Zeugen der SchweizerIndustrie-Kultur
Leerstehende Fabrikhallen sind zwar in Mode, gelten aber selten als schützenswerte Denkmäler.
Dank dem Schweizer Heimatschutz sind aber nun Industrie-Kultur-Güter elektronisch abrufbar. 1991 wurden nach Umfragen bei allen Schweizer Gemeinden 3’300 Objekte erfasst. Rund 300 davon können neu mit Fotografie und Luftaufnahme abgerufen werden.
Das Inventar der schützenswerten Industrie-Kulturgüter der Schweiz (ISIS) kam dank Unterstützung des Schweizer Heimatschutzes zustande. Mit der Publikation des ISIS will die Schweizerische Gesellschaft für Technikgeschichte und Industrie-Kultur (SGTI) die Industrie ins öffentliche Bewusstsein rücken.
«Die Objekte sind Zeugen der Produktion. Es handelt sich um Bauten aber auch um ihre Umgebung, Fabriken, Kanäle, Stauseen, aber auch um Maschinen, Turbinen und Zeugen des Transports wie Häfen, Strassen, Bahnlinien und Verkehrsmittel», sagt SGTI-Geschäftsleiter, Hans-Peter Bärtschi.
Seltenheitswert als Kriterium
Die meisten der erfassten Güter stammen aus den letzten 200 Jahren. Einige davon gehen laut Hans-Peter Bärtschi aber bis ins Mittelalter oder gar bis in die Römerzeit zurück.
Um als schützenswert zu gelten, muss ein Industrie-Objekt möglichst original sein und in einem Zusammenhang stehen. «Es muss sich aber auch durch einen historischen Wert auszeichnen, sowohl technisch wie auch wirtschaftlich. Und auch die Seltenheit spielt natürlich eine wichtige Rolle», sagt der SGTI-Geschäftsleiter.
Am besten sei es, wenn die Produktions-Objekte weiterhin produktiv genutzt würden, sagt Hans-Peter Bärtschi. Andere würden in Wohn- oder Lageraum umgenutzt. Selten sei die Umfunktionierung in ein Museum, denn das sei kostspielig.
Übersicht bis 2012
Eine vollständige Übersicht über die schützenswerten Industrie-Kulturgüter fehlt in der Schweiz. Die Schweiz sei auf diesem Gebiet ein Entwicklungsland, sagt der Experte Bärtschi. Ab 2002 werden die Regionen systematisch inventarisiert. «Wir beginnen mit dem Kanton Graubünden. Jede Region dauert ein Jahr, bei 10 Regionen läuft das Projekt also noch bis 2012.»
Gaby Ochsenbein
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