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Ansturm auf die SAir-GV

Keystone Archive

Für die SAir-Generalversammlung (GV) haben sich fast 19'000 Aktionäre angemeldet. Wie alle der GV beiwohnen sollen, ist noch ungewiss. Klar ist nur: Der Mittwoch (25.04.) wird ein schicksalsschwerer Tag für die SAirGroup und deren ehemaligen Verwaltungsrat.

SAir-Sprecher Jean-Claude Donzel rechnet damit, dass von den 19’000 angemeldeten Aktionären 10’000 bis 12’000 zur GV erscheinen werden. Einige Tausend werden stehen müssen, Sitzplätze gibt es im GV-Hangar nur für rund 7’300 Personen und in einer zweiten Halle für rund 2’000 Personen; alle anderen werden wohl stehen und die GV via Bildschirm mitverfolgen müssen. Statt des traditionellen Buffets erhalten die Aktionäre beim Eintreten ein Lunch-Säckchen. Donzel empfiehlt die Anreise mit öffentlichen Verkehrmitteln. «Das Chaos ist vorprogrammiert», sagte er.

Traktanden mit Zündstoff

Diese logistischen Probleme dürften aber im Vergleich zu den traktandierten Angelegenheiten gering sein: Der Konflikt um Lohnzahlungen und Abgangs-Entschädigungen dauerte am Wochenende an. Laut der «SonntagsZeitung» (SZ) soll die gesamte Konzernleitung letztes Jahr noch einen Fünfjahresvertrag erhalten haben, ähnlich dem des ehemaligen VR-Präsidenten Eric Honeggers. SAir-Sprecher Donzel wollte dies nicht kommentieren; vor der GV werde nichts gesagt.

Eric Honegger hatte vom neuen SAir-Chef Mario Corti die vertragliche Lohnzahlung bis 2005 gefordert. In den Medien kursierten Lohnforderungen und Vergünstigungen von 5 Mio. Franken. Gemäss SZ waren die Verträge für die ganze Konzernleitung im letzten Juli von Honegger und den beiden anderen Mitgliedern der VR-Kompensations-Kommission, Gaudenz Staehlin und Thomas Schmidheiny, unterschrieben worden.

Kritik hagelt von allen Seiten

Seit die Existenz solcher Verträge bekannt wurde, wogt eine Welle von Kritik über Manager-Löhne durch die Schweiz. «Mir ist das höchst zuwider», sagte SAirGroup-Ehrenpräsident Armin Baltensweiler in einem SZ-Interview. Auch Alt-Bundesrat Rudolf Friedrich äusserte sich entsetzt über die Löhne gewisser Wirtschafts-Kapitäne. FDP-Präsident Gerold Bührer geht auf Distanz zum FDP-Mann Honegger.

Decharge-Verweigerung und Sonderprüfung

Der Bund hat angekündigt, dem VR die Decharge zu verweigern. Auch der Kanton Zürich als Grossaktionär behält sich vor, nur dem neuen starken Mann Corti die Decharge zu erteilen. Wenn die Auskünfte des VR nicht befriedigten, werde der Kanton Zürich eine Sonderprüfung beantragen oder einen entsprechenden Antrag von anderer Seite unterstützen, sagte eine Regierungssprecherin letzte Woche. An der Generalversammlung wird der Zürcher Finanzdirektor Christian Huber persönlich den Kanton Zürich vertreten, um bei unerwarteten Ereignissen reagieren zu können.

swissinfo und Agenturen

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