Auf dem Weg zu einem Stromriesen
Die Grossbank UBS verkauft ihre Beteiligung an Motor-Columbus und damit am Strom-Konzern Atel für 1,3 Mrd. Franken.
Ein Konsortium, zu dem die Atel, die Westschweizer EOS und die französische EdF gehören, will einen europäischen Strom-Riesen schaffen.
Die grösste Schweizer Bank, die UBS, verabschiedet sich aus dem Stromgeschäft: Die Bank verkauft ihren Mehrheitsanteil an der Holdinggesellschaft Motor-Columbus (MC), wie die Bank am Freitag mitteilte.
Die Käufer zahlen 4600 Franken pro MC-Aktie. Das entspricht einem Preis von 1,3 Mrd. Franken. Die Grossbank rechnet mit einem Gewinn vor Steuern von rund 350 Mio. Franken.
EdF sticht E.ON aus
MC hält einen 58,6-Prozent-Anteil an der Aare Tessin AG für Elektrizität (Atel). Dieser Stromkonzern ist in ganz Europa aktiv und ein grosser Stromlieferant in Italien. Atel erzielte 2004 einen Umsatz von knapp 7 Mrd. Franken.
Mit dem Verkauf geht die Kontrolle über Atel an die Käufer über: Einem Konsortium aus Schweizer Stromversorgern – Elektra Birseck Münchenstein (EBM), die Elektra Baselland (EBL), der Kanton Solothurn, die Industriellen Betriebe Aarau (IB Aarau) die Aziende Industriale Lugano (AIL) und die Wasserwerke Zug (WWZ) – und dem französischen Strom-Giganten EdF.
EdF konnte damit den deutschen Rivalen E.ON ausstechen, der an dem Schweizer Stromkonzern BKW (Berner Kraftwerke) beteiligt ist. Auch die BKW hatten sich zusammen mit dem italienischen Stromversorger AEM aus Mailand um das MC-Paket bemüht.
Mit mindestens 60 Prozent werde die Mehrheit an dem neuen Konzern in Schweizer Händen bleiben, erklärte Atel-CEO Giovanni Leonardi.
Stromriese geplant
Die neuen Besitzer wollen Atel mit dem Westschweizer Stromkonzern EOS fusionieren: Am Ende eines zweijährigen Umbauprozesses soll ein Schweizer Stromkonzern stehen, der mit gut 8 Mrd. Franken Umsatz in Europa einen Mittelplatz einnehmen wird. EOS ist unter anderem deswegen als Partner willkommen, weil seine Stromkapazität zu 85 Prozent auf Wasserkraft beruht.
Zuerst muss der Verkauf des UBS-Aktienpakets von den zuständigen Behörden im In- und Ausland genehmigt werden. Nach Angaben der UBS dürfte die Transaktion Anfang 2006 unter Dach sein.
Alpenherz des Strommarkts
Vor allem im Hinblick auf einen liberalisierten Markt würden sich der neuen Gesellschaft Chancen eröffnen, sagte Atel-VR-Präsident Walter Bürgi. Zudem könnten mit dem gewählten Vorgehen die Interessen sowohl der Schweiz als auch des Atel-Standortkantons Solothurn gewahrt werden.
Generell gilt der Schweizer Strommarkt nicht zuletzt deshalb als interessant, weil die Stromproduktion vergleichsweise wenig vom Öl anhängig ist. Schweizer Strom kommt aus zumeist französischen Kernkraftwerken oder wird mit Wasserkraft erzeugt. Strom aus Wasserkraft ist flexibel verfügbar und erzielt an den Strombörsen die höchsten Preise. Zudem ist die Schweiz ein wichtiges Strom-Transitland und eine Drehscheibe des internationalen Stromhandels.
swissinfo und Agenturen
Die UBS verkauft ihre 281’535 Aktien der Finanzholding Motor-Columbus.
Jede Aktie soll für 4600 Franken an ein mehrheitlich schweizerisches Konsortium verkauft werden.
Daran beteiligt ist die französische EdF – welche damit die deutsche E.ON aussticht.
Die Anfänge von Motor-Columbus reichen bis in die Zeit der allgemeinen Elektrifizierung zurück, seit zehn Jahren ist die Firma aber eine reine Finanzholding mit Sitz in Baden im Kanton Aargau.
Im Bereich der Energiewirtschaft ist Motor-Columbus mit 58,5% an der Atel-Gruppe (Aare-Tessin AG für Elektrizität) beteiligt, einem europaweit tätigen Stromhändler.
Atel mit Sitz in Olten beschäftigt ungefähr 8000 Mitarbeitende und erzielte im Jahr 2004 einen Umsatz von 7 Mrd. Franken.
Die gegenwärtigen Minderheitsaktionäre der Atel kaufen der UBS die 14,7% der Motor-Columbus-Aktien ab, die Lausanner EOS Holding erwirbt 16,4% und die Electricité de France (EDF) übernimmt 17,3%.
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