Alternativ-Energie als Klima-Schutz?
An der soeben offiziell beendeten Klima-Konferenz in Bonn hat die Schweizer Regierung bekräftigt, sie wolle die Kyoto-Vereinbarung umsetzen. Zentral ist dabei die Reduktion der fossilen Energieträger - doch obwohl die Schweiz weiterhin eine führende Rolle im Einsatz erneuerbarer Energien einnimmt, sind es weiterhin Nischenprodukte.
Es ist für niemanden eine Überraschung: Auch in der Schweiz beherrschen fossile Energieträger den Markt. Insbesondere Treibstoffe (1999: 33% des Gesamtbedarfs) und Heizöl (27,5%). Dazu kommt ein 11%-Anteil Gas.
Der Gesamtbedarf an Energie wächst weiter, bestätigt Luzius Schmid, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie, anhand der neusten Daten: «Es gibt einen ständigen Zuwachs, besonders im Verkehr.»
Obwohl das Brutto-Inlandprodukt im Jahr 1999 nur um 1,7% gestiegen ist, nahm gleichzeitig beispielsweise der Bedarf an Kerosin für Flugzeuge um 6,5%, Benzin um 3,3% und Diesel um 6,1% zu. Die Gesamtheit aller Fahrzeuge in der Schweiz erhöhte sich um 2,8%, dies obgleich die Ölpreise anzogen. Übrigens: Der Bevölkerungs-Zuwachs in dieser Zeit betrug 0,5%.
Ein Drittel des Stromes aus Kernkraftwerken
Strom macht etwa einen Fünftel des Gesamt-Energieverbrauchs aus, wächst jedoch «nur» um 3% pro Jahr. Allerdings kommt mehr als ein Drittel davon aus Atomkraftwerken, die nicht als erneuerbare Energiequelle gelten.
Die Zunahmen zeigen klar: Mit jedem Tag wird das Einhalten des Kyoto-Protokolls schwieriger.
Der Schweizer Beitrag im Rahmen der internationalen Vereinbarungen sieht bis 2010 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 10% vor (gegenüber 1990). Ein ehrgeiziges Ziel – das die Schweiz mit dem Programm «SchweizEnergie» erreichen will.
Schon vor 10 Jahren wurde das Problem erkannt, und mit dem Programm «Energie2000» wurden Massnahmen ergriffen. Zwar war das Ganze durchaus ein Erfolg – das Wachstum aber war grösser, entsprechend kamen die Einsparungen nicht zum Tragen.
In diesem Programm wurden zum Teil auch alternative Energien gefördert. Vor allem die Energie-Effizienz konnte Erfolge verbuchen. Aber Luzius Schmid gibt zu: «Wir haben das Gesamtziel verfehlt, den Konsum zu stabilisieren. Das Wachstum vernichtet unsere Bemühungen.»
Insgesamt machen erneuerbare Energien nur 13% des Gesamtverbrauchs aus. Bis 2010 soll dieser Wert um 4 Prozentpunkte erhöht werden. Für Schmid «ein realistisches und nicht übertriebenes Ziel».
Sonne, Wind und Biomasse sollen zunehmen
«Wir müssen auf den Erfahrungsschatz von Energie2000 bauen, um Strom und Wärme aus neuen, umweltfreundlichen Technologien zu produzieren», führt der Bundes-Experte weiter aus. Besonders Sonne, Wind und Biomasse sollen als Energieträger mehr zum Zug kommen.
Dafür jedoch müssen auch die Konsumentinnen und Konsumenten mitmachen. Es zeichnet sich das Ende der Regionalmonopol der Verteiler ab. Konsumenten werden in Zukunft – sozusagen am Stecker – den gewünschten Produzenten selber auswählen. Das dürfte den Markt für erneuerbare Energien positiv beeinflussen, jedoch ist der Preis für «sauberen Strom» noch zu hoch.
Verantwortung des Einzelnen
«Das Schweizer Gesetz verzichtet im Unterschied zum deutschen Modell darauf, die sauberen Energiequellen direkt zu unterstützen», erklärt Rolf Wüstenhagen, Ökonom an der Universität St. Gallen. «In der Schweiz werden alternative Energien lediglich einen bevorzugten Zugang zum Verteilungsnetz haben.» Schmid gibt sich jedoch zuversichtlich: Die im Gesetz vorgesehenen Massnahmen und die finanziellen Beiträge der Kantone werden einen weiteren Anstieg sauberer Energie fördern. Obwohl Alternativ-Energien im gesamten Markt wohl weiter eine Nische bleiben, würden sie an Terrain gewinnen. «Privatpersonen sind in der Tat bereit, mehr zu bezahlen, wenn sie einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz leisten können», sagt Wüstenhagen. «Jedoch muss der umweltgerechte Ursprung der Energiequelle garantiert sein, und die Preise dürfen die anderen Markpreise nicht um mehr als 10 bis 20% überschreiten.»
Die Wahl – und somit die Verantwortung gegenüber der Umwelt – tragen also die einzelnen Bürgerinnen und Bürger. Doch Schmid vom Bundesamt für Energie betont: «Mehr alternative Energien werden nicht genügen, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Es werden noch gewaltige Schritte nötig sein, um zu einem bewussten Umgang mit Energie zu gelangen.»
Daniele Papacella
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