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Die Bahn ist (noch) zu träge

Remo Brunschwiler von Danzas (links) und Daniel Nordmann von SBB Cargo wollen gemeinsam mehr Güterverkehr auf die Schiene umlagern. Keystone

Die Schweizer Transport-Unternehmen wollen nun tatsächlich Güter von der Strasse auf die Schiene verlagern. Doch, so finden sie, die Rahmen-Bedingungen seien zu schlecht.

Zur demonstrativen Absichts-Erklärung setzten sich vier Transport- und Logistik-Unternehmen aus der Privat- und Bundeswirtschaft (Bertschi, Danzas-Eurocargo, Hupac Intermodal und SBB Cargo) an einen Tisch und verkündeten: «Wir wollen noch mehr Güter auf die Schiene bringen.»

Diese «Platitüde» (Originalzitat von der Medienorientierung in Basel) ist in der Schweiz wohlbekannt. Kein Tag vergeht, ohne dass diese Absichts-Erklärung nicht irgendwo auftaucht. Die Lasterkolonnen an den Alpenübergängen und anderswo auf den Strassen sprechen oft aber eine andere Sprache.

Das «Gotthard-Aha»

Seit dem Brand im Gottthard-Strassentunnel, den Opfern und der Sperrung bis Weihnachten wird aber auch bei den zuständigen Stellen etwas intensiver nachgedacht. Die Bahn wird mehr und mehr ernst genommen und als passable Alternative zur überlasteten Strasse akzeptiert.

Damit beginnt in den Transport-Unternehmungen das grosse Rechnen, sprich Kalkulieren. Ein Transport auf der Schiene muss gleich schnell und gleich teuer, bzw. billig sein wie auf der Strasse. Eigentlich sollte die Bahn schneller und wenigstens nicht teurer sein.

Genau das aber kann die heutige schweizerische und europäische Bahn mit ihrer zum Teil noch veralteten Infrastruktur und Verwaltung nicht leisten. So kostet heute ein Transport durch die Alpen auf dem Lastwagen 200 Franken weniger als per Bahn.

Ein Fünf-Punkte-Programm

Den Wachstums-Strategien (Verdoppelung der Gütermenge auf der Schiene bis 2010, Verdreifachung bis 2020) stehen zunehmend Infrastruktur-Engpässe und administrative Hürden im Weg. Das sagen die Transporteure, das sagt aber auch die Bahn selber. Gefordert sind also das Bahnmanagement und die Politik.

Konkret verlangen deshalb Bahn und Privatwirtschaft in einem Fünf-Punkte-Programm:

– dass die Engpässe der Bahninfrastruktur beseitigt werden,
– dass die Preise für die Benutzung der Bahninfrastruktur (Trassenpreise) gesenkt werden,
– dass die Güterzüge gegenüber den Personenzügen nicht mehr benachteiligt werden,
– dass der kombinierte Verkehr mit einem speziellen Programm gefördert wird,
– dass – ganz wichtig – die administrativen Hürden abgebaut werden.

Tabus brechen

In diesen Forderungen steckt viel Zündstoff. Wenn die Bahninfrastruktur in der Schweiz zu teuer ist, dann gehen Preissenkungen zu Lasten der Bundeskasse (Subventionen) oder müssen durch mehr Anteile am Markt wettgemacht werden.

Grosse Diskussionen in der Schweiz dürfte die Forderung auslösen, dass Güterzüge den Personenzügen gleichgesetzt werden. «Wir brauchen einen Taktfahrplan für Güterzüge», drückte sich Daniel Nordmann, Leiter SBB Cargo, am Dienstag in Basel deutlich aus. Vermutlich würde ein solcher Taktfahrplan am Tag zu Lasten des Regionalverkehrs gehen.

Europa auch gefordert

Die Schweiz wickelt 70% des alpenquerenden Güterverkehrs auf der Schiene ab (Österreich und Frankreich rund 30%). Aus der Schweiz kommt einmal mehr die Forderung, dass die Nachbarstaaten, vor allem Italien, endlich ihre Bahninfrastruktur zügig ausbauen. «Es bringt nichts, wenn wir mit vielen Milliarden unser System ausbauen, und dann staut sich alles an den Grenzen», sagte Nordmann.

Ein gewaltiges Problem stelle auch die unterschiedlichen Stromsysteme der Bahnen dar. Lokomotivführer müssen an den Grenzen ausgewechselt werden. Das alles führt zu Verzögerungen. In Basel wurde gefordert, dass hier endlich «europäisiert» werde.

Und, zu guter Letzt, der Bahn-Güterverkehr ist an der Grenze, am Zoll, administrativen Hürden ausgesetzt, welche die Strasse nicht kennt. Hier wiehere der Amtsschimmel noch gewaltig. Da wiederum ist vor allem die Schweiz gefordert. Bekanntlich sind wir ja nicht in der EU, wo Güter die Grenzen eleganter überwinden.

Urs Maurer

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