Flughafen Genf: Aufwind dank easyJet
Der Flughafen Genf-Cointrin hat den Rückzuges der Swissair vor vier Jahren gut verkraftet. Der Abzug der Langstrecken-Flüge durch die Swissair hat das rasante Wachstum keineswegs gebremst, im Gegenteil.
Die Zahl der Passagiere in Cointrin wächst von Jahr zu Jahr. In diesem Jahr werden voraussichtlich 7,8 Mio. Personen in Genf landen oder starten. Der Rekordwert von 1999 werde damit um weitere 14 Prozent übertroffen, sagte Flughafendirektor Jean-Pierre Jobin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.
easyJet beflügelt
Cointrin profitierte zwar ebenso wie andere Flughäfen vom weltweiten Anstieg des Flugverkehrs. Dies erklärt aber das überdurchschnittliche Wachstum der Passagierzahlen nicht. Quelle des Erfolgs ist vielmehr easyJet Switzerland.
Die britische Billigfluggesellschaft hat die Statistiken des Westschweizer Flughafens seit der Eröffnung ihres Ablegers in Genf im Jahr 1997 positiv beeinflusst. Auch in diesem Jahr wird easyJet zulegen. Seit vergangenem Dezember fliegt die Gesellschaft mit einer dritten Maschine ab Genf.
Ohne easyJet wären die Passagierzahlen in Cointrin «erheblich geringer gewachsen», sagte Jobin. Für das Unternehmen sei die Genferseeregion mit ihrer «britischen Kolonie» ein interessanter Markt. In diesem Jahr rechnet easyJet mit rund einer Million Passagiere in Genf.
Platzmangel zwingt zur Zusammenarbeit
Die anhaltend steigenden Passagierzahlen zwingen die Verantwortlichen, heute schon die Zukunft zu planen. Denn die Kapazitätsgrenze von Cointrin, das nur über eine Piste verfügt, liegt bei 12 Mio. bis 15 Mio. Passagieren pro Jahr, wie Jobin erläuterte.
Bei einer Zunahme des Flugverkehrs von 3,5 Prozent pro Jahr, sei 2020 das Maximum erreicht, sagte Jobin weiter. Dies könne jedoch sogar schon früher der Fall sein, da die bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU den Flughafen Genf für ausländische Gesellschaften noch attraktiver machen werde.
Aus dieser Sicht wäre eine Zusammenarbeit mit anderen Flughäfen sehr sinnvoll, ergänzte Jobin. In Cointrin steht kaum weiterer Platz zur Verfügung. Bereits heute ragen Teile des Flughafens nach Frankreich. Der Bau einer zusätzlichen ist Utopie.
Nimmt der Flugverkehr weiter zu, müsste Cointrin also zumindest mittelfristig anderswo nach Alternativen suchen. Eine Möglichkeit wäre der Flughafen Lyon-Saint-Exupéry. Dort könnten vier weitere Pisten gebaut und die Kapazität damit auf 50 Mio. Passagiere pro Jahr erhöht werden.
Swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch