Krisenerprobte Unternehmen
Trotz Bankenkrise in Uruguay haben die grossen Schweizer Unternehmen keine Angst. Durchhalten ist angesagt. Krisen hätten sie alle schon viele überlebt.
Seit dem 30. Juli sind aufgrund der Krise in Argentinien die Banken in Uruguay geschlossen. Bei Protesten gegen die Folgen der Finanzkrise in Uruguay kam es dann auch zu Ausschreitungen und Plünderungen. Nach Angaben der Polizei wurden 20 Personen festgenommen.
Die in Uruguay tätigen Schweizer Unternehmen lassen sich durch die Meldungen nicht einschüchtern. «Wir haben uns noch nie aus einem lateinamerikanischen Land zurückgezogen. Im Grossen und Ganzen hat sich diese Politik ausgezahlt», sagt François-Xavier Perroud von Nestlé, die in Uruguay eine Kaffeerösterei unterhält, gegenüber swissinfo.
Ausser in Kuba, wo Nestlé nach der Revolution 1959 vor die Tür gestellt wurde, sei man durch viele Krisen gegangen, und daher jeweils eng mit dem Gastland verbunden. «Wir sind ein Teil des Landes.» Nestlé ist seit Ende des 19. Jahrhunderts in Südamerika tätig.
Schweizer Produktion rückläufig
Laut Angaben des Schweizer Staatssekretariates für Wirtschaft (seco) haben sich seit der Marktöffnung viele Schweizer Unternehmen aus Uruguay zurückgezogen.
Der Abbau der verarbeitenden Industrie sei aber mit einer Zunahme von schweizerischen Dienstleistungsunternehmen einhergegangen, allen voran den Banken.
Auslöser Argentinien
Der Grund für die Krise in Uruguay liegt vor allem im Nachbarland Argentinien. Seit der Währungskrise hatten viele Argentinierinnen und Argentinier ihr Geld bei Banken in Uruguay angelegt.
Seit der Einfrierung der Konten der argentinischen Kreditinstitute haben jedoch zahlreiche Argentinier ihre Guthaben bei Banken in Uruguay wieder abgehoben.
Allein im ersten Halbjahr verloren die uruguayischen Institute dadurch 33 Prozent ihrer Einlagen und die Abhebungen beschleunigten sich in den vergangenen Wochen.
Dadurch schrumpften die Reserven der Zentralbank allein im Juli um 55,5 Prozent. Durch die Schliessung der Banken am 30. Juli hofft Uruguay nun, den Einlagenabfluss aus dem einst soliden Bankensystem zu stoppen.
Regierung gefordert
Vor den Plünderungen hatten sich mehrere tausend Menschen an einer friedlichen Demonstration der Gewerkschaften beteiligt. Damit wollten sie die Regierung von Präsident Jorge Battle zu Gesprächen über die Finanzkrise bewegen.
Uruguays Sparer werden bis zu drei Jahre auf die Freigabe ihrer Bankguthaben warten müssen. Das sieht ein Notplan der Regierung von Präsident Batlle zur Rettung des Bankensystems vor.
Verhandlungen mit dem IWF
Der Internationale Währungsfond IWF sei sich der Dringlichkeit der Krise bewusst. Mit dieser Aussage von Sprecher Tom Dawson begann der IWF die Gespräche über die Bankenkrise in Uruguay.
Noch im März war Uruguay als solide eingestuft, wie entsprechende Kreditprogramme des IWF belegen. Die Auswirkungen der Krise in Argentinien waren jedoch grösser als die Regierung und der IWF erwartet hatten.
Auch in Brasilien zu spüren
Argentinien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Das Land bemüht sich seit längerer Zeit um einen neuen IWF-Kredit. Die Lage wirkt sich auch den Nachbarn Brasilien aus, wo die Landeswährung in den letzen Tagen auf ein Rekordtief fiel.
Die Verhandlungen mit Argentinien über einen möglichen neuen Kredit laufen nach den Worten Dawsons gut. Allerdings habe die Regierung in Buenos Aires noch einige Arbeit zu erledigen, bevor man sich auf ein neues Kreditprogramm einigen könne.
Mit Brasilien verhandle der IWF über eine mögliche Verlängerung des im September 2001 vereinbarten Kreditprogramms über 16 Mrd. Dollar, sagte Dawson. Er lehnte jedoch eine Stellungnahme dazu ab, ob der grössten Volkswirtschaft Lateinamerikas zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt werden.
Christian Raaflaub und Agenturen
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