"Mein Herz bleibt in der Schweiz"

Marlise Etienne, Journalistin und Geschäftsfrau. (collection privée)

Die Journalistin Marlise Etienne führt seit über zehn Jahren das Hotel El Palacio auf Ibiza. Sie erzählt von ihrem ungewöhnlichen Lebensweg, der sie vom Schreiben zur Hotellerie, von den Ufern des Seelands auf die Balearischen Inseln geführt hat.

Dieser Inhalt wurde am 02. Juli 2007 - 13:37 publiziert

Etienne, in Biel geboren und zweisprachig aufgewachsen, pendelt zwischen ihrer Heimatstadt und dem Touristenort Ibiza.

Bis Mitte der 1990er-Jahre war Etienne Mitinhaberin des Büro Cortesi, das 1965 vom Filmemacher Mario Cortesi gegründet wurde. Sie arbeitete hauptsächlich als Journalistin und Redaktorin der zweisprachigen Wochenzeitung Biel-Bienne.

Der Wendepunkt in ihrer Karriere - wie in ihrem Leben - trat 1995 ein, als die Bielerin die Direktion des Hotels El Palacio auf Ibiza übernahm.

Dieses historische Gebäude in der Altstadt von Ibiza, am Fuss des Schlosses gelegen, wurde 1986 vom Büro Cortesi gekauft und renoviert und ist heute eines der bemerkenswertesten Hotels in Europa.

Der Duft von Hollywood

Die Zimmer und Suiten sind mit Sammlerstücken ausgestattet, die Mario Cortesi auf seinen Streifzügen durch Hollywood gekauft hat. Objekte, die einst amerikanischen Kino-Legenden gehörten.

Im Palacio trifft man auf die rosa Suite Marilyn Monroe, das weisse Zimmer Greta Garbo, die Zimmer Walt Disney, Humphrey Bogart oder James Dean. Handabdrücke von heutigen Berühmtheiten wie Penelope Cruz oder Nina Hagen schmücken die Fassade des Hotels.

"1995 habe ich die Leitung des Hotels übernommen, doch ich pendle schon seit rund zwanzig Jahren zwischen der Schweiz und den Balearen hin und her", erzählt die energische, blonde Geschäftsfrau, die immer noch Verlagsleiterin des Büro Cortesi ist.

"Natürlich habe ich praktisch keine Zeit mehr zum Schreiben", sagt sie. Doch sie könne in Biel auf ein wunderbares Team zählen.

"Am Anfang meines Ibiza-Aufenthalts dachte ich, das Paradies auf Erden gefunden zu haben", erinnert sie sich. Im Lauf der Zeit hätte sie ihre Meinung geändert. "Die Schweiz schien mir klein. Doch sie bleibt im Endeffekt ein Land, in dem alles funktioniert, besonders im Vergleich mit Spanien."

Die Zeiten ändern sich

Etienne bedauert die Veränderungen, die die Insel Ibiza in den letzten zwanzig Jahren erfahren hat: "Die Liebenswürdigkeit der Leute vor Ort musste einer anderen Mentalität Platz machen, jener der jungen Generation".

"Spanien ist stressig und extrem bürokratisch geworden", sagt sie. Nur die Siesta sei eine fest verankerte Tradition geblieben. Doch auch diese schaffe Probleme, da die Büros bereits um 14.00 Uhr schliessen würden.

Und das Leben auf der Insel? "Die Ausländer der Balearen treffen auf ein echtes Sprachenproblem", so die Bielerin. Alle rechtlichen und administrativen Papiere sowie Strassennamen und Inschriften seien in Katalanisch verfasst, einer Sprache, die sich stark vom Kastilischen unterscheidet.

"Es ist schwierig, sich in Ibiza zu integrieren. Die Touristen werden von den Einheimischen zwar toleriert, weil sie viel Geld auf die Insel bringen. Doch die liebenswürdigen 'Ibicencos' mischen sich nicht gerne unter die Fremden", sagt Marlise Etienne.

Vibrierende Insel

Während der Hochsaison ist die Hotel-Direktorin immer vor Ort und führt das El Palacio mit Meisterhand. Diese Professionalität hat Etienne eine Erwähnung im Wirtschaftsmagazin Cash eingebracht. Sie steht auf der Liste der 40 Schweizer Hoteliers, die am meisten Erfolg im Ausland haben - als einzige Frau.

"Die Leitung eines kleinen Hotels wie das unsere lässt einem keine Freizeit", sagt Etienne. Die Gäste, darunter viele Prominente, die inkognito bleiben wollen, hätten oft Sonderwünsche. Man müsse ständig präsent sein. Vor 23.00 Uhr sei nicht an Feierabend zu denken.

Ibizia, Treffpunkt par excellence für Nachtschwärmer, beherbergt während mindestens drei Monaten die "Jeunesse dorée". "Die Jungen sind die Könige auf der Insel, die für ihre Diskotheken weltbekannt ist."

Ein Disco-Eintritt koste hier bis zu hundert Franken, Getränke nicht inbegriffen. "Es gibt Gäste, die während einer Woche nie die Sonne sehen."

Keine Schweizer Kolonie

Und die Schweizer auf Ibiza? "Ich weiss von keiner Schweizer Kolonie auf der Insel", erklärt die Bielerin. Obwohl viele Schweizer auf Ibiza leben, sei bislang kein Schweizer Klub entstanden. "Die Landsleute, die selten länger als fünf Jahre auf der Insel bleiben, hinterlassen oft wunderschöne Anwesen", sagt Etienne. In den letzten Jahren habe sich auf Ibiza der Immobilienmarkt um 30% verteuert.

Betrachtet sich Marlise Etienne als Auslandschweizerin oder als Schweizerin? "Mein Herz bleibt in meinem Heimatland. Identitätsprobleme habe ich deswegen keine, denn seit meiner Geburt pendle ich zwischen zwei Kulturen hin und her. Ich habe diese Zeit des 'Ibicenco' in meinem Leben geliebt, diese Rolle der 'Aussenministerin' des Büro Cortesi. Doch in den letzten Jahren denke immer ernsthafter daran, in die Schweiz zurückzukehren."

swissinfo, Gemma d'Urso
(Übertragung aus dem Französischen: Christine Fuhrer)

Ibiza

Ibiza, "Eivissa" auf Katalanisch, ist die südlichste Insel des Balearischen Archipels und wird auch "die weisse Insel" genannt. Sie hat seit den 1960er-Jahren mit dem ersten Auftauchen der Hippies einen enormen touristischen Boom erlebt.

Im Jahr 654 vor Chr. gründeten die Phönizier einen Hafen für den Handel von Wein, Marmor und Blei.

Die Griechen, die sich dort niederliessen, baben Ibiza und Fomentera den Namen Pytiusen (mit Pinien bedeckt). Bevor die Mauren im 8. Jahrhundert einfielen, war die Insel unter dem Joch von Karthago.

Die Fläche von Ibiza beträgt 572 km2. Der höchste Punkt liegt auf 475 Metern. Die Insel zählt 80'000 Einwohner, davon leben 30'000 – ausserhalb der Hochsaison – in der Hauptstadt. Offizielle Landessprache ist Katalanisch. Spanisch (Kastilisch) wird in der Schule ab der ersten Klasse unterrichtet.

Ibiza ist berühmt für seine nächtlichen Sommerparties. Die besten DJ's werden eingeladen, um in den weltweit bekannten Clubs Pacha, Amnesia, Privilege und Space ihre Musik aufzulegen.

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