Zürich rüstet Wasserversorgung für Hitzewellen und Klimawandel
Hitze und Trockenheit haben das Zürcher Trinkwasser in den Fokus gerückt. Die Versorgung für rund eine Million Menschen soll mit einem Masterplan auch für die kommenden Jahrzehnte gesichert werden.
(Keystone-SDA) Hitzewellen, sinkende Reserven und drohende Trockenheit beschäftigen in diesem Sommer viele Schweizer Gemeinden. Auch im Kanton Zürich haben etliche Gemeinden die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen. In der Stadt Zürich sowie in den 67 mit der städtischen Wasserversorgung verbundenen Gemeinden wird das Wasser in nächster Zeit jedoch kaum ausgehen.
Um dies auch bei wachsender Bevölkerung, steigenden Verbrauchsspitzen und klimatischen Veränderungen zu erhalten, hat die Stadt Zürich am Donnerstag ihr neues Generelles Wasserversorgungsprojekt (GWP) vorgestellt. Dieser Masterplan legt die strategische Entwicklung bis ins Jahr 2040 fest und wagt einen Ausblick bis 2070. Die erste Analyse zeigt, dass die Produktionskapazitäten zwar grundsätzlich genügen, die Infrastruktur aber gezielt erneuert werden muss.
Der Zürichsee bleibt das Rückgrat
Der wichtigste Faktor für die Stabilität des Zürcher Systems ist der Zürichsee. Dieser liefert rund 70 Prozent des benötigten Trinkwassers für die Stadt. Das Wasser wird dabei in einer Tiefe von 35 Metern gefasst. Der zuständige Stadtrat Michael Baumer (FDP) sprach vor den Medien von einem grossen Glück: «Der See ist ein äusserst sicheres Reservoir, das auch in heissen Sommern sehr viel Wasser trägt.»
Dennoch liessen die Behörden im Vorfeld prüfen, ob für den Notfall eine unabhängige Wasserressource erschlossen werden sollte. Die Idee, Grundwasservorkommen im Norden der Stadt zu nutzen, wurde jedoch verworfen. Eine Risikoanalyse kam zum Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Ausfalls des Zürichsees als Trinkwasserressource äusserst gering ist. Zudem wäre die Erschliessung einer solchen Alternative finanziell kaum tragbar gewesen. Auch aktuelle Herausforderungen wie die Quagga-Muschel oder chemische PFAS-Rückstände lassen sich laut den Verantwortlichen mit der bestehenden Technik beherrschen.
Millionen für alte Anlagen
Handlungsbedarf ortet der Masterplan dafür bei den Verteilnetzen und Produktionsanlagen. Die kapitalintensive Infrastruktur hat teilweise ein hohes Alter erreicht. Gewisse Leitungen sind bereits seit hundert Jahren im Einsatz und müssen zwingend ersetzt werden, da sonst vermehrt Rohrbrüche drohen. Pro Jahr ist deshalb gemäss der Planung der Ersatz von rund 25 Kilometern an städtischen Rohrleitungen vorgesehen. Hinzu kommt als weitaus grösseres Projekt der teilweise Ersatz der 30 Kilometer langen Quellwasserleitung aus dem Sihl- und Lorzental.
Die grössten baulichen Massnahmen betreffen aber die Produktionsanlagen. Gemäss den präsentierten Plänen soll das Seewasserwerk Moos komplett neu gebaut und um das Jahr 2040 in Betrieb genommen werden. In der Folge ist die Instandsetzung und Modernisierung des zweiten Seewasserwerks Lengg geplant. Um die Wasserversorgung auch bei Ausfällen noch besser abzusichern, stehen zudem mehrere Reservoir-Neubauten an.
Steigender Verbrauch und Gebühren
Die kontinuierliche Erneuerung der Leitungen und Werke wird in den kommenden Jahrzehnten viel Geld verschlingen. Die Stadt rechnet jährlich mit Ausgaben für Ersatzinvestitionen im Rahmen von 35 bis 45 Millionen Franken. Dies dürfte den Eigenfinanzierungsgrad der Wasserversorgung deutlich senken. Langfristig zeichnet sich deshalb eine Erhöhung der Wassergebühren ab, um weiterhin eine kostendeckende Finanzierung zu gewährleisten.
Letztlich muss sich die Wasserversorgung Zürich künftig auch auf einen höheren Trinkwasserbedarf einstellen. Nachdem der Verbrauch seit den Achtzigerjahren aufgrund des industriellen Rückgangs tendenziell gesunken oder stagniert war, erwarten die Planer nun wieder einen moderaten Anstieg. Gründe dafür sind die fortschreitende Verdichtung in der Region sowie das stetige Bevölkerungswachstum. Lag der höchste Tagesverbrauch im aktuellen Jahr bei 242’000 Kubikmetern, rechnet der Masterplan für das Jahr 2040 an Spitzentagen mit einem Verbrauch von rund 300’000 Kubikmetern.