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Zwischen Kulturen vermitteln

Alle sind zufrieden an der Feier zum Abschluss des Kurses in Langenthal. ZVG

Für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen der ausländischen und schweizerischen Bevölkerung werden hierzulande immer mehr Kurse für Sprach- und KulturvermittlerInnen (EAK) angeboten. Sie sollen helfen, Konflikte zu lösen und Brücken zwischen den Kulturen zu bauen.

Knapp 1,4 Mio. Ausländerinnen und Ausländer leben in der Schweiz. Dies entspricht einem Anteil von 19,4% an der gesamten Wohnbevölkerung. In einer multikulturellen Gesellschaft seien Probleme Alltag, erklärt Marcela Schwarz, Leiterin des Kurses «Elternarbeit im eigenen Kulturkreis» in Langenthal (BE), gegenüber swissinfo.

Sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden

«Im Umgang mit Institutionen wie Schulen, Verwaltungen, Behörden oder auch im privaten Bereich haben Ausländerinnen und Ausländer wegen sprachlichen und kulturellen Barrieren oft grosse Schwierigkeiten», sagt Schwarz. Missverständnisse und Unverständnis seien an der Tagesordnung.

«14 Ausländerinnen und Ausländer nehmen jeweils am Kurs teil. Die meisten davon sind Frauen und kommen vor allem aus Bosnien, Kroatien, der Türkei, Sri Lanka, Italien, Spanien und Südamerika», präzisiert Marcela Schwarz, eine gebürtige Chilenin, die seit 19 Jahren in der Schweiz lebt.

Sie alle werden in zwei sechsmonatigen Lehrgängen zu Sprach- und Kultur-Vermittlerinnen und -vermittler ausgebildet. «So werden die Ressourcen von bereits integrierten Migrantinnen und Migranten genutzt, denn sie können ihr Wissen, das sie sich durch eigene Erfahrungen und im Kurs angeeignet haben, an ihre Landsleute weitergeben.»

…und Missverständnisse aufklären

Eine Kursteilnehmerin berichtet, sie habe selber erfahren, wie Missverständnisse zwischen den Kulturen entstehen können: «Ich habe mich gegen das schulische Angebot gewehrt, mein Kind in den mathematischen Förder-Unterricht zu schicken. Wir dachten, es handle sich um einen Nachhilfe-Unterricht, da es in unserer Heimat keine spezielle Förderung für begabte Kinder gibt.»

In solche Fällen sei es wichtig, dass Menschen, die beide Kulturen kennen, ihre Landsleute auf die Unterschiede aufmerksam machten und Informationen anbieten könnten, meint Schwarz. «Meistens sind Eltern betroffen, die in der Zusammenarbeit mit Schulen und Behörden Unterstützung brauchen.»

Weniger Erfolg in der Schule

Ausländische Schüler und Schülerinnen haben, so zeigt beispielsweise eine Studie in Zürich, allgemein weniger Schulerfolg als Einheimische. In den Lehrgängen mit niedrigem Niveau seien beinahe nur noch ausländische Kinder anzutreffen. Als Grund nennen die Lehrkräfte die «fehlende Basis» von vielen Immigranten-Kindern.

Nicht alle Schulkinder hätten die gleichen Voraussetzungen, weil Eltern teilweise die Sprache nicht verstünden. Die Schwellenangst hinderten viele fremdsprachige Eltern daran, direkten Kontakt zur Schule zu haben. «Wichtig war immer wieder die Frage des Gesichtverlustes», berichtet Schwarz. «Die Angst davor ist häufig der Grund, weshalb viele Eltern nicht wagen, an einem Elternabend zu melden, dass sie den Dialekt nicht verstehen.»

Die Idee trägt Früchte

In der Schweiz werden immer mehr Lehrgänge für Sprach- und KulturvermittlerInnen angeboten. Die meisten Kurse werden von lokalen Behörden und Institutionen organisiert und finanziert.

«Alle, die bis zum Kursende dabei geblieben sind, verfolgen bereits eigene Projekte: Deutschkurse für Landsleute, die Vorstellung von EAK in den Schulen, damit auch Lehrer das Angebot kennen, Informationsvermittlung über das Schulsystem für Landsleute usw.», freut sich Kursleiterin Marcela Schwarz.

Alina Kunz Popper

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