Algroup entscheidet über Fusion mit Alcan
Diesen Montag (17.07.) entscheiden die Aktionäre des Schweizer Traditionsunternehmens Algroup über die Fusion mit dem kanadischen Alugiganten Alcan. Widerstand aus dem Aktionärskreis wird nicht erwartet, zumal der "Preis" stimmt.
Die ausserordentliche Generalversammlung der Algroup vom Montag dürfte die letzte in der 111jährigen Geschichte des Unternehmens sein. Stimmen die Aktionäre den Anträgen des Verwaltungsrates zu, wird die Algroup in die Alcan «fusioniert».
Damit kommt der relativ kleine, aber schlaggkräftige Schweizer Alukonzern in den Schoss einer grossen Gesellschaft. Das war schon seit längerer Zeit der Wunsch der Algroup. Ein erster Versuch mit dem viermal grösseren deutschen Mischkonzern Viag scheiterte jedoch.
Pechiney nicht dabei
Auch das aktuelle Projekt mit Alcan ist insgesamt nicht genau so zustande gekommen, wie es sich die Algroup-Spitze ursprünglich gedacht hatte. Geplant gewesen wäre eine Dreifachfusion. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der EU-Kommission. So haben Algroup und Alcan auf dem Weg zum Zusammenschluss den dritten Partner, die französische Pechiney, verloren.
Im einer Phase der Konzentration in der weltweiten Aluminiumindustrie müsse die Algroup ihre Stellung global verstärken, erklärte Algroup-Konzerchef Sergio Marchionne die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses des öftern.
Das soll nun mit Alcan geschehen. Die Fusion mit Alcan werde Synergien von rund 150 Mio. Dollar bringen, heisst es von Seiten der Algroup. Das ist lediglich noch ein Viertel des Sparpotenzials, das sich aus dem Dreifachzusammenschluss ergeben hätte.
Offerte nachträglich aufgebessert
Für das Wallis brachte die neue Situation aber Vorteile. Wäre Pechiney mit von der Partie, wären die Überkapazitäten grösser und die 1’600 Arbeitsplätze im Kanton unter grösseren Druck geraten.
Aber nicht nur mit unternehmerischen Argumenten werden die Aktionäre der Algroup vom Deal überzeugt. Sondern auch mit Geld. Algroup-Grossaktionär und Verwaltungsratspräsident Martin Ebner hat einen stolzen Preis für Algroup herausgeholt. Alcan hat nach dem Scheitern der Dreifachfusion ihr Angebot für Algroup um fünf Prozent erhöht.
Keine Anzeichen Widerstand zu erwarten
Widerstand aus dem Aktionärskreis ist nicht zu erwarten. Bereits die ordentliche Generalversammlung im Juni verlief ohne auch nur einen einzigen «Mucks» aus den Reihen der Aktionäre. 67 Prozent der Algroup-Aktien müssen der Alcan angedient werden, damit die Fusion perfekt ist.
Da Martin Ebners BZ Gruppe seine schätzungsweise 34 Prozent bereits versprochen hat, reduziert sich die Möglichkeit eines Scheiterns auf ein absolutes Minimum. Man habe denn auch keine Anzeichen für eine negative Stimmung, sagte Algroup-Sprecherin Christine Menz. Sie sei zuversichtlich, dass am Montag alles rund laufe.
Die Fusion von Alcan und Algroup findet frühestens im Oktober statt. Dann entsteht ein Aluminium-Riese mit rund 53’000 Beschäftigten und einem Umsatz von 12,4 Mrd. Dollar. Der grösste Alukonzern der Welt bleibt mit einem Umsatz von 21 Mrd. Dollar der US-Konzern Alcoa.
swissinfo und Agenturen
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