"Chlapf a Gring" für Ogi

Der UNO-Sports-Botschafter und Ex-Bundespräsident darf nicht ins IOC einziehen. Keystone Archive

Die Nichtwahl des Ex-Bundesrates und UNO-Sport-Botschafters Adolf Ogi als Delegierter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird in der Schweizer Presse zwar nicht goutiert, aber meist verstanden. Im internationalen Blätterwald hingegen war "Dölf" überhaupt kein Thema.

Dieser Inhalt wurde am 17. Juli 2001 - 10:48 publiziert

"Olympische Absage an Ogi" titelt der TAGES-ANZEIGER am Dienstag (17.07.), "Chlapf a Gring" die BERNER ZEITUNG und die NEUE LUZERNER ZEITUNG. LE TEMPS schreibt von "une gifle formidable", einer schallende Ohrfeige. BLICK verkündet sogar in grossen Lettern: "Ogi weinte".

Warum der ehemalige Schweizer Sportminister nicht gewählt wurde, erklärt das Massenblatt so:

"Das fiese Spiel der IOC-Schweizer ... Vier der fünf Schweizer, die schon IOC-Mitglieder sind, haben ihn im Stich gelassen. ... Sie haben das Wahl-Klima ungünstig beeinflusst."

Diese Spur greift auch die BERNER ZEITUNG auf:

"Ohne dass er es ausdrücklich sagen will, störte sich Ogi ... an drei Dingen: dass Fasel im Vorfeld der Wahl erklärte, es seien zuviele Schweizer im IOC, dass Kasper sagte, Ogis Nichtwahl wäre kein Weltuntergang, und dass Blatter vorzeitig erklärte, eine Wahl ... wäre antikonstitutionell für das IOC."

Der TAGES-ANZEIGER will die Weinerlichkeiten aber nicht unterstützen:

"Nüchtern betrachtet ist Ogis Misserfolg ... durchaus nachvollziehbar. ... Der sechste Schweizer war einer zu viel, und er hiess - zufällig - Ogi. ... Es war der Protest gegen ein Land, das sich in der globalen Sportpolitik schon jetzt ein überdurchschnittlich grosses Stück vom Kuchen abgeschnitten hat."

Das sieht auch der BUND so:

"Die Mehrheit der IOC-Mitglieder wollte keinen neuen Schweizer. ... Zudem dürfte der international angeschlagene Ruf unseres Landes den Anti-Schweiz-Reflex zumindest nicht abgeschwächt haben."

Die AARGAUER ZEITUNG sieht als möglichen Grund für die Absage:

"Wenns um die Rosinen geht, sind die Schweizer schnell bei der Sache. Doch bei unangenehmeren Dingern begnügen sie sich gerne mit der Rolle des neutralen, unbeteiligten Zuschauers."

Die Ogi-Nichtwahl schaffte es in der Schweiz auf jede Frontseite. Im Ausland hingegen schlug das Debakel zu Moskau keine Wellen. In keiner der renommierten angelsächsischen Zeitungen fand sich der ehemalige Bundespräsident Ogi. Der englische GUARDIAN titelt zwar:

"Claims of foul play as IOC chief bows out",

dabei geht es aber um den abgelehnten südkoreanischen Kandidaten Kim Un-Yong, der sich noch kurz vor der Wahl mit 50'000-Dollar-Geschenken die Wahl sichern wollte. Zudem wird bemängelt, dass der Ex-Falangist Juan Antonio Samaranch noch schnell seinen Sohn ins IOC hievte. Kein Wort von Adolf Ogi.

Einige deutsche Zeitungen druckten wenigstens die Meldung der Deutschen Presse Agentur (DPA), in der die Nichtwahl Ogis zumindest erwähnt wurde.

Nur am Ort des Geschehens, in der russischen Hauptstadt, war Ogi ein Thema. Die Online-Ausgabe von UTRO meldete, Adolf Ogi sei ins IOC gewählt worden.

Philippe Kropf

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