Hoffnung für Ascom?
Der Telekommunikations-Ausrüster Ascom hat den stark defizitären Terminal-Bereich verkauft und will sich auf moderne Technologien konzentrieren. Das Bakom äusserte sich unterdessen skeptisch gegenüber den PLC-Plänen von Ascom.
Der Berner Ascom-Konzern ist sein grösstes Sorgenkind los: Er hat die Sparte Terminals an die Swiss Capital Equity Holdings (SCEH) verkauft, wie am Montag (06.08.) bekannt wurde. Über den Preis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.
«Wir haben mit Verlust verkauft», sagte Ascom-Sprecher Stephan Howeg. Langfristig dürfte sich durch den Verkauf das operative Ergebnis des Konzerns zwar verbessern, doch kurzfristig werde die Devestition den Gewinn 2001 belasten.
Die verkaufte Geschäftseinheit hatte letztes Jahr einen Verlust zwischen 20 und 30 Mio. Franken eingefahren.
Arbeitsplätze gesichert
Der Verkauf der Geschäftseinheit Terminals mit ihren 157 Mitarbeitern, rund 40 im Ausland, werde per 1. September abgeschlossen, hiess es in einem Communiqué. Die SCEH will die Sparte Terminals, die Telefon-Endgeräte für den Heimbereich herstellt, weiterführen und neu auf Netzwerkbetreiber ausrichten.
Weitere Verkäufe
Weitere Geschäftsfelder, die in der Division Co-operations zusammengefasst sind, sollen verkauft oder in Partnerschaften eingebunden werden. Dazu zählen die Bereiche Modems, Sicherheit im Internet, Telefonkabinen und Frankiersysteme.
Neue Strategie: Wachstums-Branchen
Im Rahmen der Fokussierung auf das Kerngeschäft will Ascom künftig in Wachstumsbranchen investieren. Eine solche ist in den Augen des Ascom-Managements die Powerline Communications (PLC). Diese soll Breitbanddienst via das Stromnetz ermöglichen.
Allerdings äusserte sich das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) erst kürzlich skeptisch zur PLC-Zukunft. «Powerline Communications ist eine verlockende und interessante Technologie. Ich rechne aber nicht damit, dass sie den grossen Durchbruch in der Schweiz machen wird», hatte der Bakom-Vizedirektor Peter Fischer gesagt.
Fischer begründete die Unsicherheit bezüglich der Ascom-Technik damit, dass die PLC-Kommunikation andere Dienste wie Kurzwellenradio oder Funksysteme von Sicherheitsbehörden störe.
«Diese Dienste sind zu schützen und das gibt Einschränkungen in der Benützung», sagte er weiter.
Dabei bezog er sich auf Testergebnisse aus Grossbritannien und Deutschland. In Grossbritannien seien die Auflagen zur Benützung von PLC so beträchtlich, dass sich niemand mehr für die Benutzung interessieren würde. In Deutschland wurde PLC unter Einschränkungen zugelassen. In der Schweiz ist der Zulassung-Entscheid noch hängig.
Ascom-Sprecher Stephan Howeg bestritt Mängel an PLC. Die Feldversuche hätten bisher durchwegs positive Ergebnisse gebracht. Die Technik sei mit Behörden in verschiedenen Ländern getestet worden. Sie erfülle die strenge deutsche Norm.
Umsatz-Maschine PLC
Finanz-Analysten versehen insbesondere die Ascom-Umsatz-Erwartungen mit Fragezeichen.
Für 2001 prognostiziert Ascom in diesem Bereich einen Umsatz von 70 bis 80 Mio. Franken. 2002 soll die Gewinnschwelle bei einem Umsatz von 200 bis 250 Mio. Franken erreicht werden. Powerline könne in drei bis vier Jahren zu einem Milliarden-Geschäft werden, erwartet Ascom-Konzernchef Urs Fischer.
swissinfo und Agenturen
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