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"Das Fräulein" erobert die Herzen Sarajevos


Nach dem goldenen Leoparden von Locarno gewinnt Andrea Stakas Film "Das Fräulein" auch den Hauptpreis des Sarajevo Filmfestivals (Heart of Sarajevo). Auch die Auszeichnung für die beste Darstellerin geht an "Das Fräulein".

Der von der Schweiz unterstützte Dokumentarfilm-Wettbewerb mit seinem Menschenrechtspreis war ein weiterer Höhepunkt des Festivals.

"Ich liebe diesen Film! Die Geschichte ist berührend und die Schauspielerinnen sind grossartig. Ein wunderbares Erstlingswerk", schwärmt die bosnische Journalistin Marinela Domancic, der beim Verlassen des Kinosaals eine dicke Träne über die Wange kullert.

Sie ist mit ihrer Begeisterung für den Film der jungen Schweizerin mit bosnisch-kroatischen Wurzeln nicht allein. "Das Fräulein" hat den Spielfilm-Wettbewerb des 12. Sarajevo Filmfestivals (SFF) eröffnet und blieb während der ganzen Woche eine der meist genannten Anwärterinnen auf den Hauptpreis.

Andrea Stakas Heimspiel

Die Vorführung ihres Films besuchte Andrea Staka in Begleitung ihrer aus Sarajevo stammenden Mutter und zahlreicher weiterer Familienmitglieder und Freunde. Bei der stimmungsvollen Abschlusszeremonie des Festivals eine Woche später wurde zuerst die Bosnierin Marija Skaricic, die im Film die jüngste der drei Frauen spielt, unter tosendem Applaus zur besten Darstellerin erkoren.

Als Andrea Staka dann die "Heart of Sarajevo" genannte herzförmige Trophäe für den besten Spielfilm entgegen nehmen durfte, war der Triumph des "Fräuleins" perfekt. "Es war halt ein Heimspiel für Andrea Staka", lacht Susann Rüdlinger, die Koproduzentin des Films.

Auch Andrea Staka strahlt: "Sarajevo ist eine Stadt mit einer grossen kinematografischen Kultur und einem tollen Festival, das macht den Preis zu etwas besonderem. Zudem ist Sarajevo meine zweite Heimat, hier sind meine Wurzeln. Deshalb ist diese Auszeichnung wie ein Geschenk für mich."

"Die Preise von Locarno und Sarajevo eröffnen dem Film hervorragende Chancen für den internationalen Vertrieb", blickt Susann Rüdliger bereits erwartungsvoll in die Zukunft.

Schweiz fördert Dokumentarfilmschaffen

Zu den ersten Gratulanten gehörte der Schweizer Filmemacher Peter Liechti. Er war als Jurypräsident des Dokumentarfilmwettbewerbs am Festival. Obwohl sein neuester Film "Hardcore Chamber Music" demnächst anläuft und er bereits am nächsten Projekt arbeitet, liess er sich die Reise nach Sarajevo nicht nehmen: "Ich kenne kein Filmfestival mit einer vergleichbaren Stimmung. Obwohl es seit meinem ersten Besuch vor bald zehn Jahren sehr gewachsen ist, konnte es seine familiäre Atmosphäre und kreative Energie bewahren."

Seine Jury vergab den Preis für den besten Dokumentarfilm und eine Auszeichnung für den Film, der das Thema Menschenrechte am besten behandelt, beide vom Schweizer Aussendepartement gestiftet. "Das Sarajevo Filmfestival und die Schweiz verbindet eine langjährige, enge Partnerschaft", erklärt Didier Chassot, Diplomat bei der Schweizer Botschaft in Sarajevo.

"Das Hauptziel des Preises ist es, die Menschenrechte in einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu thematisieren", begründet Chassot das Schweizer Engagement.. Die Menschenrechtslage in Bosnien-Herzegowina sei nach wie vor problematisch, vor allem in den Bereichen Rückkehr der Flüchtlinge, Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und soziale Rechte.

"Die Kultur und allen voran der Film haben sich als sehr geeignete Mittel erwiesen, die Leute für die Menschenrechte zu sensibilisieren", sagt Chassot weiter. Deshalb sponsert die Schweiz nicht nur das Preisgeld, sondern finanziert auch die Ausstrahlung der Siegerfilme im bosnischen Fernsehen.

Menschenrechtspreis an "Vukovar"

Der Menschenrechtspreis ging dieses Jahr an den Film "Vukovar – Final Cut" des Serben Janko Baljak. Vukovar war im Krieg eine besonders erbittert umkämpfte Stadt in Kroatien.

"Der Film überzeugt durch seine Ehrlichkeit und Menschlichkeit sowie seine gründliche, ausgeglichene Recherchen", begründet das Jurymitglied Irene Bignardi, ehemalige Direktorin des Filmfestivals von Locarno die Wahl.

"Vukovar – Final Cut" ist eine serbisch-kroatische Koproduktion. Die Vielzahl von Filmen, die in grenzüberschreitender Zusammenarbeit entstanden sind, ist ein ermutigendes Zeichen für die Region.

swissinfo und Reto Aschwanden, InfoSüd

Sarajevo Filmfestival

Die 12. Ausgabe des "Sarajevo Film Festival" (SFF) fand vom 18. bis 26. August 2006 statt.

Der mit 40'000 Franken dotierte Hauptpreis (Heart of Sarajevo) ging an "Das Fräulein" der Schweizer Regisseurin Andrea Staka.

Die Hauptdarstellerin Marija Skaricic erhielt zudem den Preis der besten Darstellerin im Wert von 4000 Franken.

"Das Fräulein" hatte in Locarno bereits den "Goldenen Leoparden" geholt.

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)finanzierte in Sarajevo zwei Wettbewerbe mit jeweils 4700 Franken.

In der Kategorie "Bester Dokumentarfilm" wurde Ivona Janka für "Sto sa sobom preko dana" ("Facing the Day") geehrt.

Der Menschenrechts-Preis ging an Janko Baljak aus Serbien für "Vukovar - Poslednji Rez" ("Vukovar - Final Cut").



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