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Clariant baut 1’000 Stellen ab

In welchen Werken demnächst das Licht ausgehen wird, will Clariant in den kommenden Wochen bekannt geben. Keystone

Für das erste Halbjahr weist der Chemie-Konzern Clariant wegen Sondereffekten einen Nettoverlust von 1,3 Mrd. Franken aus. Deshalb sollen nun zehn Standorte geschlossen und rund 1'000 Stellen abgebaut werden. Welche Standorte geschlossen werden, ist noch nicht bekannt. An der Börse verloren die Clariant-Aktien zwölf Prozent.

Die Kosten für die Restrukturierungs-Massnahmen belaufen sich auf über 350 Mio. Franken. Welche Standorte geschlossen werden, sei noch nicht festgelegt, sagte Clariant-Sprecher Rainer Weihofen auf Anfrage.

Auf die Frage, inwieweit die Schweiz betroffen sei, verwies er darauf, dass Clariant in der Schweiz lediglich 1’200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftige, weltweit seien es 30’000. Das verdeutliche die Relationen, sagte er.

Im ersten Halbjahr wurden bereits 350 Mio. Franken für Restrukturierungs-Projekte verbucht. Dabei ging es um Stellenabbau in Deutschland, USA und Spanien sowie Betriebsschliessungen in den USA.

Anpassung der Produktions-Kapazitäten

Das Ergebnis des ersten Halbjahres wurde durch Sondereffekte unter anderen durch das bereits laufende Restrukturierungs-Programm belastet. Insgesamt wurden Sondereffekte von fast 1,6 Mrd. Franken verbucht, woraus ein Nettoverlust von 1,3 Mrd. Franken resultiert. Der Umsatz lag mit knapp 5,2 Mrd. Franken zwei Prozent unter dem Vorjahreshalbjahr. Auf vergleichbarer Basis halbierte sich der Gewinn auf 143 Mio. Franken.

Mit den beiden Restrukturierungs-Programmen strebt Clariant laut eigenen Angaben eine bessere Anpassung der Produktions-Kapazitäten an die jeweiligen Marktgegebenheiten an.

Keine Besserung bis 2002

Der Chemiekonzern nimmt an, dass im Verlauf des Jahres 2002 ein einsetzender Aufschwung für ein etwas günstigeres Umfeld sorgen wird. Noch weitergehende Kapazitäts-Reduktionen seien deshalb nicht vorgesehen.

Trotz den eingeleiteten Massnahmen geht Clariant auf Grund der wirtschaftlichen Situation davon aus, dass die operative Marge für das ganze Jahr jene des ersten Halbjahres nicht übertreffen wird. Eine deutliche Ergebnis-Verbesserung erwartet der Konzern erst für 2002.

Heftige Reaktion der Börse

An der Börse verloren die Aktien des Chemie-Konzerns zwölf Prozent. Laut Marktkreisen sind die Zahlen von Clariant deutlich schwächer ausgefallen als gemeinhin erwartet, wobei alle Divisionen schlechtere Margen erzielt hätten.
Zudem seien die Restrukturierungs-Kosten teilweise deutlich höher als angenommen, da der gleiche Betrag wie im ersten Semester auch im nächsten Semester nochmals anfallen soll.

Gewerkschaft vom Ausmass überrascht

Die Gewerkschaft GBI kritisiert den Stellenabbau und zeigt sich überrascht über das «exorbitante» Ausmass. GBI-Sekretär Mathias Bonert sprach zudem von einer schlechten Informationspolitik von Clariant.

Der Stellenabbau komme zwar nicht unbedingt unerwartet, da sich die ganze Branche in einer Abwärtsbewegung befinde, sagte Bonert. Dennoch sei das hohe Ausmass überraschend. Der Gewerkschafts-Sekretär zeigte sich skeptisch zur Aussage, dass die Schweiz von den Massnahmen nicht betroffen sein werde.

swissinfo und Agenturen

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