Radikalkur für die Swissair
Ein neuer Plan zur Rettung des hoch verschuldeten Flugkonzerns Swissair Group steht. Die Fluggesellschaften Swissair und Crossair sollen fusionieren. Das kostet weitere Arbeitsplätze. Der Bund übernimmt die Deckung des Versicherungs-Risikos.
Die Attentate in den USA und die gravierenden Auswirkungen auf die weltweite Luftfahrt aber auch die generelle wirtschaftliche Lage haben die Swissair weiter in die Knie gezwungen.
Grosse Opfer
Die Sanierung der Swissair Group kostet grössere Opfer als die im August vorgesehene Streichung von 1’250 Stellen sowie den Verkauf der Töchter Swissport und Nuance. Entgegen früheren Angaben sollen nun Crossair und Swissair zusammengelegt werden.
Swissair beschäftigt 7’299 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Crossair 3’263. Total beschäftigt die Swissair rund 70’000 Mitarbeiter. Die Gewerkschaft Kapers reagiert mit Verständnis auf die Ankündigung. Beim Kabinen-Personal sei die Fluktuation gross.
Bei der Bordverpflegungs-Gesellschaft Gate Gourmet werden die Kapazitäten wegen des dramatischen Einbruchs des Flugverkehrs nach den Attentaten in den USA gedrosselt. 3’000 der insgesamt 30’000 Arbeitsplätze verschwinden. Der Stellenabbau betrifft vorab Nordamerika.
Ein Viertel weniger Langstrecken-Flugzeuge
25% der Langstrecken-Flugzeuge werden abgebaut. Das kostet Stellen. Der Umfang könne derzeit nicht beziffert werden, sagte Swissair-Sprecher Jean-Claude Donzel. Es handle sich jedoch um einen grösseren Abbau. Der Abbau betreffe alle Sektoren der Gruppe.
Unter dem Namen Swiss Air Lines will sich die Swissair Group noch auf den Geschäftsreise-Verkehr auf innereuropäischen Direkt-Verbindungen konzentrieren und nur noch die profitablen Langstrecken fliegen.
Swissair-Konzernchef Mario Corti erwartet von der Massnahme weitere Kostensenkungen. Der Umfang wurde am Montag nicht beziffert. Doch es wurde klar, dass auch die Pilotenlöhne kein Tabu mehr sind.
Bis zum 10. Oktober soll ein Rekapitalisierungs-Plan auf der Basis des neuen Business-Planes vorliegen. Die Umsetzung der Restrukturierung wird sofort beginnen und soll in drei Jahren abgeschlossen sein.
Bund übernimmt Versicherungsrisiko
Im Fall von Krieg und Terror deckt künftig der Bund das Versicherungsrisiko der Schweizer Fluggesellschaften. Er haftet für einen Betrag bis maximal 2 Mrd. US-Dollar pro Ereignis. Der Bundesrat fasste diesen Beschluss am Montag. Ansonsten hätten Swissair, Crossair und Balair ihre Flüge um Mitternacht einstellen müssen, sagte Bundesratssprecher Achille Casanova.
Zuvor hatte der internationale Versicherungsmarkt ab Montag Mitternacht die Kriegs-Versicherungsdeckung von 2 Mrd. auf 50 Mio. US-Dollar gesenkt und auf nur noch ein einziges Ereignis je Fluggesellschaft limitiert.
Die Staatsgarantie ist auf 14 Tage beschränkt. Sie kann erstreckt werden, doch müssen sich die Fluggesellschaften weiter darum bemühen, mit den Privatversicherern so rasch als möglich eine neue Lösung zu finden. Bis dahin verpflichten sich die Airlines, dem Bund eine Prämie in derselben Höhe zu bezahlen, wie sie vor der Kündigung von ihrem Versicherer erhoben worden ist.
Enormer Finanzbedarf
Der Finanzbedarf der Swissair Group ist enorm. Um die Eigenkapitalbasis der Swissair zu stärken, seien mindestens 2 bis 3 Mrd. Franken nötig, sagte Corti in einem Gespräch mit Schweizer Radio DRS. Mitte Jahr lag die Eigenkapital-Quote nur noch bei 2,5%.
Straffung des Managements
Als weitere Massnahme strafft die Swissair das Management. Neuer Leiter des Swissair-Flugbetriebes wird der bisherige Crossair-Chef André Dosé. Der bisherige Swissair-Chef Beat Schär tritt aus der Konzernleitung aus. Die Konzernleitung wird von zwölf auf sechs Mitglieder reduziert.
Gute Nachricht für die Börse
An der Börse wurde der neue Restrukturierungs-Plan mit Euphorie aufgenommen. Zeitweise legte die Aktie der Swissair um bis zu 30% zu. An der virt-x sackten die Titel bis Handelsschluss um 16,7% auf 48,75 Franken ab.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch