Antibiotika in Gülle
Mit der Gülle gelangen Antibiotika in die Umwelt. Die Auswirkungen sind noch nicht geklärt, die Untersuchungen laufen.
Eine Studie der eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreingung und Gewässerschutz in Dübendorf (EAWAG) ergab, dass pro Düngung bis zu 500 Gramm antibiotische Substanzen pro Hektare auf Felder ausgebracht werden. Stephan Müller von der EAWAG bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Schweizer Bauer».
Seit 1999 untersuche das EAWAG, ob diese Stoffe von der Umwelt abgebaut würden, oder ob sie in die Gewässer gelangten.
Die Frage, ob die Antibiotika Resistenzen bei Bakterien in der Umwelt auslösen können, sei noch nicht geklärt. «Wir rechnen mit ersten Resultaten in ein bis zwei Jahren.» Antibiotika-Rückstände können theoretisch zu einer Antibiotika-Resistenz beim Menschen führen. Bisher war das Problem vor allem im Zusammenhang mit Fleisch diskutiert worden.
Vor- und Nachteile
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) rechtfertigt den Einsatz von Antibiotika: Bei infektiösen Krankheiten könnten Nutztiere dank Antibiotika meist gerettet werden, sagte Thomas Jäggi vom SBV.
Es sei nicht auszuschliessen, dass die Antibiotika durch das Ausbringen von Gülle in die Umwelt gelangten. Würde das Tier jedoch zum Beispiel bei einer Lungenentzündung nicht behandelt, wäre schlimmstenfalls eine Notschlachtung die Konsequenz.
Man wolle den freigiebigen Umgang mit Antibiotika verhindern, sagte Jäggi. Meist sei der Einsatz gerechtfertigt, vor allem bei jüngeren Tieren mit schwächerem Immunsystem.
Leistungsförderer verboten
Früher wurden Antibiotika-Substanzen in der Landwirtschaft zur Leistungsförderung eingesetzt. Seit 1999 sind diese antimikrobiellen Leistungsförderer (AML) verboten. Erlaubt sind nur noch Antibiotika, die unter tierärztlicher Kontrolle bei Krankheiten eingesetzt werden.
Der Antibiotika-Einsatz ist allerdings zum Teil noch nicht rückläufig. Die früher zu Mastzwecken dem Futter beigemischten Antibiotika hatten den Nebeneffekt eines Infektionsschutzes. Durch das Verbot werden beispielsweise Schweine nun öfter krank. Antibiotika müssen also in einer Übergangsphase im therapeutischen Bereich vermehrt eingesetzt werden.
swissinfo und Agenturen
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