Aktienhandel: Internet-Broker bringen Preisgefüge ins Wanken
Die Kommissionen für den Aktienhandel über das Internet sind im "freien Fall". Die unabhängigen Broker, die dieses Geschäft betreiben, haben sich als Konkurrenz für die Banken etabliert. Die Kunden freut's. Sie müssen weniger zahlen.
Früher war der Aktienhandel eine exklusive Domäne der Banken. Entsprechend hoch waren die Courtagen. Das Internet hat diese Dämme gebrochen. Ein gutes Dutzend unabhängiger Broker versucht mittlerweile, sich ein Stück vom lukrativen Kuchen abzuschneiden.
Grünes Licht der EBK
Die Eidg. Bankenkommission (EBK) erteilte Anfang Juli der sb.c.swissbrokers.com (http://www.swissbrokers.com) als erstem unabhängigen Broker die Bewilligung für den Effektenhandel mit eigener Konto- und Depotführung.
Swissbrokers ist seither direkt dem Bundesgesetz über die Börsen und den Effektenhandel (BEHG) unterstellt.
Damit hat der Basler Discountbroker den Konkurrenzkampf erst so richtig angefacht. Die Waadtländer Swissquote will dem Beispiel aus Basel folgen und hat unterdessen ebenfalls ein Gesuch für eine analoge Bewilligung eingereicht.
Schlankere Infrastruktur
Die wesentlich schlankere Infrastruktur der Discountbroker ermöglicht deutlich tiefere Kommissionen im Wertpapierhandel. Banken müssen dem Kunden wegen ihrer schwerfälligeren Organisation oft bis zu doppelt so hohe Kommissionen berechnen.
Ein Beispiel: Für den Kauf einer 8’000 Fr. teuren Aktie auf dem Schweizer Effektenmarkt zahlt der Kunde beim deutschen Discountbroker Consors 22,50 Franken, bei der Credit Suisse-Tochter Youtrade aber 40 Franken. Concors verfügt auch über eine Schweizer Filiale.
Diese bedeutenden Preisunterschiede erklären sich mit der minimalen Struktur und dem äusserst geringen administrativen Aufwand bei den Discountern. «Wir sind auch freier als die Online-Händler der Banken. Diese müssen nämlich darauf achten, anderen Aktivitäten ihrer Bank nicht in die Quere zu kommen», sagte Swissquote-Chef Marc Burki gegenüber der Nachrichtenagentur sda.
Ehrgeizige Ziele
Die kleinen Discountbroker sind zuversichtlich, dass sich der Druck auf die Preise auszahlen wird. Swissquote, die gegenwärtig etwa 15 Prozent der Schweizer Online-Transaktionen kontrolliert, will die Zahl ihrer Konten – 6’500 – bis Ende Jahr verdoppeln. Das Unternehmen, das gegenwärtig 80 Personen beschäftigt, will bereits im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben.
Nicht weniger ehrgeizig gibt sich Swissbrokers, die mit ihrer EBK-Bewilligung in der Tasche die Zahl ihrer Kunden mittelfristig von gegenwärtig 3’000 auf 10’000 steigern will.
Der Basler Discounter will nach Angaben seines Sprecher Jürg Sigerist «in absehbarer Zeit» an die Börse. Swissbrokers beschäftigt rund 50 Personen.
Grossbanken setzen auf Beratung
Die Credit Suisse, die die Zahl ihrer Youtrade-Kunden im ersten Halbjahr 2000 auf 21’000 verdoppelt hat, denkt dennoch nicht an Preissenkungen. Youtrade argumentiert mit der «anerkannten Erfahrung der Bank sowie mit der Qualität der Beratung».
Auch die Grossbank UBS setzt auf den Aktienhandel via Internet. Die im vergangenen Oktober lancierte Tradepac zählt unterdessen 7’600 Kunden. Die UBS bietet aber nach wie vor das Paket «Handel plus Beratung», das E-Banking-Classic, an. «Wir orientieren uns in Richtung einer separaten Verrechnung der Beratung», kündigte Tradepac-Sprecherin Sibylle Thali an.
swissinfo und Agenturen
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