Zahl der Opfer weiter zu reduzieren, sagte Georg Amstutz, Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) auf Anfrage. Die Zunahme der Opfer im ersten Semester sei schwer zu interpretieren, möglicherweise liege die Differenz im Rahmen der normalen Schwankungen.
Als wichtige und erfolgreiche Massnahme bezeichnete er die ärztliche Heroinverschreibung. In praktisch allen Nachbarländer steige die Zahl der Drogentoten an, während in der Schweiz trotz des Ausreissers im ersten Halbjahr 2000 eine abnehmende Tendenz festzustellen sei. Insgesamt gibt es in der Schweiz rund 1’000 Behandlungsplätze in Heroinprogrammen. Den mittelfristigen Bedarf bezifferte Amstuz auf 1’200.
In den Heroinprogrammen erhalten die Drogenkonsumenten medizinische Hilfe, werden von Sozialarbeitern betreut und erhalten psychologische Unterstützung. Für die Programmegelten laut Amstutz strenge Aufnahmebedingungen. «Die Konsumenten müssen mindestens seit zwei Jahren abhängig sein, im Minimum zwei Versuche unternommen haben, von der Droge wegzukommen, 18 Jahre oder älter sein und in medizinischer, sozialer oder psychischer Hinsicht Defizite aufweisen, die auf den Drogenkonsum zurückzuführen sind», sagte er.
Weiche Drogen im Vormarsch
Die Zahl der Konsumenten von harten Drogen blieb laut Angaben des BAG in den letzten Jahren konstant. Von 1994 bis 1997 konsumierten zwischen zwei und vier Prozent der 17- bis 30-jährigen harte Drogen. In der Gruppe der 31- bis 45-jährigen waren es konstant rund zwei Prozent. Dagegen befanden sich die weichen Drogen wie Cannabis auf dem Vormarsch. In der jüngeren Altersgruppe stieg der Anteil der Drogen-Konsumenten von 22 auf 33 Prozent, in der älteren Gruppe von 15 auf 22 Prozent.
swissinfo und Agenturen
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