Nicht alle Kantone zahlen
Die Kantone Bern und Solothurn machen bei der Kapitalerhöhung der "New Crossair" nicht mit. Kopfschütteln löste der informations-politische Blackout des Verwaltungsrats aus.
Beobachter erwarten, dass der Name der Fluglinie, den der Crossair-Verwaltungsrat partout nicht nennen will, ohnehin bald durchsickern wird.
Zwei Tage nach dem Ja des Zürcher Stimmvolks zum 300 Mio. Franken Kredit ist der Take-Off der neuen Schweizer Airline am Dienstag wieder leicht gebremst worden.
In Antworten auf drei parlamentarische Vorstösse, die alle gegen eine Beteiligung des Kantons an der Kapitalerhöhung der Crossair gerichtet sind, bekräftigte die bernische Regierung am Dienstag ihr Nein.
Sie räumte zwar ein, dass man dem Kanton damit den Vorwurf des «Trittbrettfahrers» machen könnte, führte aber finanz- und ordnungspolitische Gründe gegen die vorgesehene Beteiligung von 10,95 Mio. Franken an.
Daueraufgabe befürchtet
So wurde an das frühere Nein zur Beteiligung an Fluggesellschaften erinnert. Vor allem aber würde eine Beteiligung die mühsam aufgebaute Haushaltsanierung und damit die finanzpolitische Glaubwürdigkeit untergraben.
Zum Solidaritäts-Argument erklärte die Regierung, dass den anderen Kantonen auch gedient sei, wenn Bern seine finanzpolitische Situation verbessere und über den Finanzausgleich weniger unterstützt werden müsse.
Bern befürchtet ausserdem, dass die Finanzierung der neuen Airline zu einer Daueraufgabe würde, falls die Fluggesellschaft am Markt nicht bestehen könne.
Auch Solothurn sagt Nein
In Basel wurde das Ausscheren Berns zwar bedauert. Matchentscheidend sind die fehlenden elf Millionen für die Umsetzung des Phoenix-Plus-Projekts aber nicht mehr.
Die Crossair plant nach den Worten von Sprecher Andreas Schwander auch keinerlei Racheaktionen gegen Bern, misst sie doch ihrer Präsenz auf dem Flughafen Bern-Belp grosse Bedeutung bei.
Definitiv Nein zur einer Kapitalbeteiligung hatte zuvor bereits Solothurn gesagt; hier ging es um knapp drei Mio. Franken.
Das Konzept der Finanzdirektoren-Konferenz sah vor, dass sich die Standortkantone der Landesflughäfen mit 341 Mio. Franken beteiligen, während die übrigen 22 Kantone 59 Millionen einschiessen.
Weitere Entscheide werden in den kommenden Wochen folgen. Der Urner Regierungsrat beantragte am Dienstag dem Landrat einen Beitrag von 214’000 Franken.
Immer noch namenlos
Auf Tauchstation blieb die Crossair auch am Dienstag bezüglich des Namens der neuen Airline, der dem Vernehmen nach vom Verwaltungsrat am Vorabend ausgewählt worden war.
Das Stillschweigen hängt offenbar mit noch ausstehenden rechtlichen Abklärungen zusammen. Der informations-politische Blackout des Verwaltungsrats – nach dem Schüren von Erwartungen teilte die Firma zur Sitzung vom Montag einzig mit, dass sie nichts mitteile – löste aber in- und extern Kopfschütteln aus.
Beobachter erwarten, dass der Name ohnehin durchsickern wird. An der Börse ging das Auf und Ab der Crossair-Aktie weiter: Nach einem Anstieg im Eröffnungs-Handel um knapp vier Prozent lag der Kurs am späteren Vormittag 2,4 Prozent im Minus.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch